Von einer Liebesgeschichte in Lothringen vor über 100 Jahren

Familienhistorie:Johann Lang aus Großrinderfeld heiratete 1915 als Soldat im heutigen Frankreich - Viele seiner Enkel und Urenkel leben noch

Großrinderfeld
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Johann Lang aus Großrinderfeld heiratete im Ersten Weltkrieg als Soldat die Lothringerin Anna Guisse. Fotos: Archiv Reinhart
Foto: Archiv Reinhart
In der katholischen Kirche von Insmingen gab sich das Ehepaar 1915 das Ja-Wort.
Foto: Archiv Reinhart
Das Elternhaus von Anna Guisse stand in Insmingen/Lothringen.
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»Wo die Lie­be hin­fällt« heißt ein US-Film aus dem Jahr 2005. Vor mehr als 100 Jah­ren hat der Wehr­mann (Sol­dat) Jo­hann Lang vom Land­s­turm-In­stand­set­zungs­ba­tail­lon III in Mos­bach aus der 14. Kom­pa­nie eben­falls ei­ne film­rei­fe Lie­bes­ge­schich­te er­lebt.

1875 in Großrinderfeld geboren, hat er seinen zweijährigen Wehrdienst in der kaiserlichen Armee um 1895/96 abgeleistet. Die übliche Fotografie als Erinnerung für die Militärzeit wurde in Mannheim aufgenommen.

Im Ersten Weltkrieg wurde er dann sehr bald eingezogen. Als älterer Soldat gehörte er dem Landsturm an. Leute seines Alters wurden nicht direkt in vorderster Frontlinie eingesetzt.

Verwundete gefahren

Wie aus der Erzählung seiner noch lebenden Enkel Edmund und Julian hervorgeht, hat er mit dem Großrinderfelder Landsturmmann Johann Popp ein Pferdefuhrwerk mit einem Transportwagen für Verwundete gefahren. Sie mussten die Schwerverwundeten von den Hauptverbandsplätzen hinter der Front in weiter zurückliegende Lazarette transportieren. Dabei waren sie oft dem feindlichen Artilleriebeschuss ausgesetzt.

Eingesetzt waren beide in der Gegend von Metz im Reichsland Elsass-Lothringen, das seit 1871 zum Deutschen Kaiserreich gehörte.

In seiner bestimmt spärlich bemessenen Frei- und Urlaubszeit wurde auch Kontakt mit den jungen Damen aus umliegenden Dörfern aufgenommen. Einige von ihnen waren auch als Krankenschwestern in den Lazaretten eingesetzt. Johann Lang lernte dabei Anna Guisse aus Insmingen kennen, die er 1915 dort heiratete. Die erste Tochter Josefine Lang wurde noch 1916 in Insmingen/Lothringen geboren.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg musste Lothringen wieder an Frankreich abgetreten werden. Johann nahm seine Frau und seine Tochter mit nach Großrinderfeld. Dort wurden die Tochter Thekla und die Söhne Edmund und Anton geboren.

Der Kontakt von Großrinderfeld in die alte Heimat Lothringen war kurz nach dem Ersten Weltkrieg schwierig und zuerst nur auf Briefe beschränkt. Erst später konnten dorthin wieder Besuche gemacht werden. Ab und zu kamen auch Verwandte aus Lothringen nach Großrinderfeld.

Relativ früher Tod

Die Eltern der vier Kinder starben relativ früh, Johann Lang 1937, seine Ehefrau Anna schon ein paar Jahre früher. Die Kinder wuchsen zusammen mit der Familie von Josefine auf. 1940 wurde Lothringen und somit auch Insmingen wieder dem Deutschen Reich eingegliedert. Die Besuche waren jetzt wieder leichter möglich. Ein Verwandter aus Insmingen lebte und arbeitete während des Zweiten Weltkriegs längere Zeit in Großrinderfeld.

1945 wurde Lothringen wieder Französisch. Es dauerte eine Weile, bis die gegenseitigen Besuche wieder möglich waren, sie hielten bis in die 1970er- und 1980er-Jahre an.

Heute leben noch acht Enkel und 14 Urenkel von Anna Lang (geborene Guisse) direkt in Großrinderfeld, weitere Enkel und Urenkel leben in anderen Städten und Dörfern in Süddeutschland.

Insmingen ist heute eine französische Gemeinde mit rund 600 Einwohnern im Département Moselle in der Region Grand Est. Sie gehört zum Arrondissement Sarrebourg-Château-Salins.

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