Bernhard Oswald rekonstruiert historische Gebäude in 3 D

Burgen-Bastler am Computer

Miltenberg
2 Min.

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Erweckt alte Gemäuer aus dem Dornröschenschlaf: Bernhard Oswald (90) rekonstruiert Ruinen, wie hier das alte Schloss in Wörth, von dem heute nur noch der Turm existiert.
Foto: Julia Preißer
Hand in Hand ste­hen die bei­den Burg­fräu­lein am Bal­kon der Amor­ba­cher Wil­den­burg. Bern­hard Os­wald hat die ed­len Da­men pass­ge­nau plat­ziert. Auch für die Kut­sche und das Mast­schwein, die sich vor den Burg­mau­ern tum­meln, ist er ver­ant­wort­lich. Os­wald kon­stru­iert am Com­pu­ter Drei-D-Mo­del­le al­ter Ge­mäu­er. An sei­nem Bild­schirm ent­ste­hen Ge­bäu­de, die heu­te nur noch als Rui­nen oder gar nicht mehr exis­tie­ren.

Das ungewöhnliche Hobby begann für Oswald mit dem Ruhestand. Der 90-Jährige, der eine steile Karriere als Unternehmer und Wissenschaftler vorweisen kann, will nicht als »Auslaufmodell gelten«, wie er sagt. In seiner Freizeit schreibt er Bücher, befasst sich mit deutscher Hochliteratur und ist als Hobbyhistoriker unterwegs. Besonders für Burgen, Schlösser und Klöster begeistert sich der gebürtige Miltenberger. Vor etwas mehr als 20 Jahren entdeckte er die Software Sketchup. Mit dem Drei-D-Modellierungs-Tool baut er Gemäuer der Region maßstabsgetreu nach.

Blick ins Römerkastell

Das Besondere: Oswald zeigt die Bauten nicht nur von außen, sondern geht auch dem Innenleben auf die Spur. Wie könnte der Boden ausgesehen haben? Welche Fresken zierten die Wand? Wo stand der Kamin? Hilfe bekommt der Rentner von Historikern und Archäologen. Mit ihnen spürt er etwa den alten Römern nach, die von 150 bis 250 nach Christus im Altstadtkastell in Miltenberg lebten. Die Drei-D-Modelle am Computer zeigen Befestigungsmauern, einfache und doppelte Gräben, Mannschaftsunterkünfte, Ställe, Waffenkammern und ein Prätorium. Vom Fahnenheiligtum winkt der Imperator. Zwei Soldaten bewachen die Skulptur.

Wie der 90-jährige Bernhard Oswald Burgen am Computer in 3D nachbaut
Quelle: Julia Preißer

In aufwendigen Mammutaktionen vermisst Oswald auch intakte Gebäude wie das Kloster Engelberg in Großheubach oder das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg. Archivare und Eigentümer liefern Kartografien, damit Kloster und Schloss am PC lebendig werden. Seine Modelle seien maßstabsgetreu, jedoch »architektonisch nicht perfekt«, sagt Oswald. Digitalkunst braucht keine perfekte Statik. Einsturzgefahr ausgeschlossen! Was Oswald wichtig ist: »Das Gelände muss stimmen.« Die Neigung des Bodens, kleine Unebenheiten in der Landschaft, ein Bachlauf, der sich im Tal verliert: Oswald hat einen Blick für Details.

Knobeln am Wörther Schloss

Vor eine besondere Herausforderung stellte den 90-Jährigen das Wörther Schloss, von dem heute nur noch der Turm steht. Dessen virtuelle Rekonstruktion war bereits weit fortgeschritten, als im vergangenen März im Staatsarchiv Wertheim ein genauer Bauplan von 1795 auftauchte, der einige Annahmen der Historiker über das Aussehen des Gebäudes über den Haufen warf - und Oswalds Ehrgeiz weckte, die Rekonstruktion anhand der neuen Quellen soweit wie möglich noch zu korrigieren.

Seine Modelle hat der Hobbyhistoriker in einem Buch gebündelt. Neben Frontalansichten und Luftbildern kann der Leser auch Querschnitte der Gebäude bewundern. Doch weil die Technik bekanntlich nie still steht und Oswald auf eine bessere Grafik baut, legt er nach. Band zwei seines Werks kommt demnächst auf den Markt - inklusive neuer Rekonstruktionen. 40 Modelle warten auf der Festplatte auf ihren Einsatz. Erstmals will Bernhard Oswald auch eine digitale Version veröffentlichen. Wer das Buch kauft, bekommt einen Stick dazu. Am heimischen PC kann er dann selbst durch die Gebäude wandern und den hübschen Burgfräulein seine Aufwartung machen.

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