Vollmacht gefälscht und Geld ergaunert

Gericht: 23-Jährigen wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt

Wertheim
2 Min.

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Zu einer Geldstrafe von 1800 Euro ist am Mittwoch vor dem Amtsgericht Wertheim ein 23-jähriger Arbeiter aus Nordrhein-Westfalen verurteilt worden. Gegen einen Strafbefehl, in dem ihm Betrug in Tateinheit mit Urkundenfälschung vorgeworfen wurde, hatte er vergeblich Einspruch eingelegt. Die Strafe fiel sogar noch höher aus als im Strafbefehl angesetzt, weil sich der Angeklagte trotz hinreichender Beweise nicht geständig zeigte.
Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann zur Last gelegt, Anfang Dezember 2013 vom Chef eines Handwerksbetriebs im Raum Wertheim einen Betrag von 600 Euro erhalten zu haben. Diese wurden ihm nach Vorlage einer gefälschten Vollmacht ausgezahlt. Offiziell stand das Geld jedoch einem Arbeitskollegen zu. Diesen Betrag hatte ihm angeblich jener Kollege geschuldet, mit dem er zusammen einen Auftrag des Handwerksbetriebs ausgeführt hatte.
Identifizierte Fingerabdrücke
Vor Gericht bestritt der Angeklagte die Tatvorwürfe. Schon beim polizeilichen Verhör hatte er laut Gericht behauptet, er bekäme die angeblich gefälschte Vollmacht erstmals zu Gesicht. Nun gab er an, er habe für die Geldübergabe gar keine Vollmacht gebraucht. Der Handwerksmeister habe ihm zunächst 200 und am Folgetag nochmals 400 Euro freiwillig gegeben. Außerdem schulde ihm sein Kollege insgesamt sogar 1400 Euro.
Richterin Ursula Hammer gab allerdings zu bedenken, dass laut Gutachten des Landeskriminalamtes auf der handgeschriebenen Vollmacht sechs seiner Fingerabdrücke zweifelsfrei identifiziert wurden und die Unterschrift darauf sei schon dem Augenschein nach nachgeahmt.
Der 25-jährige Kollege des Angeklagten trat als Zeuge auf und erkannte die ihm vorgelegte Unterschrift auf der fraglichen Vollmacht als Fälschung. Befremdlich sei für ihn außerdem, dass der Beschuldigte 600 Euro erhielt, während er selbst noch auf eine vierstellige Lohnnachzahlung warte.
Der Handwerksmeister bestätigte im Zeugenstand die Auszahlung von 600 Euro an den Angeklagten. Er gab außerdem an, dessen Kollege habe für ihn einen Auftrag für 5000 Euro erledigt und den Angeklagten anteilig auszahlen sollen. Der Kollege habe dann aber eine Haftstrafe absitzen müssen. Wegen Diebstahls und gefährlicher Körperverletzung ist der Angeklagte bereits vorbestraft und zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden.
Vor diesem Hintergrund, und weil der 23-Jährige keine Reue zeigte, plädierte der Vertreter der Staatsanwaltschaft für eine Geldstrafe von 2700 Euro. »Woher sollte ich wissen, dass mein Kollege vom Chef noch Geld zu bekommen hat?«, lautete das Schlusswort des Angeklagten.
Richterin Hammer lag mit ihrem Urteil zwar 900 Euro unter der Forderung, aber dennoch höher als der Betrag im Strafbefehl, weil kein Geständnis vorlag. Die Tatsache, dass der Angeklagte seine Fingerabdrücke hinterließ und auf demselben Blatt sogar noch den Empfang quittierte, seien jedoch Beweis genug, hieß es in der Urteilsbegründung.
Siegfried Albert
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