Carsten Wiedemann-Hohl und Carsten Klomp spielen Abschlusskonzert in der Wertheimer Stiftskirche

Orgelmusik zur Marktzeit

Wertheim
2 Min.

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Carsten Klomp (hinten) und Carsten Wiedemann-Hohl (vorne) boten zum diesjährigen Abschluss der Reihe "Orgelmusik zur Marktzeit" am Samstag in der Stiftskirche ein bemerkenswertes Konzert.
Foto: Peter Riffenach
»Von O wie Os­tern bis O wie Ok­tober«. Die­se For­mel gilt nicht nur für den Ein­satz von Som­mer­rei­fen, son­dern auch für die »Or­gel­mu­sik zur Markt­zeit« in der Wert­hei­mer Stifts­kir­che. Am Sams­tag klang die Ver­an­stal­tungs­rei­he mit ei­nem be­mer­kens­wer­ten Kon­zert mit »Cars­ten und Cars­ten« aus.

Der immer noch neue Bezirkskantor Carsten Wiedemann-Hohl und Carsten Klomp, der die zeitliche Lücke zwischen dem Ausscheiden von Katharina Wulzinger und der Arbeitsaufnahme ihres Nachfolgers füllte, boten den 120 Besuchern des Abschlusskonzerts ein abwechslungsreiches Programm, mit Werken vom 16 Jahrhundert bis in die Neuzeit.

Erfreut zeigte sich die »Hausherrin« Dekanin Wibke Klomp über die Attraktivität der Reihe, die an 13 Samstagen regelmäßig mindestens 70, häufig sogar mehr als 100 Zuhörer in die Stiftskirche lockte und damit zur Belebung der Innenstadt beitrug und vor allem »Einheimische und Touristen zusammenführte, die über die Musik miteinander ins Gespräch kamen«. Mit dem ersten Stück riefen die beiden Akteure an der Orgel den Zuhörern eindrucksvoll die »Morgenstimmung« in Erinnerung, die nur wenige Stunden vorher in Wertheim geherrscht hatte, als der Nebel emporstieg und langsam der Sonne Platz machte, die allerdings kurz darauf vom Regen verdrängt wurde. Gemeinsam verzauberten die beiden Organisten mit ihrer Interpretation der Passage aus der Peer-Gynt-Suite von Edward Grieg, die von Karl-Peter Chilla für Orgel bearbeitet wurde. Nicht allzu häufig seien in den Jahrhunderten Stücke für vierhändiges Spiel auf der Orgel geschrieben worden, so Klomp. Eines, nämlich das polyphone Werk »A Verse« des Renaissance-Komponisten Nicholas Carlston, präsentierten die beiden Musiker mit großer Spielfreude. Auch wenn das Orgelmanual kürzer ist als eine Klaviertastatur und folglich bei zwei Spielern die Gefahr von Fingerhakeln und Fußtritten im Pedalbereich größer ist, ereignete sich während des gesamten Konzerts kein »hörbarer Zusammenstoß«.

»Sehr schön«

Diesem Umstand und der Tatsache, dass sie den Charakter des »Adagio für die Flötenuhr« von Ludwig van Beethoven sehr gut getroffen haben, ist es wohl zu verdanken, dass man Wiedemann-Hohl ein »sehr schön« von den Lippen ablesen konnte.

Als sie das folgende Stück, »Chiffre Intram« des zeitgenössischen Komponisten Franz Surges, zum ersten Mal gemeinsam gespielt hätten, seien sie sich unsicher gewesen, ob es sich dabei um ein trauriges, ernstes oder lustiges Stück handelte, sagte der Bezirkskantor.

Anhand einiger Passagen erläuterte er den Zuhörern, worum es sich handelte, nämlich um die musikalische Umsetzung eines Martinsumzugs mit Stimmengewirr, vereinzeltes Handyklingeln und eben das bekannte Martinslied, also ein durchaus humoristisches Werk, das die beiden Interpreten gekonnt darboten. Höhepunkt und Abschluss der diesjährigen Veranstaltungsreihe war der »Bolero« von Maurice Ravel, eine, wie es Klomp ausdrückte, »geniale Komposition« auch wenn nacheinander 18 Mal das Gleiche gespielt wird.

Ein Stück, so einfach und doch so raffiniert, bei dem es den Musikern gelang, den Spannungsbogen bis zum Finale aufrecht zu erhalten. Besonders beeindruckend klingt dieses Werk auf der Orgel, weil hier die von Ravel verwendeten sogenannten Mixturklänge sehr gut dargestellt werden können, erklärte der Organist, der mit seinem Mitspieler nach 15 spannungsgeladenen Minuten langanhaltenden begeisterten Beifall erntete, mit dem sich die Zuhörer eine Zugabe, und zwar den Marsch »The Washington Post«, erklatschten.

Fortsetzung geplant

Wiedemann-Hohl erklärte auf Nachfrage unseres Medienhauses, dass er für nächstes Jahr eine Fortsetzung der »Orgelmusik zur Marktzeit« plane. »Wir haben bereits potenzielle Interpreten angeschrieben«, meinte er, ohne konkrete Namen zu nennen.

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