Wenn der Getränkehalter aus Pflanzenöl besteht

Biokunststoff: Wertheimer Ausstatter der Musikbranche setzt noch stärker auf Nachhaltigkeit

Wertheim
3 Min.

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Halterungen aus Biokunststoff stellt die Wertheimer Firma König & Meyer seit Anfang März her. Foto: König & Meyer
Foto: Gunter Fritsch
Auch Becherhalter aus Biokunststoff hat der Wertheimer Ausstatter für die Musikbranche im Angebot. Foto: König & Meyer
Foto: Gunter Fritsch
Kö­n­ig & Mey­er, der Wert­hei­mer Aus­stat­ter der Mu­sik­bran­che, setzt noch stär­ker auf Nach­hal­tig­keit: Das Un­ter­neh­men hat jetzt die ers­ten Pro­duk­te aus Bio­kunst­stoff auf den Markt ge­bracht.

Für Gabriela König, Geschäftsführerin des Wertheimer Weltmarktführers, ist die Einführung von Produkten auf der Basis von Biokunststoff letztlich "ein logischer und konsequenter Schritt". "König & Meyer leistet seit jeher seinen Beitrag zum Umweltschutz durch die Herstellung qualitativ hochwertiger und sehr langlebiger Produkte", verweist König auf eine Firmenstrategie, in der der Produktzyklus schon immer eine wichtige Rolle spielt. Nun hat der Zubehörhersteller verschiedene Halterungen aus biobasierten Kunststoffen in sein Sortiment aufgenommen.

Produkte des Bestenheider Ausstatters der Musikbranche müssen nicht nur lange halten, sie sollen am Ende ihres Lebenszyklus' auch wieder einfach in ihre Einzelteile zerlegt und diese dann recycelt oder wiederverwertet werden können. König ist davon überzeugt, dass das gesellschaftliche Umweltbewusstsein in den kommenden Jahren weiter wachsen werde. Und mit ihm auch der Bedarf nach umweltfreundlichen und nachhaltigen Produkten. "Politik und Verbraucher fordern solche Produkte", begründet die Geschäftsführerin einen Schritt, den die Firma mit viel eigenem Forschungsaufwand gegangen ist. Und an dessen Ende nun erste Produkte aus Biokunststoff stehen.

Nachwachsender Rohstoff

Biobasierter Kunststoff besteht zum größten Teil aus einem nachwachsenden pflanzlichen Rohstoff, der etwa aus Maisstärke, Zucker, der Zuckerrübe oder Zuckerrohr, aber auch Pflanzenöl, Cellulose, Baumwolle oder Holz gewonnen werden kann. Dabei, so erläutert Betriebsleiter Christof Vogel, habe man von Anfang an hohe Anforderungen an den neuen Rohstoff gestellt. "Gerade bei Produkten, die in der Musikbranche im Einsatz sind, müssen wir hohe Stabilität und Langlebigkeit garantieren", berichtet Vogel von einer fast einjährigen Forschungs- und Testphase mit den unterschiedlichsten pflanzlichen Rohstoffen.

Dass es am Ende nicht gelang, mit Pflanzen aus der Region Tablet- oder Becherhalterungen herzustellen, sei gerade diesen hohen Anforderungen an die Stabilität der Produkte geschuldet gewesen, erläutert Christof Vogel die Hintergründe. Beim Test des Getränkehalters fiel ein Rohstoff aus heimischen Gräsern schließlich durch: Der Halter bog sich bei entsprechender Belastung mit einer Getränkeflasche nach unten. So wurde es am Ende schließlich ein Pflanzenöl, auf dessen Basis die neuen Produkte von König & Meyer hergestellt werden. Wobei die Rohstoffe für das Öl in Europa und Asien angebaut werden.

Nicht kompostierbar

Dabei müssen die so erzeugten Kunststoffe genauso stabil, haltbar und recyclingfähig sein wie die herkömmlichen auf Erdölbasis erzeugten Kunststoffe. Allerdings, insoweit schränkt Betriebsleiter Christof Vogel ein, seien die biobasierten Kunststoffe nicht kompostierbar oder biologisch abbaubar. Die neuen Produkte müssen am Ende ihres Lebenszyklus' einem industriellen Recycling zugeführt oder zur Gewinnung von Wärmeenergie verbrannt werden. Eine Entsorgung in der Umwelt oder auf dem Kompost ist derzeit nicht möglich, betont Vogel. Bei der Verbrennung werde allerdings das von der Natur in den pflanzlichen Rohstoffen gespeicherte Kohlendioxid lediglich wieder freigesetzt und damit in der Gesamtbilanz letztlich eine kohlendioxidneutrale Energie erzeugt, rechnet er positive Effekte für die Ökobilanz vor.

Nebenprodukte, die bei der hauseigenen Kunststoffverarbeitung entstehen, werden bei König & Meyer bereits seit Jahren durch erneutes Vermahlen in den Fertigungskreislauf zurückgeführt. So verarbeite die Firma derzeit etwa zwischen 15 und 20 Tonnen Regranulat pro Jahr, heißt es, zur Schonung von Ressourcen und Energie.

Und wie kommen die neuen Produkte bei den Abnehmern an? Derzeit sei man noch ganz am Anfang der Vermarktungskette, sagt Geschäftsführerin Gabriela König. "Die neuen Produkte aus Bio-Kunststoff wurden erst vor drei Wochen dem Handel vorgestellt", ist König aber bereits jetzt sicher, dass es in Zukunft weitere biobasierte Produkte geben wird, weil die Nachfrage nach umweltfreundlichen, nachhaltigen Produkten in den kommenden Jahren weiter steigen werde.

Hintergrund: König & Meyer erhält Innovationspreis

Für seine Innovationsfreudigkeit ist der Wertheimer Ausstatter für die Musikbranche, die König & Meyer GmbH, mit dem "Top-100-Siegel 2021 Innovationspreis" ausgezeichnet worden. Mit dieser Auszeichnung, die von den Firmen Energie Baden-Württemberg, Accenture und der Wirtschaftswoche verliehen wird, werden in dieser Kategorie besonders innovative mittelständische Unternehmen in ganz Deutschland geehrt. Die Verleihung soll für Baden-Württemberg am 26. November in Ludwigsburg stattfinden.

Der unter der Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums stehende Preis prüft anhand von 120 Prüfkriterien in fünf Kategorien die Innovationsfreudigkeit eines Unternehmens. Im Kern geht es um die Frage, ob Innovationen Ergebnis eines planvollen Vorgehens oder Zufälle sind, und, ob und wie sich diese Innovationen am Markt durchsetzen. Besonderes Augenmerk gab es in diesem Jahr auf die Reaktion von Firmen auf die Covid-19-Pandemie und ihre Folgen für Firmen. Hier konnte König & Meyer punkten, indem es binnen weniger Wochen mit der neuen Produktlinie von Desinfektionsmittelständern erfolgreich auf den Markt kam. (gufi)

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