Vanessa Weber im Interview: "Schauen, dass Mütter in den Beruf gehen"

Aschaffenburger Unternehmerin über Verantwortung

Tauberbischofsheim
2 Min.

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Vanessa Weber
Foto: Lena Schwaiger
Um Frauen in Führungspositionen geht es noch bis Samstag bei den baden-württembergischen Frauenwirtschaftstagen. Im Main-Tauber-Kreis haben die Organisatoren die Aschaffenburger Vorbild-Unternehmerin Vanessa Weber als Sprecherin eingeladen. Wir haben mit ihr über Frauen und Verantwortung gesprochen.

Bei den Frauenwirtschaftstagen halten Sie einen Vortrag fast nur für Frauen - Ist das etwas besonderes?

Als Vorbild-Unternehmerin werde ich öfter auf Veranstaltungen dieser Art eingeladen. Ich beobachte, dass viele Frauennetzwerke sich bilden und sich verschiedene Gremien dafür engagieren. Unter Frauen zu sprechen, erlebe ich als eine angenehme Atmosphäre, man ist unter sich. Da kommen die Frauen mehr aus sich heraus. Das finde ich schön.

Was wollen Sie den Frauen mitgeben?

Sie sollten mehr Selbstbewusstsein entwickeln, an sich glauben, das eigene Licht nicht unter den Scheffel stellen. Sie können sagen, ich kann was, ich habe auch schon was geleistet. Für sich selber einstehen können, finde ich wichtig. Da sollten viel mehr Frauen raus aus ihrer Komfortzone kommen.

Sie leiten ein Unternehmen - was bedeutet Verantwortung übernehmen für Sie?

Das bedeutet für mich zum einen, die unternehmerische Verantwortung, die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Ich bin sehr engagiert im Ehrenamt, einmal mit Plant-for-the-planet, einem Baumpflanz-Thema, und bei den Wirtschaftsjunioren. Außerdem heißt es für mich, meinen Mitarbeitern den Raum zu geben, Verantwortung zu übernehmen und ihr Ehrenamt auszuüben. Da gibt es von mir auch Freizeit dafür. Dazu gehört auch der Werkstatt-Weber-Hilfstag. Ich finde es wichtig, auch regional im Umfeld etwas zu tun.

Ihr Vater hat Ihnen das Familienunternehmen überschrieben, als Sie 22 waren. Hätten Sie auch Verantwortung übernommen, wenn er sie nicht so ins kalte Wasser geworfen hätte?

Ich glaube schon. Ich bin schon so getrieben und habe das bei meinen Eltern so miterlebt. Allerdings waren es für mich auch günstige Rahmenbedingungen. Wenn ich das nicht erlebt hätte, wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin. Das ist ein wichtiger Prozess gewesen.

Sie empfehlen Frauen, die Komfortzone zu verlassen. Was war für Sie ein Moment, in dem Sie gesagt haben, jetzt bin ich raus?

Als ich zum ersten Mal in Amerika die Firma repräsentiert habe. Da ging es mir wirklich nicht gut. Aber wenn man es geschafft hat, ist es hinterher eine schöne Sache. Mut bedeutet gerade, einen Schritt nach vorne zu tun, auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich da trittsicher bin - auch wenn es mal schief geht.

Wo sehen Sie Frauen in der Wirtschaft in zehn Jahren?

Hoffentlich ganz oben. Ich hoffe, dass sich da ganz viel tun wird. Auch zwangsweise, weil das Thema Fachkräftemangel jeden betrifft. Wenn wir es nicht schaffen, Familie und Beruf richtig zu integrieren, können wir den Fachkräftemangel nicht lösen. Deshalb müssen wir schauen, dass Mütter in den Beruf gehen, dass Frauen mehr gründen. Da müssten sich auch die politischen Rahmenbedingungen weiter ändern.

Zur Person: Vanessa Weber

Die Aschaffenburger Unternehmerin Vanessa Weber ist Geschäftsführerin der Firma Werkzeug Weber. 2018 hat sie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als »Vorbild-Unternehmerin« ausgezeichnet.

Der wichtigste Moment für sie: Als ihr Vater sie in einen Biergarten einlud und bei Hähnchen mit Pommes fragte: »Willst du die Firma übernehmen?« Mit gerade 18 Jahren sagte sie zu. »Ich konnte nicht anders«, bekennt sie. »Ich war praktisch in der Firma aufgewachsen, mein Herzblut hing daran.« Als sie 22 Jahre alt war, überschrieb der Vater ihr die Firma. »Ich kenne meine Tochter«, hielt er den Zweiflern entgegen. Der Erfolg des Unternehmens gibt ihm recht. ()

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