Erster »Wissensgipfel« der JU befasst sich mit medizinischer Zukunft

Neue Vorschläge und Kritik

MAIN-TAUBER-KREIS
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Das Thema "Medizinische Zukunft auf dem Land" stand im Mittelpunkt des 1. Wissensgipfels der Jungen Union (JU) Main-Tauber im Bad Mergentheimer Kursaal.
Foto: Peter D. Wagner
Mit dem The­ma »Me­di­zi­ni­sche Zu­kunft auf dem Land« hat sich der ers­te Wis­sens­gip­fels der Jun­gen Uni­on (JU) Main-Tau­ber im Bad Mer­gent­hei­mer Kur­saal mit Ex­per­ten au­s­ein­an­der­ge­setzt.

»Hausärzte schwinden, und auch im Rahmen digitaler medizinischer Versorgung hat der ländliche Raum immer öfter das Nachsehen. Doch genau diese Modernisierung kann uns sehr viele Möglichkeiten schaffen«, reflektierte in seiner Themeneinführung der JU-Kreisvorsitzende und Moderator Sören Döffinger.

»Dieses Thema ist brandaktueller denn je - vor allem auch in einem großflächigen Landkreis«, betonte Landrat Christoph Schauder. Er schilderte, wie schwierig es sei, die allgemein- und fachärztlichen Versorgung im ländlichen Raum zu sichern. Für Praxen fänden sich vielerorts keine Nachfolger, Kliniken suchten händeringend ärztlichen Nachwuchs. Die Konkurrenzsituation zu anderen Regionen und insbesondere der Ballungszentren mache die Werbung nicht einfacher.

Schulnoten sind nicht alles

Teilnehmer an dem Podiumsgespräch waren MdL Dr. Michael Preusch (Intensivmediziner, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Baden-Württemberg), Dr. Thomas Brandt (Facharzt für Allgemein- und Arbeitsmedizin und leitender Konzernarzt der Firma Trumpf), Dr. Carsten Köber, (Hausarzt, Facharzt für Allgemein- und Notfallmedizin) sowie Timo Spannagel und Jonas Kaufmann (beide Studenten der Humanmedizin).

»Die 75 über die Landarztquote vergebenen Studienplätze werden meiner Erkenntnis nach gut angenommen, so dass die Kapazitäten durchaus noch etwas ausgebaut werden könnten«, meinte Michael Preusch. Die Schulnote alleine als Qualifikationskriterium für eine Zulassung zum Studium reiche nicht aus, sondern es bedürfe anderer Parameter wie etwa eine bereits absolvierte Ausbildung oder Praxis, zeigte sich der Landtagsabgeordnete überzeugt. Die Versorgungssicherheit müsse langfristiger geplant werden. »Ein Landarztstipendium des Landkreises für fortgeschrittene Medizinstudierende in klinischen Studienabschnitten«, schlug Preusch vor. »Die Landarztquote ist zwar eine gute Sache für die Zukunft, aber sie kann sich erst in vielen Jahren auswirken«, verdeutlichte Carsten Köber. Deshalb müsse man in der gegenwärtigen Situation zum Beispiel auch Ärzte für das Land gewinnen, die bereits in der Weiterbildung seien, plädierte der Facharzt für Allgemein- und Notfallmedizin.

»Ohne Niederlassungsbeschränkungen hätten wir alle Ärzte in den Ballungsräumen und im ausgedünnten Landbereich gar keine mehr - insofern ist irgendeine Kontrolle und Begrenzungsregelung notwendig«, gab Köber zu bedenken.

»Es fallen immer wieder sehr begabte Bewerber auf, bei denen die Noten im Schulsystem nicht gut gelaufen sind«, schilderte Thomas Brandt. »Wir haben zwar mehr Köpfe, aber die Arztstundenzahlen haben deutlich nachgelassen«, wies der leitende Konzernarzt auf einen Trend hin. Die Bürokratie müsse heruntergeschraubt werden und mehr Zeit für die eigentliche medizinische Arbeit verbleiben«, forderte er.

Austausch verstärken

»Sich selbst reflektieren und hinterfragen, komme ich mit dem klar und ist das etwas für mich, was dort geschafft werden muss«, nannte Timo Spannagel als eine der grundlegenden Fragen für angehende Mediziner. Die Eigenständigkeit als Arzt und daraus resultierende Anforderungen wie etwa bei einer Praxisgründung würden in den Vorlesungen nur minimal thematisiert, bemängelte der Medizinstudent. Insofern müsste der Austausch zwischen Universitäten und Arztpraxen verstärkt sowie die Vorlesungen angepasst und Praktika zum Beispiel bei einem Landarzt noch wirksamer gefördert werden.

Ähnlich äußerte sich Jonas Kaufmann, ebenfalls Medizinstudent. Kaum einer der ausländischen Studienkollegen zeige Bestrebungen, sich später als Landarzt niederlassen zu wollen, ergänzte er.

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