Auch zweites Gutachten geht ins Leere

Windkraft:Baubeginn von WKA Felgenwald I am Gut Sansenhof haben begonnen - Kritik von Gegnern

Michelstadt
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Am WKA-Standort Felgenwald I (Stadt Michelstadt) in direkter Nachbarschaft zum Golfclub Gut Sansenhof haben die Bauarbeiten für zwei Rotoren begonnen. Foto: Manfred Giebenhain
Foto: Manfred Giebenhain
Die Bau­ar­bei­ten am Wind­park­stand­ort Fel­gen­wald I in di­rek­ter Nach­bar­schaft zum Golf­club Gut San­sen­hof (Weck­bach, Markt Weil­bach) ha­ben be­gon­nen. »Ei­ne Ge­neh­mi­gung hät­te nie er­fol­gen dür­fen«, sagt Hans-Joa­chim Büchs von der »In­i­tia­ti­ve Zu­kunft Viel­brunn«.

Adressat der Kritik ist das Darmstädter Regierungspräsidium (RP), das auch ein zweites, aktuelles Gutachten vom 28. Juli ignoriert habe, in dem vor einer Verunreinigung des Tiefbrunnens von Vielbrunn gewarnt wird.

Das betroffene Areal im Felgenwald liegt auf hessischer Seite und grenzt an jene Fläche im Stadtwald von Amorbach, auf der von Mitte 2016 an ein Spezialunternehmen den Waldboden rund um den ehemaligen Sprengtrichter Boxbrunn nach Resten von Granaten abgesucht hat. Waren es zu Beginn vor allem noch die Sorgen, auch der Waldboden auf der Baustelle könnte von Kampfmittelresten verunreinigt sein, richten sich die Blicke kritischer Einwohner der umliegenden Orte längst auf den etwa einen Kilometer entfernten Tiefbrunnen. Dieser versorgt seit 2006 die beiden Michelstädter Stadtteile Vielbrunn und Würzberg mit Trinkwasser.

Einzelfallprüfung

Über eine Abzweigung des Leitungssystems von Würzberg sind zu Beginn dieses Jahres die Erbacher Stadtteile Erbuch und Ernsbach hinzugekommen. Bereits in ihrer Empfehlung vom 19. August 2016 war Inga Schlösser-Kluger vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG, Wiesbaden) zu dem Ergebnis gekommen: »Es ist eine Einzelfallprüfung erforderlich«, da der Standort auf Schutzgebietsflächen liege.

Es sei von einem »Grundwasseranstrom« innerhalb einer etwa 600 Meter breiten Störungszone hin zur Quelle auszugehen. In Auftrag gegeben wurde das Gutachten durch das RP Darmstadt. Doch dieses hatte mit seiner am 5. Dezember 2015 erteilten Baugenehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) bereits Fakten geschaffen. Der Projektierer Whs-Enertec GmbH (Erzhausen) befindet sich weiterhin auf der sicheren Seite: Das RP hatte die Genehmigung für die beiden Rotoren mit einer Gesamthöhe von 217 Meter zur sofortigen Vollziehung mit der Begründung erteilt, dass bei einer Verzögerung des Baubeginns dem Betreiber erhebliche wirtschaftliche Schäden entstehen können. »Das neue Gutachten wurde von Spenden der Bürger aus den vier Ortschaften bezahlt. Hier wird sowohl die verstärkte Nitratbildung durch Bodenbelichtung (massives Abholzen) und vor allem das Auslaugen von Chromaten aus den Betonfundamenten beschrieben«, fasst Büchs zusammen. Der Verfasser Dr. Alexander Stahr (Taunusstein) macht mit Zink und Strontium weitere gesundheitsgefährdende Metalle aus und kommt zu dem Ergebnis, dass »im Hinblick auf die Grund- beziehungsweise Trinkwasserqualität (?) hinsichtlich der Schwermetallproblematik bei der Errichtung von WKA im Wald mit sauren bis stark sauren Böden nach bisherigem Kenntnisstand (?) keinerlei gesicherte wissenschaftliche Studien vorliegen«.

Verdruss mit Behörden

Auch die Stadt Michelstadt hat angesichts der Grundwasserproblematik kein gutes Gefühl gehabt und vorsorglich Klage eingereicht. Bisher ohne Erfolg. Vor einem Jahr wurde der auf dem Rechtsweg angestrebte Baustopp vom Oberlandesgericht Kassel aufgehoben.

Ein weiteres Mal fühlen sich die Windkraftkritiker mit ihren Argumenten alleine und von den Behörden im Stich gelassen. Anfang August hat der Reichelsheimer Architekt Heinrich Schäfer im Auftrag der Bürgerinitiativen von Vielbrunn und Würzberg Landrat Frank Matiaske als Dienstherr der Bauaufsicht und Wasserbehörde dazu aufgefordert, Betonproben von den Fundamenten nehmen zu lassen und einer bauchemischen Untersuchung zu unterziehen.

Drei Wochen darauf bekam er zur Antwort, sich an die obere Wasserbehörde beim RP zu wenden, die für die wasserrechtliche Überwachung zuständig sei. Dazu Büchs: »Laut Genehmigung vom Dezember 2016 ist die untere Baubehörde beim Landratsamt für die Bauaufsicht zuständig.« Versäumnisse sieht er auch in Michelstadt. Die zuständigen Stadtwerke hätten es bei Inbetriebnahme des Tiefbrunnens vor mehr als zehn Jahren versäumt, das Gelände zum Wasserschutzgebiet erklären zu lassen. Aus der Antwort des Landrats geht hervor, dass jetzt »die Stadt Michelstadt einen Antrag auf Ausweisung eines entsprechenden Schutzgebiets gestellt hat«.

MANFRED GIEBENHAIN
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