Rentner beleidigt in Wertheim jungen Mann und bespuckt dessen Auto

Gerichtsbekannter Mann wird zur Kasse gebeten

Wertheim
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Mehr zum Thema: Gerichtsprozesse
Justitia steht in der Sonne
Mit einer Vorsorgevollmacht einen anderen Bevollmächtigten degradieren? So weit reichen die Befugnisse dann doch nicht, urteilt ein Gericht.
Foto: Arne Dedert/dpa/dpa-tmn
Zu ei­ner Geld­stra­fe von 225 Eu­ro wur­de am Mitt­woch vom Amts­ge­richt Wert­heim ein 59 Jah­re al­ter Rent­ner aus Wert­heim we­gen Be­lei­di­gung ver­ur­teilt. Laut Tat­vor­wurf der Staats­an­walt­schaft hat er im Ju­ni die­ses Jah­res beim Main­park­platz ei­nen 20-jäh­ri­gen Kreuz­wert­hei­mer mit den Wor­ten »Ar­sch­loch« und »Ka­na­ke« be­lei­digt so­wie des­sen Au­to be­s­puckt. Ge­gen ei­nen be­reits er­gan­ge­nen Straf­be­fehl hat­te er Ein­spruch ein­ge­legt.

Der Geschädigte sagte im Zeugenstand aus, er sei auf einem Parkplatz in der Nähe des Spitzen Turms in seinem Auto gesessen, als der Angeklagte auf ihn zulief, ihn grundlos beleidigte, sein Kennzeichen notierte, herumschrie, gegen das Auto trat und dieses auch noch bespuckte. Er habe die Personalien des Täters eingefordert, dieser sei jedoch in Richtung Mainufer davongelaufen, habe wohl kurz darauf selbst die Polizei angerufen, sich dann beim Hotel Schwan aufgehalten und laut gerufen »Der Kanake verfolgt mich«. Der Zeuge habe dann selbst auch die Polizei gerufen, die mit zwei Streifenwagen anrückte.

Der Angeklagte bestritt vehement, den 20-Jährigen beleidigt zu haben. Dieser habe ihn unvermittelt mit der Frage »Hallo, sind Sie psychisch krank?« angesprochen, zuvor habe es keinen verbalen Kontakt gegeben. Einer der vor Ort eingesetzten Polizisten sagte als Zeuge aus, die Streife sei dorthin beordert worden, weil »eine männliche Person verfolgt« wurde. Stattdessen habe der eigentlich Geschädigte angegeben, dass ihn der Angeklagte beleidigt sowie auf sein Auto geklopft und gespuckt habe. Der Beschuldigte sei wegen eines Nachbarschaftsstreits bereits polizeibekannt.

Auch für das Gericht war der 59-Jährige kein Unbekannter mehr. Vor Jahren sei schon einmal eine Beleidigung verhandelt worden, wobei die Frage der eingeschränkten Schuldfähigkeit im Raum stand, erinnerte sich Richterin Ursula Hammer. Sie habe jedoch den Eindruck, dass er sich durchaus kontrollieren könne und habe keine Zweifel dran, dass es die Beleidigungen gab. Der rechtliche Betreuer des Beschuldigten gab zu bedenken, dass dieser »krankheitsbedingt zwangsgesteuert« ist und oft Sachen sage, die außerhalb seiner Wahrnehmung lägen.

Von einem teuren psychiatrischen Gutachten, das der Angeklagte unter Umständen selbst bezahlen müsse, wollte das Gericht dennoch absehen.

Sachverhalt bestätigt

Wohl angesichts der Beredsamkeit des Mannes hatte die Staatsanwältin nicht den Eindruck verminderter Schuldfähigkeit, sah den Sachverhalt durch präzise Zeugenaussagen als bestätigt an und schlug eine Geldstrafe von 500 Euro (20 Tagessätze à 25 Euro) vor. Der Betreuer wollte sich dem nicht anschließen, denn die Polizei habe sich auf Informationen aus zweiter Hand gestützt. Das Verfahren sollte seines Erachtens eingestellt werden, zumindest sollte die Geldstrafe weitgehend reduziert werden.

In seinem weit ausholenden und umfangreichen Schlusswort betonte der Beschuldigte, er habe »alles ganz anders erlebt« und niemanden beleidigt. Das Auto habe er nicht absichtlich angespuckt, denn der Wind habe »die Spucke auf das Fahrzeug geblasen«.

Richterin Ursula Hammer sprach schließlich in ihrem Urteil eine moderate Geldstrafe von 225 Euro aus (15 Tagessätze à 15 Euro). Die Beleidigungen hätten durchaus stattgefunden, und der Angeklagte sei diesbezüglich schon gerichtsbekannt, hieß es in der Urteilsbegründung.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!