Verspätetes Geburtstagsgeschenk

Meisterkonzert: Klenke-Quartett und Musikprofessor Peter Gülke im Wertheimer Hofgarten-Schlösschen

Wertheim
2 Min.

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Gesprächskonzert mit dem Klenke-Quartett (von links): Annegret Klenke, Beate Hartmann, Yvonne Uhlemann und Ruth Kaltenhäuser sowie Peter Gülke.
Foto: Petra Folger-Schwab
Ein Ge­sprächs­kon­zert hat­te der Kul­tur­kreis Wert­heim an­ge­kün­digt, und das Pu­b­li­kum war am Sonn­tag ge­spannt, was der re­nom­mier­te Wei­ma­rer Mu­sik­pro­fes­sor, Di­ri­gent, Au­tor und Päda­go­ge Pe­ter Gül­ke zu den bei­den auf­ge­führ­ten St­reich­quar­tet­ten Bee­t­ho­vens zu sa­gen hat­te.

Gut 30 Gäste hatten sich auf den Weg ins Hofgarten-Schlösschen gemacht, um das zu erfahren. Im Rahmen des 250. Geburtstags des Klaviervirtuosen und Komponisten Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) war dieses Konzert mit zwei seiner Streichquartette ursprünglich für 2020 geplant gewesen.

30-jähriges Bestehen

Das Klenke-Quartett feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Als Studentinnen hatten sich Primaria Annegret Klenke (1. Violine), Beate Hartmann (2. Violine), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello) 1991 an der Musikhochschule in Weimar zusammengefunden. Seit dem konzertieren die vier Musikerinnen weltweit.

Gülke skizzierte kurz die Zeit, in der Beethoven von Bonn nach Wien ging. Ein heißes Pflaster sei Wien gewesen, verriet der 87-Jährige schmunzelnd. Im Sommer 1800 sei das Streichquartett in B-Dur, op. 18/6 als sechstes von insgesamt 16 entstanden.

Der Komponist war 30 Jahre alt, und erste Schatten der Ertaubung lagen über ihm. »Wahrscheinlich entgehe ich diesem Schicksal nicht«, habe Beethoven wohl gedacht. Einen »kleinen Blick in die Geheimküche von Beethovens Komponierkunst« gestattete der Musikprofessor, indem er die Musikerinnen verschiedene Sequenzen anspielen ließ, wobei er erklärte, dass öffentliche Konzerte zu der Zeit noch sehr selten waren.

Man traf sich privat, um der Musik zu lauschen. Beethoven habe sich Späße erlaubt und provozieren wollen. Nicht immer sei die Melodieführung klassisch gewesen, es gebe Brüche, Takt- und Tonartwechsel, die nicht immer nachvollziehbar sind. Besonders am letzten »La Malinconia« (Melancholie) überschriebenen Satz, macht das Gülke für das Publikum nachvollziehbar deutlich. Die Melodie verliert Halt, »fängt an, durch Tonarten zu irren«, wird schnell und wieder langsam, vom »Deutschen Tanz« zu tatsächlich melancholischen Tönen. Perfekt gespielt vom Klenke-Quartett, ausdrucksstark und präzise, von den Zuhörern schon zur Pause mit großem Applaus bedacht.

Das letzte Stück

Das Streichquartett op. 135 in F-Dur aus dem Jahr 1826 war Beethovens letztes Stück dieser Gattung und bildete den zweiten Teil des Konzerts. Noch intensiver zeigt sich hier das meisterliche Zusammenspiel der vier Streicherinnen, verlangt das Stück doch intensive Zwiesprache, Frage und Antwort, heftige Auseinandersetzungen und Versöhnung.

Um »musikalischen Intimverkehr« handelt es sich laut Peter Gülke. Beethoven war inzwischen fast taub, konnte nur noch anhand der Bogenstellung verfolgen, wie und was gespielt wurde. Durch verschiedene Einspielungen im Vorfeld zeigten die Musikerinnen, wie schwierig manche Passagen zu spielen sind.

Immer schneller werdend spielten sie mehrfach dieselben Takte, um schließlich das vom Komponisten vorgegebene Tempo zu erreichen. Die dazu notwendige Virtuosität demonstrierten die vier Damen überzeugend.

Zum letzten Satz »Der schwer gefasste Entschluss« gab Gülke einige Erklärungen. »Muss es sein? - Es muss sein!« hat der Komponist dazu notiert. Schwierigkeiten mit einer Haushälterin, mit einem Musikliebhaber oder mit sich selbst könnten, so Gülke, dahinter stecken.

Ein »subjektives Moment« käme dadurch heraus, eine »persönliche Prägung«. Ein »seltsames, ganz wunderbares Werk« sei dieses Quartett. Und tatsächlich arbeiten »die Klenkes« das Thema herrlich heraus.

Man kann die Frage »Muss es sein?« immer wieder heraushören und die Antwort mal freundlich, mal bestimmt oder gar wütend, aufbrausend oder nachdrücklich ausmachen. Die Zuhörer spendeten viel Applaus und waren begeistert. Schade, dass keine Zugabe möglich war. Der Zug in Richtung Aschaffenburg konnte nicht warten.

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