Alte Heimat bleibt im Herzen

Ausstellung: Vertriebene dokumentieren im Sulzbacher Haus der Begegnung Flucht vor 70 Jahren und Integration

Sulzbach
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Ein Modell der Kirche in Bernhau, Holzkoffer für das wenige Hab und Gut, Karten und Originaldokumente - in Sulzbach werden Flucht und Vertreibung hautnah und authentisch in einer Ausstellung gezeigt.
Foto: Heinz Linduschka
»Frucht­ba­re Ge­spräche und ei­ne Au­f­ar­bei­tung der Ge­schich­te«, so lau­tet das Ziel von Bür­ger­meis­ter Pe­ter Mau­rer und Al­f­red Kip­p­lin­ger, Ob­mann der Su­de­ten­deut­schen Lands­mann­schaft (SL), in der Ein­la­dung zur Aus­stel­lung im »Haus der Be­geg­nung« in Sulz­bach. Un­ter dem Ti­tel »70 Jah­re an­ge­kom­men« in­for­miert sie dort zwei Wo­chen lang über Ver­t­rei­bung und In­te᠆­g­ra­ti­on in der neu­en Hei­mat.
Zu sehen sind viele Originaldokumente von Menschen, die 1946 aus dem Erzgebirge, dem Egerland und Nordmähren vertrieben wurden und am Untermain eine neue Heimat fanden. Ausgestellt ist auch das Modell einer Kirche in Bernhau in Nordböhmen, viele Fotografien und Karten. Authentisch dokumentieren sie die Flucht, aber auch eine gelungene Integration und die Leistungen der Vertriebenen für den Wiederaufbau und das »Wirtschaftswunder«.
Wie anerkannt diese Verdienste der rund 600 Heimatvertriebenen sind, die 1946 in Sulzbach, Dornau und Soden fast 20 Prozent der Einwohner ausmachten, wurde aus dem vollen Haus und auch aus der Liste der Grußredner bei der Eröffnung am Freitagabend deutlich: Bürgermeister Peter Maurer, Pfarrer Norbert Geiger für die katholische, Pfarrerin Martina Haas und Pastor Jakob Mehlig für die evangelische Kirchengemeinde, Vereinsringvorsitzender Hermann Spinnler, Landrat Jens Marco Scherf und Hans Jürgen Fahn, im Landtag FW-Sprecher für die Vertriebenen, würdigten deren Leistung für Völkerverständigung und Versöhnung.
Gemeinsame Geschichte
Dass im Sulzbacher Rathaus vor dem Sitzungssaal eine Glasvitrine an die Geschichte und Kultur des »5. Stammes in Bayern« erinnert, empfindet nicht nur Kipplinger als Zeichen der Anerkennung für 70 Jahre gemeinsame Geschichte am Untermain.
Viele Beispiele weisen darauf hin, dass die Heimatvertriebenen ihre alte Heimat immer im Herzen bewahren, aber am Untermain auch längst eine neue Heimat gefunden haben: Viele Straßennamen erinnern an die alte Heimat im Osten. Der ehemalige Bürgermeister Josef Schüßler erhielt für seine Verdienste um die Integration der Vertriebenen in Sulzbach, Soden und Dornau das Bundesverdienstkreuz. Und: Die Sudentendeutschen und Schlesier haben in ihrer neuen Heimat beim Neubau der Kirche St. Margareta ein Glasfenster »Vertreibung aus dem Paradies« des Obernburger Handwerkers und Künstlers Richard Reis gestiftet.
Aktuelle Flüchtlingssituation
SL-Landesvorsitzender Steffen Hörtler aus Bad Kissingen erinnerte an das Motto der Heimatvertriebenen »Nie wieder Flucht und Vertreibung!« und daran, dass aktuell weltweit rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Er lobte aber auch das Bemühen in Prag, endlich die Verbrechen an den Sudetendeutschen bei der Vertreibung aufzuarbeiten. Bei allen Rednern spielte die aktuelle Flüchtlingssituation eine Rolle und man war sich einig, dass gerade die Heimatvertriebenen mit all ihren schmerzlichen Erfahrungen auch bei der Aufnahme und Integration der Flüchtlinge aus vielen Ländern der Erde im Jahr 2016 wichtige Hilfe leisten können. Landrat Scherf rief dazu auf, die Einzelschicksale zu sehen. Die »Aufrechnung von Schuld und Leid« sei der falsche Weg.
HEINZ LINDUSCHKA
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