Von Steinmetzen, Kleinbauern und so manchem Fest

Serie »Freudenberg entdecken«: Über das Leben früher in der Stadt - Abbau von Buntsandstein schuf zahlreiche Arbeitsplätze

Freudenberg
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Dieser Heurechen war früher eine große Hilfe für die Kleinbauern in Freudenberg. Zu sehen ist er im Freudenberger Freiluftmuseum beim Rathaus. Foto: Birger-Daniel Grein
Foto: Birger-Daniel Grein
Das Le­ben der Men­schen früh­er war auch in Freu­den­berg von har­ter Ar­beit ge­prägt, aber auch das ge­mein­sa­me Fei­ern kam im Lau­fe des Jah­res nicht zu kurz. In Teil drei der Rei­he »Freu­den­berg ent­de­cken« wer­fen wir ei­nen Blick auf das Le­ben in und um die Stadt.

Immer wieder sieht man in der Region um Freudenberg die hohen, steilen Wände des roten Buntsandsteins. Er diente als Baustoff vieler Gebäude. Schon zu Zeiten der Römer im zweiten Jahrhundert nach Christus wurde Buntsandstein aus der Region für die Kastelle entlang des Limes verwendet. Einer der Höhepunkte der Sandsteinbetriebe und des Steinmetzhandwerks in Freudenberg war die Zeit um die Jahrhundert?wende zum 20. Jahrhundert (1870-1910).

Aufwind nach dem Krieg

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor der Abbau massiv an Bedeutung. Beim Wiederaufbau von Städten nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen 1955 und 1977 bekam das Steinmetzhandwerk in Freudenberg wieder Aufwind. Der Sandstein aus Freudenberg kam zum Beispiel beim Wiederaufbau des Frankfurter Römers, der Schlösser Aschaffenburg und Darmstadt und dem Würzburger Dom zum Einsatz.

Zu den Hochzeiten des Buntsandsteinabbaus waren rund die Hälfte aller Arbeitskräfte in Freudenberg mit dem Brechen, Bearbeiten und Verschiffen des Buntsandsteins beschäftigt. Bei den Arbeiten im Steinbruch hatte auch so mancher Arbeiter sein Leben verloren. Über diese traurige Tatsache berichteten die Kirchenbücher, in denen die Toten verzeichnet wurden.

Wichtig war auch die Landwirtschaft. Viele Familien waren Kleinbauern. Bis in die 1950er-Jahre hielten beispielsweise die Bewohner des Burgwegs 6 Kleinvieh, vor allem Ziegen. Sie halfen der Familie als Fleisch- und Milchlieferanten. Auch entlang der Stadtmauer an der Mainpromenade gab es früher Kleinviehställe.

Beim Rathaus befindet sich ein kleines Freiluftmuseum. Wenn Besucher am Glaskasten die Treppe hinaufgehen, entdecken sie im hinteren Teil des Museums einen Heurechen. Es handelt sich um das Modell »Erntewunder« der Firma Rau aus Kirchheim, das das Zusammenrechen von Heu auf dem Feld erleichterte. Es kam bei vielen Kleinbauern zum Einsatz.

Als Gasthäuser noch lohnten

Wie Überlieferungen berichten, waren auch die Gasthäuser ein lohnendes Geschäft. So seien die Freudenberger gerne dort hingegangen. Neben normalen Gasthäusern gab es Heckenwirtschaften, in denen der Wein aus den selbst angebauten Trauben ausgeschenkt wurde. Im 17. Jahrhundert gab es sechs Gastwirtschaften, für die damalige Einwohnerzahl eine ganze Menge. Interessant ist der Vergleich, wie viele aktive Gasthäuser es heute noch in der Stadt gibt.

Über das Handwerk zur vergangenen Zeit gaben die bestehenden Zünfte, in denen sich die Handwerker zusammenschlossen, Auskunft. Sie umfassten neben Freudenberg auch Boxtal und Ebenheid. Im Laufe der Geschichte gab es zum Beispiel Schiffer und Fischer, Büttner, die Behälter aus Holz herstellten, Schuhmacher, Steinhauer und Maurer, Gerber, die Leder herstellten, Metzger und Bäcker sowie Müller.

Geprägt war die Region auch durch den Anbau von Wein, Obst und Tabak sowie die Wald- und Holzwirtschaft.

Im Leben der Menschen spielten auch die Religion und die kirchlichen Feste im Jahresverlauf eine bedeutende Rolle. An Karfreitag schwiegen die Glocken. Stattdessen zogen die »Dienbuwe« (Messdiener) durch die Straßen und sangen ein Ave Maria. Von den Leuten erhielten sie dafür Geld, Brötchen und Eier. Die anderen Kinder begleiteten die »Dienbuwe« mit Klappern. Am Fronleichnamssamstag wetteiferten alle Bewohner Freudenbergs beim Schmücken ihrer Häuser und der Straßen.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Wer wissen will, wie es einst in der Freudenberger Hauptstraße aussah, wirft einen Blick hinter das Rathaus und geht dazu die Treppe neben dem Gebäude hinauf.

bNächste Folge: Amtshaus, Rathaus und der Platz um sie herum

Hintergrund: Traditionen im Jahresverlauf der Freudenberger

Im Laufe des Jahres gab es an besonderen Fest- und Gedenktagen verschiedene Traditionen. Manche halten sich bis heute. Am Neujahrstag erhielten die Kinder von ihren Paten große Brezeln und »Wecke«. Die Wecke hatten eine längliche Form, in der Mitte waren sie durch einen Zopf geteilt, auf beiden Seiten war ein kleines Brezelchen eingebacken.

Schon lange gibt es in Freudenberg die Umzüge an den Fasnachtstagen im Dialekt »Fasent« genannt. Früher besuchten die Verkleideten dabei ihre Bekannten, von denen sie unter anderem Wein und Dürrfleisch bekamen. Am Aschermittwoch aß man »Heifekichli« (süße Krapfen) zum Mittagessen. Dazu gab es Kartoffelsuppe. Ein Traditionsgericht, dass es heute an diesem Tag noch in manchen Häusern gibt.

Teilweise noch gelebt wird die Wallfahrt nach Walldürn am Mittwoch nach Fronleichnam.

Manche Tradition sollte helfen, gut durch das Jahr zu kommen. So hieß es einst, verzichte man an Karfreitag auf Kaffee, so leide man das ganze Jahr über nie Durst. Für die Zeit des Gewitters galt die Regel: Die Schlafenden sollen schlafen, die Wachen sollen beten, den Reisenden wird es treffen. ()

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