Wölfe stürmen Wertheimer Rathaus mit »All-Heul«

Fasching: Mächtige Worte und kraftvolle Pauken und Trompeten der Fränkischen Herolde aus Dertingen

Wertheim
3 Min.

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Während die »Sturmtruppen« Wertheims Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez in seinem Amtszimmer suchten, versorgte dieser aus dem Sitzungssaal die Narren mit Bonbons.
Foto: Peter Riffenach
Die Karnevalssaison 2022 wird wird wieder anders verlaufen als gedacht, war bei Rathaussturm zu erfahren, wo die bisherigen Regenten verabschiedet und die neuen inthronisiert wurden.
Foto: Peter Riffenach
Mit zwei­tä­g­i­ger Ver­spä­t­ung ha­ben am Sams­tag die Wöl­fe das Rat­haus mit »All-Heul«-Ge­brüll er­stürmt, die Macht im Rat­haus über­nom­men und da­mit die när­ri­sche Ses­si­on ein­ge­läu­tet.

Auch wenn dabei die Mitglieder und Freunde der Wolfsschlucht Concordia Wertheim (WCW) mit der Absage des Saisoneröffnungsballs und der Sitzungen (siehe Hintergrund) einige schwere Brocken zu verdauen haben, waren alle Teilnehmer bester Stimmung.

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Rathaussturm 13.11.2021 - Wertheim
Foto: Dominik Pagio |  33 Bilder

Seit Samstag regieren Yvonne I. (Tafili-Frenzel) von den roten Wollsocken und Sven I. (Frenzel) von der schnellen Schraube die Wertheimer Narrenschar. An ihrer Seite stehen die kleinen Tollitäten Lia I. (Zippe) von der turnenden Matte und Ben I. (Oetzel) von den gesetzten Segeln. Sie schickten nach zwei Jahren an der Macht Clara Camerer und Maximilian Kirchner sowie das ehemalige Kinderprinzenpaar Greta Lenz und Luis Busse, in den »närrischen Ruhestand«.

»Sturmtruppen« vorm Maintor

Rund eine Stunde bevor der Wechsel auf dem Narrenthron im Rathausinnenhof vollzogen wurde, versammelten sich die »Sturmtruppen« vor dem Maintor und fassten, angestachelt von Sitzungspräsident Günther Arnold, den perfiden Beschluss, die kommunale Machtzentrale einzunehmen und den Oberbürgermeister abzusetzen. Dabei setzten sie in diesem Jahr weniger auf Kanonen, die diesmal im Magazin blieben, sondern vielmehr auf die schiere Macht der Worte und die Kraft der Pauken und Trompeten der Fränkischen Herolde aus Dertingen, die den Zug vom Maintor zum Rathaus anführten.

Auf dem Weg legten die Truppen eine kurze Pause auf dem Marktplatz ein, bündelten nochmals ihre Kräfte und machten sich gegenseitig Mut für den bevorstehenden Sturm auf die Zentrale der »Stadt der Weltmarktführer« in »The Länd«, wie Arnold schmunzelnd erklärte. Viel sei geschehen in den zwei Jahren, die man sich nicht mehr gesehen habe. Es wurde über Inzidenzen, Maskenpflicht und Geburtenraten gestritten, und der Oberbürgermeister Herrera Torrez war vor allem auf den sozialen Medien sehr aktiv, erklärte Arnold, bevor sich die Garden, angeführt von Oberwolf Michael Oetzel in Bewegung setzten und mit Gebrüll das Rathaus stürmten.

Am Eingang stellte sich Kathleen Nitschel nur scheinbar in den Weg der Eroberer, denn sie wusste, dass der Rathauschef sich gar nicht in seinem Amtszimmer aufhielt. Er hatte sich im Sitzungssaal verschanzt und versorgte vor allem die kleinen Narren mit Bonbons, während sich die »Sturmtruppen« im Büro des Rathauschefs mit den bereit stehenden Getränken stärkten. Als die Truppen im Sitzungssaal eindrangen, ergab sich Herrera Torrez relativ schnell in sein Schicksal und ließ sich abführen, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass der Elfte im Elften doch schon längst vorbei sei.

Leerer Pokal

Am Samstag habe er eigentlich ein Alternativprogramm, nämlich auf der Couch zu liegen oder, wie an diesem Tag, eine Sitzung mit der SPD-Kreistagsfraktion zur desolaten Situation bei der Besetzung der CDU-Führungsspitze, merkte der Oberbürgermeister schmunzelnd an. Der Pokal in Form des Rathausschlüssels, der normalerweise mit Wein gefüllt die Runde macht, blieb in diesem Jahr wegen der Pandemie leer, und Herrera Torrez erklärte bei der Übergabe, dass er die freie Zeit jetzt zum Haus renovieren und Gassiführen des Hundes nutzen werde. An Aschermittwoch werde er zurückkommen und hoffentlich das Rathaus unversehrt und die Kassen prall gefüllt vorfinden.

Keine einfache Situation

An Oberwolf Michael Oetzel war es schließlich, die alten Prinzenpaare zu verabschieden und die neuen vorzustellen. Sowohl das scheidende Kinder- als auch das Erwachsenenprinzenpaar habe die sicher nicht einfache Situation, dass sie statt einem gleich zwei Jahre regieren mussten, hervorragend bewältigt und bei allen Sitzungen eine tolle Figur gemacht, war sich der Oberwolf mit allen einig.

Die Neuen

Nach kurzen Abschiedsworten der scheidenden Regenten präsentierte Oetzel die neuen, wobei es bei der Suche nach dem Prinzenpaar der Kinder, die als Wölfe verkleidet die Szenerie betraten, offensichtlich keine Probleme gab. Lia I. (Zippe) von der turnenden Matte und Ben I. (Oetzel) von den gesetzten Segeln die Szenerie luden die kleinen und großen Narren zum geplanten Sommerfest ein, das unter dem Motto »Die WCW geht tierisch ab« stehen soll.

»Es ist nicht vergnüngssteuerpflichtig, in Wertheim ein Prinzenpaar zu suchen«, kam Oetzel auf seine zahlreichen Versuche zu sprechen,Regenten für die Erwachsenen zu finden. Er sei mit diversen Absagen oder Bedenken konfrontiert worden und habe sich die Hacken wund gelaufen. Das Telefon habe geglüht. Auf den allerletzten Drücker sei es dann doch gelungen, Yvonne Tafili-Frenzel und ihren Mann Sven zu überzeugen.

Humorvoll schilderte die Prinzessin den Besuch des Oberwolfs zwei Tage vor dem Rathaussturm. »Wir hoffen, Ihr bleibt uns über die Kampagne treu, klar ist auf jeden Fall, dass ich mich irgendwie drauf freu' «, stellte sie fest, bevor sie mit ihrem Prinzen die Insignien der Macht in Empfang nahm und alle zusammen ausgelassen die Übernahme der Macht durch die Narren feierten.

eInformationen: Weitere Fotos unter https://www.main-echo.de

Hintergrund

Hintergrund: Planungen der WCW für die Faschingssaison

Mit einem Video auf der Facebookseite des Vereins erklärt Michael Oetzel, Oberwolf der Wolfsschlucht Concordia Wertheim (WCW), was weiterhin geplant ist, nachdem der Saisoneröffnungsball abgesagt wurde und der Rathaussturm am Samstag stattgefunden hat.

Da bei den Mitgliedern der Gruppen der Impfstatus ähnlich aussieht wie beim Rest der Bevölkerung und man keinerlei Risiko eingehen möchte, habe der Vorstand schweren Herzens entschieden, die geplanten Fremdensitzungen und auch die Kindersitzung im Februar 2022 abzusagen, obwohl eine Sitzung unter 2G-Bedingungen ohne Einschränkungen möglich gewesen wäre. Allerdings hätte man dann eine relativ große Zahl von Aktiven ausschließen müssen, und viele Gruppen hätten dann nicht auftreten können. Was sich wiederum negativ auf das Programm ausgewirkt hätte.

Stattdessen arbeite man derzeit mit Hochdruck an einer Freiluftalternative, die entweder auf dem Marktplatz, im Rathausinnenhof oder auf der Burg stattfinden könnte, so Oetzel in dem Video. Für die Ersatzveranstaltung sollen eine Bühne aufgestellt und ein "abgespecktes" Programm geboten werden. Die abgesagte Kindersitzung soll dagegen durch ein Sommerfest für die jungen Wölfe, wahrscheinlich auf der Burg, ersetzt werden. (riff)

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