Ärztehaus soll Erlenbachs Zentrum beleben

Stadtrat: Acht Praxen und Apotheke bis Herbst 2017 hinter dem Rathaus fertig - Teil des Schulhofs wird Parkplatz - Lange Debatte

Erlenbach a.Main
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Parken statt spielen: Um Stellplätze für das Ärztehaus in der Erlenbacher Dr.-Vits-Straße zu schaffen, soll die Grundschule (im Hintergrund) einen Teil ihres Pausenhofs abgeben. Bis zum Baum soll der Einschnitt reichen. Auch der Bereich vor dem Hoftor wird zur Parkfläche. Der Brunnen vor der Frankenhalle (rosa) muss weichen. Foto: Anja Keilbach
Foto: Maileingang Publishing Organizer
Sport­lich. So lässt sich das Vor­ha­ben be­zeich­nen, das der Stadt­rat am Don­ners­tag be­sch­los­sen hat. Er­len­bach er­hält ein Ärzte­haus mit­ten im Zen­trum. Bau­be­ginn soll im Ju­li sein, das Ge­bäu­de be­zugs­fer­tig im Spät­som­mer 2017 be­reit ste­hen. Um aus­rei­chend Stell­plät­ze zu schaf­fen, wird der Pau­sen­hof der Dr.-Vits-Schu­le ver­k­lei­nert. Die­sen Ein­schnitt lehn­ten fünf Stadträ­te ab.
Erlenbach braucht ein Ärztehaus. In diesem Punkt waren sich alle Mandatsträger einig. Denn mit dem Vorhaben soll nicht nur die medizinische Versorgung der Erlenbacher verbessert, sondern auch die Innenstadt belebt werden. Das städtebauliche Entwicklungskonzept »ProZent«, das mangels Investoren von Geburt an fünf Jahre lang im Dornröschenschlaf lag, wird durch das Projekt der Immobilien- und Bauträgergruppe Elk aus Elsenfeld sowie Spiegel und Siegler aus Aschaffenburg wach geküsst. Die Stadt verspricht sich davon viel. Das Ärztehaus soll die weiteren Entwicklungspläne für einen Stadtplatz mit neuen Ladengeschäften und den Rathausanbau beschleunigen.
Bürgermeister Michael Berninger (CSU) sprach von einer »historischen Entscheidung« und versuchte, die Stadtratsmitglieder mit mahnenden Worten zur Zustimmung zu bewegen. »Wenn wir heute eine falsche Entscheidung treffen, ist das Thema durch. Wenn wir heute alles richtig machen, gibt es noch keine Garantie, dass alles gelingt«, so Berninger.
Ohne Parkplätze kein Ärztehaus
Die Krux liegt, wie der Bürgermeister sagte, darin, dass die Stadt unter enormem Zeitdruck steht. Um die ansässigen Mediziner in Erlenbach zu halten und neue zu gewinnen, muss das Haus spätestens im Herbst 2017 fertig sein. Die Konkurrenz im Umfeld ist groß. Auch Elsenfeld und Obernburg planen ähnliche Projekte. »Die Ärzte werden in das Haus nicht reingehen, wenn nicht ausreichend Stellplätze in nächster Nähe vorhanden sind«, so Berninger. Den Eingriff in den Pausenhof bezeichnete er als »alternativlos«.
Im engen Stadtzentrum hat Erlenbach mit Verkehrsaufkommen und Parkplatzmangel ohnehin reichlich Probleme. Dass künftig ein Teil des Schulhofs - die Rede war von rund 900 Quadratmetern - dafür herhalten soll, Autos abzustellen, stieß bei vielen Ratsmitgliedern auf Unbehagen. Die Debatte zog sich rund eineinhalb Stunden hin. Den Mandatsträgern saßen rund 30 Zuhörer, darunter viele Eltern, im Nacken, die die Verkleinerung des Pausenhofs ablehnen.
Gegen den Eingriff, der auch mit einem veränderten Hauptzugang zur Schule einhergehen wird, stimmten zuletzt aber nur die UWV-Mitglieder Wolfgang und Rudi Großmann sowie die komplette Grünen-Fraktion.
Eberhard Großmann von den Grünen monierte insbesondere die Unverbindlichkeit, mit der der Bürgermeister Verbesserungen für die 350 Grundschulkinder als Ausgleich für den wegfallenden Erholungsbereich in Aussicht stellte. »Das ist eine Chance für die Schule, Dinge positiv zu gestalten, die sonst wahrscheinlich erst in zehn Jahren möglich gewesen wären«, so der Bürgermeister. Eberhard Großmann wollte aber mehr als ein »Signal« an die Schule und beharrte darauf, Verbesserungen schnellstens anzupacken.
Auch Martin Brendel (CSU) appellierte eindringlich, die Schule nicht mit einem Provisorium abzuspeisen. Viele Kinder seien den ganzen Tag in der Schule. »Der Pausenhof ist Lebensraum. Die Kinder brauchen jeden Meter.«
Rudi Großmann lehnte es ab, die Notwendigkeit des Ärztehauses und die Bedürfnisse der Kinder gegenüber zu stellen. Zudem beklagte er den Zeitdruck. Die Stadträte hätten nur acht Tage gehabt, um sich Gedanken zu machen. Sein Fraktionskollege Wolfgang Großmann schlug vor, Parkplätze anders anzuordnen und auf einige ganz zu verzichten. Auch Wolfgang Münzel (Grüne) machte einen Alternativvorschlag. Beide Ideen sollen von der Verwaltung geprüft werden.
Verkehrskonzept wird erstellt
SPD-Fraktionssprecher Werner Hillerich erklärte dagegen, dass der derzeit mit rund 4000 Quadratmetern vergleichsweise große Pausenhof nach Abzug der Parkplätze für 350 Schüler noch groß genug sei. Er plädierte wie CSU-Fraktionssprecher Martin Gundert für ein umfassendes Verkehrskonzept, um Schule und Ärztehaus zu erschließen. Beide vertraten zudem die Ansicht, dass das Verkehrschaos im Schulbereich auch durch den Bringverkehr der Eltern verursacht sei. »Ich freue mich über Schüler, die noch laufen«, so Hillerich.
Mit einstimmigen Beschlüssen hielten die Stadträte den Verkauf von städtischen Grundstücken und den Abriss des Bauhofs zur Errichtung des Ärztehauses fest. Auch die Erstellung des Verkehrskonzepts und schnelle Verbesserungen für die Vits-Schule fanden einhellige Zustimmung.
SONJA MAURER
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