Verstärkt auf Nachhaltigkeit bei Medikamentenversorgung achten

AOK Heilbronn-Franken

MAIN-TAUBER-KREIS
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Ge­sund­heits­zah­len, Jah­re­s­er­geb­nis oder auch Co­ro­na, Zah­len, Da­ten und Fak­ten, all das üb­lich Ge­wor­de­ne stand hin­tan bei der Jah­re­s­pres­se­kon­fe­renz der AOK Heil­b­ronn-Fran­ken am Di­ens­tag.

In Tauberbischofsheim haben die Geschäftsführerin Michaela Lierheimer und ihr Chefkommunikator René Schilling ganz auf die Nachhaltigkeit geschaut. Die Krankenkasse scheint da schon auf einem guten Weg und will auch die Mitbewerber antreiben.

Seit 2013 sei man, zunächst im Kleinen, unterwegs zu Nachhaltigkeit und Klimaneutralität. Letztere soll 2030 umfassend sein, der ökologische Fußabdruck dann bei Null liegen. Putzmittel, Farben, Lampen, Büroausstattung, Werbeartikel, Heizung und Klimaanlagen haben den Anfang gemacht, mittlerweile geht es um Aufforstung, Blühwiesen und Fotovoltaik - beides auch am Standort Tauberbischofsheim. Auch Ökostrom und Elektroautos gehören zum Umwelt-Portfolio sowie ein Anreizprogramm für die Mitarbeiter, das Auto zu Gunsten des Fahrrads stehenzulassen. 4,2 Prozent habe man jährlich beim CO2 einsparen wollen, allein zwischen 2019 und 2020 habe die AOK landesweit fast 35 Prozent geschafft. Eine deutliche Übererfüllung, wie Lierheimer betont.

Alternde Hausärzte

Nachhaltigkeit im Kerngeschäft der Krankenkasse sei da noch mal eine andere Nummer und greife viel weiter. Die ambulante Versorgung sei durchaus in Frage gestellt, mehr als ein Drittel der Hausärzte seit mittlerweile älter als 60 Jahre. »Für zwei ausscheidende müssten drei junge Ärzte nachrücken«, sagt Lierheimer. Die Pläne der Bundesregierung, hier Abhilfe zu schaffen. seien konstruktiv, doch ob sie ausreichten, die medizinische Versorgung in der Fläche sicherzustellen, das bleibe abzuwarten, so Lierheimer.

Offenbar will die AOK aber gar nicht abwarten. In der Pressekonferenz sprach man von eigenen Impulsen, erinnerte an das bereits vor 13 Jahren gestartete eigene Hausärzteprogramm und das zugehörige Fachärzteprogramm, beide brächten den Ärzten - und damit den Versicherten im ländlichen Raum - spürbare Vorteile. Auch in Sachen der Krankenhäuser wolle man anstiften und die kleineren Mitbewerber mitreißen, informiert Lierheimer. Einer der Punkte ist es, neben der wohnortnahen Basisversorgung Qualität in der Spezialisierung zu fördern und Patientenströme dorthin zu steuern. Qualitätsverträge für Kliniken, die zum Beispiel Hüft-OPs machten, gebe es seit zwei Jahren. Knie-Endoprothetik soll noch dieses Jahr hinzukommen. Das vorgestellte Qualitätskonzept greift auch bei Reha- und geriatrischen Rehakliniken. Die AOK habe Verträge mit 54 solcher Einrichtungen landesweit. Es gehe dabei nicht zuerst ums Geldsparen, betonte René Schilling.

Das System müsse bezahlbar bleiben. Weniger Schmerzen zu haben und schneller wieder gesund zu werden, darin liege das Hauptziel. Beworben wurde der AOK-eigene Krankenhausnavigator, der als wichtige Entscheidungshilfe für die Patienten gelte. Nachhaltigkeit ist aus Sicht der AOK auch ein drängendes Thema bei der Medikamentenversorgung. Da geht es nicht nur um Verfügbarkeit und ausreichende Reserven, sondern auch um ethische Standards in der Herstellung sowie Umweltfragen überall.

Als Beispiel wurde der Kampf der AOK gegen Gels und Salben auf Diclofenac-Basis genannt. Der Stoff kommt beim Duschen ins Abwasser und taucht in höchst bedenklichen Mengen in fast allen Fließgewässern wieder auf. Die AOK bezahlt den Wirkstoff ab 2023 nur noch in Tablettenform. Auch zur Pflege positionierte sich die AOK. Sie müsse ein attraktiver Beruf mit vernünftigen Arbeitsbedingungen sein und darin stabil finanziert werden. Wichtig sei eine deutlich größere Durchlässigkeit und Flexibilität zwischen ambulanter und stationärer Pflege. Gut investiertes Geld sei alles, was in Prävention und damit den Erhalt von Gesundheit gehe. Eine nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen sei dabei derzeit nicht gegeben, warnt Lierheimer. Allein bei der AOK Baden-Württemberg werde das Minus im Jahr 2021 fast 700 Millionen Euro betragen. Die Verluste aller Krankenkassen im Bund werde sich 2023 bei mehr als 17 Milliarden Euro summieren.

Da stünden gravierende »Unwuchten« zu Lasten des Beitragszahlers am Horizont. In dieser Situation die Rücklagen der Kassen anzugreifen, sei keine langfristige Lösung und bestrafe jene, die gut gewirtschaftet hätten. Es gebe drei Lösungselemente: Die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel von derzeit 19 auf 7 Prozent abzusenken. Allein zehn Milliarden Euro ließen sich »holen«, wenn die Bundesregierung die Beitragszahlungen für ALG II-Bezieher anhöbe, auch der seit Jahren unbewegte Bundeszuschuss an die GKVs von derzeit 14,5 Milliarde Euro müsse angehoben werden. So wie es jetzt sei, stehe die Gesundheitsversorgung am Scheideweg. Qualität und Breite seien bedroht, so Lierheimer abschließend.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!