Zwei Nordlichter in Wertheim gestrandet

Diamantene Hochzeit: Hans-Hermann und Helga Fahrenkrog aus Bestenheid sind an diesem Mittwoch seit 60 Jahren verheiratet

Wertheim
3 Min.

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Feiern an diesem Mittwoch diamantene Hochzeit: Hans-Hermann und Helga Fahrenkrog. Foto: Thilo Keller
Foto: Thilo Keller
Das Hochzeitsfoto des Ehepaars Fahrenkrog. Repro: Nadine Schmid
Foto: Repro: Nadine Schmid
Gleich auf dem Schild an der Ein­gangs­tür kann man die Her­kunft der Fah­ren­krogs er­ah­nen: Wir sp­re­chen platt steht da in sc­höns­tem Platt­deutsch. Bei­de Ehe­part­ner sind in der Nähe von Bad Ol­des­loe auf­ge­wach­sen. Hans-Her­mann Fah­ren­krogs be­ruf­li­cher Weg als Mi­ne­ra­lo­ge führ­te ihn und sei­ne Frau Hel­ga 1976 in die Stadt an Main und Tau­ber. An die­sem Mitt­woch fei­ert das Paar dia­man­te­ne Hoch­zeit.

Hans-Hermann Fahrenkrog kam 1937 auf einem Aussiedlerhof in der Nähe von Bad Oldesloe zur Welt. Sein Vater, ein Landwirt, arbeitete als Milchkontrollbeamter und betrieb ein Fuhrwerk. Nachdem es mit beidem nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus war, übernahm er die Landwirtschaft von seinen Eltern. Sein Vater sei erfinderisch gewesen, erinnert sich Fahrenkrog. So habe er nach dem Krieg mit Kaninchenfang Geld für die Familie beschafft.

Zusammen im Probeunterricht

Der junge Hans-Hermann musste oft mithelfen und erinnert sich an einen Tag, an dem er 100 Kaninchen einfangen konnte. Die Tiere wurden dann nach Hamburg verkauft. Nebenher besuchte er die Volksschule, bis er mit 13 Jahren die Aufnahmeprüfung am Gymnasium machte. Damals saß er mit einem ebenfalls 13-jährigen Mädchen im Probeunterricht. Was beide damals noch nicht wussten: 72 Jahre später würden sie ihre diamantene Hochzeit feiern. Zunächst hatten sie nicht viel miteinander zu tun. Hans-Hermann hatte den mathematischen, Helga den sprachlichen Zweig gewählt.

Hans-Hermann Fahrenkrog wollte nach dem Abitur Maschinenbau oder Chemie studieren, entschied sich aber letztlich - eher durch Zufall - für die Mineralogie. In diesem Fachbereich promovierte er. Helga Fahrenkrog hatte nach der 11. Klasse keine Lust mehr auf das Gymnasium und wechselte für ein Jahr an die Höhere Handelsschule. Danach nahm sie eine Stelle als Sekretärin im Krankenhaus an. Sie blieb dabei und arbeitete während ihres Berufslebens für verschiedene Ärzte.

Dabei sei sie auch bei vielen medizinischen Behandlungen und Eingriffen dabei gewesen, erinnert sich Fahrenkrog, schließlich habe es damals noch keine Aufnahmegeräte für die Notizen des Arztes gegeben.

Die beiden verloren sich aus den Augen, trafen sich zufällig einige Jahre später nochmals in einem Zug - ohne sich etwas dabei zu denken.

Schicksalsstunde

Doch dann fand das »Vogelschießen« statt, das Volksfest in Bad Oldesloe, und dazu gehörte ein Tanzabend. Von seinem ehemaligen Institutsleiter an dessen Tisch gebeten, schlug das Schicksal glücklich zu: Denn Helga Fahrenkrog saß als Kollegin der Frau des Institutsleiters ebenfalls dort.

Nun ging alles sehr schnell: Schon ein Jahr später läuteten in Reinfeld/ Holstein, dem Geburtsort von Helga Fahrenkrog, die Hochzeitsglocken. Zwei Jahre später kam die erste Tochter zur Welt.

Fahrenkrog gelang es nach seiner Promotion 1966 nur schwer, beruflich Fuß zu fassen. Sein Engagement für die SPD sei da auch nicht gerade förderlich gewesen, erinnert er. Also verdiente er sein Geld erstmal auf dem Bau, wo er sich schnell vom Bauhelfer über den Vorarbeiter zum Maurer hocharbeitete. Später nahm er eine Stelle als stellvertretender Laborleiter in der Flachglashütte Gelsenkirchen an.

Über ehemalige Professoren, die inzwischen in Würzburg waren, erfuhr er von der Forschungsgemeinschaft für technisches Glas in Wertheim. Er nahm die Stelle dort an, und so siedelte die Familie, inzwischen waren zwei weitere Töchter hinzugekommen, an den Main und bezogen ihr Haus in Bestenheid, in dem das Paar noch heute lebt. Zwei Töchter wohnen in der Nähe, eine hat es nach Nordrhein-Westfalen gezogen. Auch vier Enkel gehören zur Familie.

Aus Protest aus der SPD

25 Jahre engagierte sich Fahrenkrog im Ortsverein der SPD, bis er aus Protest gegen Gerhard Schröders Agenda 2010 austrat. Später stieß er dann zur Linken hinzu, für die er 2009 mit schon 72 Jahren in den Kreistag gewählt wurde. Seine Frau unterstützte ihn und erinnert sich an die vielen Zettel, die sie damals gemeinsam gefaltet und verteilt haben. Er sei immer streitbar gewesen, so Fahrenkrog. »Oft war ich bei einer Abstimmung im Kreistag der einzige, der dagegen war«, sagt er.

Gedichte und alte Literatur

Helga Fahrenkrog beschäftigte sich, während ihr Mann sich politisch engagierte, gerne mit ihrem großen Hobby: Gedichte und alte Literatur. Sie kenne viele auswendig. Einige Verse hat sie kunstvoll auf Stoff geschickt. Diese hängen im Haus zwischen all den Dingen, die die beiden leidenschaftlichen Sammler zusammengetragen haben: Mineralien und andere Schätze, die keiner mehr wollte. Hans-Hermann Fahrenkrog baute sogar in Reicholzheim ein Thermometer-Museum auf.

Gereist sind sie bei all diesem Engagement vor Ort wenig. »Mich hat es auch nie weggezogen«, so Helga Fahrenkrog. Gesetzt war allerdings der jährliche Urlaub in Dänemark. Seinen Ehrentag wird das Paar mit Kindern, Enkeln und Verwandten feiern.

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