Unterm Wurzeldach trinken wie 1492

Külsheimer Mittelaltermarkt: Vorbereitungen für die »Burgkurzweyl« laufen - Spektakel mit 60 Ständen

Külsheim
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Rund 20 000 Gäs­te lockt das Mit­telal­t­er­fest »Burg­kur­z­weyl zu Cul­les­he­ym« mitt­ler­wei­le in die Brun­nen­stadt. Am 30. April geht es wie­der los. Au­then­ti­zi­tät wird groß ge­schrie­ben, schon jetzt ist die stei­gen­de Zahl der Bart­trä­ger im Stadt­bild un­über­seh­bar. Gut 600 Hel­fer ar­bei­ten für das Ge­lin­gen des sechs­ten Mit­telal­ter­mark­tes mit über­re­gio­na­ler Strahl­kraft.
Alles fußt auf dem Stadtrecht, dass den Külsheimern 1292 verliehen wurde. Beim ersten Mittelalterfest 1992 hat der damalige Organisator Klaus Häußlein das Jahr 1492 für den Hintergrund des Marktes festgelegt. In dieser Zeit fühlen sich die Cullesheymer seither sauwohl.
Historisch sauber recherchiert
Johann von Tiefen ist Hochmeister beim Deutschen Orden, ein derer von Henneberg ist Mainzer Erzbischof, Friedrich III. ist Kaiser und Papst Innozenz VIII. stirbt in diesem Jahr. Wichtig ist das unter anderem auch, weil auf der Cullesheymer Burgkurzweyl Recht gesprochen wird. In drei spektakulären Aufzügen wird täglich der Fall eines Kaufmannes verhandelt, der eine minderjährige Cullesheymer Jungfer verführt hat. »Alles ist historisch sauber recherchiert«, verspricht der Burgvogt Jürgen Goldschmitt.
Das gelte auch für die rund 100 anderen Attraktionen rund um den Markt und ganz besonders für die Details. Hatten sich die Külsheimer beim ersten Markt 1992 noch gegen Strumpfhosen zu wehren versucht, so gehören die heute zum Standard - Sandalen, Gewänder, Spangen und Gugeln zum guten Ton.
Turnschuhe und Uhren sind bei den Helfern sowieso längst tabu, erstmals werden eigens Brillen aus Holz angefertigt, der Külsheimer Optiker Becker setzt die Gläser in Sehstärke ein. Sätze wie: »Gehabt euch wohl« und »Habet Dank« gehen dem Mittelaltervolk schon jetzt locker über die Lippen, die 600 Helfer sind allesamt in Sprachkursen trainiert worden, haben historische Musikstücke geprobt und mittelalterliche Tänze einstudiert.
Gekocht wird wie damals, Kartoffeln und Pommes gibt es keine. Die ersten Kartoffeln sind erst 1567 in Antwerpen angelandet worden. Stattdessen gibt es einiges aus dem ersten europäischen Kochbuch überhaupt. Das war 1350 in Würzburg unter dem Namen »Bouch von guoter Spies« vorgelegt worden. Da gibt es Gerichte wie Olla Potrida, Kriechisch Huhn und Hirsebrei.
Authentisch bis ins Detail
Vegetarisch ist auch in Külsheim im Kommen, wie der Burgvogt sagt - und gesund soll es sowieso sein. Wie zu alter Väter Tage wird statt Zucker mit Honig gesüßt, der kommt natürlich ausschließlich von Külsheimer Bienen. Fleischlosigkeit darf man hingegen nicht durchgängig erwarten, so zeigt der Markt unter anderem ein »Prostibulum« - ein Zelt, in dem Prostituierte ihrer Arbeit nachgehen. Auch das liefert den Veranstaltern Anlass für allerlei derbes Schauspiel.
Schreiber und Schnitzer sind dabei, Ablassbriefe können gekauft werden, Münzpräger zeigen ihr Handwerk, Bauchtänzerinnen und Zigeuner machen mit, ein Falkner, Bierzapfer, Saubräter, Gaukler, Feuerschlucker, Kettenhemden werden gewoben. Und Vieles mehr.
Natürlich sind alle gut 60 Stände authentisch und selbstbebaut, es gibt keine Schrauben, kein elektrisches Licht. Selbst der Boden ist mit Rindenmulch bedeckt - alles für den ungetrübten Mittelaltereindruck. Burgvogt Goldschmitt: »Die Burgkurzweyl, das ist für uns alle wie ein Virus, hochlöblich Volk, seid uns gegrüßt.«
Michael Geringhoff
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