15 steinerne Janusköpfe bilden neue »Blickachse« an Janusz-Korczak-Schule

Der Gruseligste schaut ins Lehrerzimmer

Elsenfeld
2 Min.

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Ins Zimmer der Schulleitung und ins Lehrerzimmer blickt der "gruseligste" Kopf der Steinstelen und durchbricht damit die sonst konsequente Nord-Süd-Ausrichtung der Janusköpfe.
Foto: Heinz Linduschka
Gro­ße Be­geis­te­rung über die »neue Blic­k­ach­se« beim Ein­gang zur Ja­nusz-Korczak-Schu­le in El­sen­feld bei den rund 50 Schü­le­rin­nen und Schü­l­ern, die ihr selbst ge­schaf­fe­nes Kunst­werk zu­sam­men mit ih­ren Leh­rern und ei­ni­gen Gäs­ten öf­f­ent­lich ein­weih­ten, spür­ba­re Em­pa­thie auch bei der Schul­lei­te­rin Bir­git­ta Burg­hardt, die sich sehr über die 15 Steins­te­len mit den Ja­nus­köp­fen freu­te.

Sie seien ein würdiger Nachfolger der ersten »Blickachse« aus Holz, Weiden und Lehm, die 2005 unter der Federführung des Künstlers Konrad Franz entstand und mit dem ersten Preis beim hochrangigen Wettbewerb »Kinder zum Olymp« vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler ausgezeichnet wurde. Mehr als zwei Jahre hat der Bildhauermeister Alexander Schwarz jeweils mit Mädchen und Jungen aus der aktuellen siebten Klasse des Förderzentrums mit dem Schwerpunkt Lernen gearbeitet und dabei sind eindrucksvolle Steinbildwerke entstanden, jedes mit zwei Köpfen wie bei Janus, dem römischen Gott des Anfangs und des Endes. Alle mit ganz individuellen Gesichtern, für die sich die meisten 13- und 14-jährigen Schülerinnen und Schüler entschieden haben - manchmal auch je nachdem, was bei der ebenso anstrengenden wie diffizilen Arbeit am Stein am Ende herauskam.

Burghardt: »Bleibenden Eindruck hinterlassen«

Der souveränen und engagierten Arbeit von Alexander Schwarz ist es zu verdanken, dass schließlich ein verblüffend stimmiges, facettenreiches Gesamtkunstwerk die Schulfamilie und auch die Besucher beim Gang in die Schule begrüßt und sie dann auf dem Heimweg ein Stück weit in der Erinnerung begleitet. »Es war anstrengend, hat in den gut zwei Jahren auch so manchen Schweißtropfen gekostet, aber ihr habt einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der noch lange nach dem Ende eurer Schulzeit mit den ganz persönlich gestalteten Janusgesichtern an euch und euren Einsatz erinnern wird«, lobte die Schulleiterin. Tatsächlich dürfte dieses Kunstwerk aus Sandstein viele Jahre, ja Jahrzehnte lang der Zeit trotzen und - ein Wort, das in aller Munde ist - im besten Sinn »nachhaltig« sein.

Mädchen und Jungen zogen in ganz persönlichen Worten ein Fazit ihrer Arbeit am Stein. »Meine Eltern waren stolz auf mich!«, »Ich habe gelernt, nicht aufzugeben«, »Es war leicht und auch ein bisschen schwer« sagten sie ins Mikrofon und immer wieder dankten sie dem Steinbildhauermeister aus Dorfprozelten für seine engagierte und sichtlich erfolgreiche Arbeit. »Ich finde es schade, dass Sie gehen«, bedauerten sie und alle freuten sich, als Birgitta Burghardt und Alexander Schwarz andeuteten, dass das nicht das letzte Kunstprojekt unter seiner Leitung an der Schule gewesen sein muss. Voraussetzung ist natürlich, dass auch ein neues Projekt wieder so großzügig unterstützt wird wie dieses. Das Engagement des Bezirks Unterfranken, ideal ergänzt vom Landkreis Miltenberg, eine Spende der Lions Obernburg, und natürlich die konstruktive Haltung des ganzen Lehrerkollegiums - bis hin zum Aufbau und zur Bereitstellung des Buffets bei der Einweihung - waren die entscheidenden Voraussetzungen für das Gelingen.

Schwarz: »Besseres entstanden, als ich erwartet hätte«

Erfrischend realistisch war der Rückblick des Bildhauers auf die Arbeit mit den Jugendlichen. »Es ist mehr und Besseres entstanden, als ich erwartet hätte«, verriet er und gab zu, dass auch für ihn die intensive Arbeit eine Herausforderung war: »Manche von euch waren superlieb, einige auch manchmal unausstehlich, aber das ist wohl normal« - alle jungen KünstlerInnen nickten zustimmend, niemand widersprach. Dass alle 14 Stelen von Nord nach Süd ausgerichtet sind, eine aber - und zwar die mit dem »gruseligsten« Gesichtsausdruck - nach Osten schaut, direkt ins Fenster der Schulleitung, bewies, dass auch bei dieser oft anstrengenden Arbeit der Humor nicht auf der Strecke blieb.

Alexander Schwarz weiß, warum sich solche Projekte mit Kindern und Jugendlichen lohnen. Er nennt das Lernen von Ausdauer und Geduld bei der Steinarbeit und am Ende das gute Gefühl, etwa »Greifbares« geschaffen zu haben, betont den Wert des gemeinsamen Arbeitens, den Aufbau der Werke als Lohn für die harte Arbeit. Schwarz und Burghardt sind sich ganz einig, wenn sie einen großen Gewinn des Projekts nennen: Die Mädchen und Jungen verlassen auf Zeit die »schützende Blase« der Schule und kommen in engen Kontakt mit der Berufswelt, die sie nach der Entlassung ohnehin erwartet. Ein Schüler sagte am Ende der kleinen Feier einen Satz, den wohl alle unterschreiben würden, vermutlich auch der selbstlose und tapfere Namensgeber des Förderzentrums: »So sollte Schule sein!«

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