Tunnellösung für Taubertalstraße vorgestellt

Im Februar 1960: Kommandeurswechsel auf dem Reinhardshof - Fachgeschäft Trautwein feierte 90-jähriges Bestehen

Im Februar 1960
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Tunnellösung vorgestellt: Unter der Überschrift »Regierungspräsidium neigt zur Tunnellösung« berichtete unsere Zeitung am 2. Februar 1960 über die nichtöffentliche Gemeinderatssitzung, in der Baurat Finsinger von der Straßenbaubehörde diese Lösung vorgestellt hatte.
Wie Finsinger einleitend feststellte, habe der Gemeinderat zwar am 6. Juni 1958 der Trasse der Taubertal-Umgehungsstraße in Wertheim entlang der Tauber zugestimmt, doch hätten Anträge von Wertheimer Bürgern dazu geführt, dass seine Behörde Varianten zu dieser Lösung geprüft habe. Und dabei sei man zu der Erkenntnis gekommen, dass die von der Behörde vor eineinhalb Jahren wegen der zu hohen Bau- und Unterhaltungskosten abgelehnte Tunnellösung durch den technischen Fortschritt billiger und damit realisierbar würde. Sei man 1958 von zehn Millionen Mark Mehrkosten ausgegangen, wenn man statt der Trasse an der Tauber einen Tunnel durch den Schlossberg baue, so würden bei dem neuen Vorschlag für die Tunnellösung nur drei Millionen Mark Mehrkosten entstehen, sagte der Baurat, der dann ausführlich die Streckenführung dieser Lösung erläuterte. Sie sehe eine von der Mühlenstraße ansteigende Straße in Richtung Schlossberg vor, die dann durch einen 370 Meter langen Tunnel führe und bei der Badischen Bank in die Maintalstraße einmünde. Das Bankgebäude und einige Häuser in der Eichelgasse müssten dazu abgerissen werden. Finsinger gab als Maße für den Tunnel eine lichte Weite von zehn Metern und eine lichte Höhe von 6,60 Metern an. Die Fahrbahn werde 7,50 Meter breit, einen Gehsteig benötige man nicht, weil der Tunnel für Fußgänger und Radfahrer gesperrt werde.
In der Aussprache äußerten Bürgermeister Roth und einige Stadträte Bedenken gegen diese Lösung, weil sie die Verkehrsverhältnisse in der Stadt nicht verbessere. Außerdem stelle der Abbruch von mindestens zehn Häusern die Stadt vor das Problem, für viele Familien Wohnraum zu schaffen.

Altbürgermeister Wolz beigesetzt: Heute vor 50 Jahren wurde auf dem Friedhof von Sachsenhausen Altbürgermeister Georg Peter Wolz beigesetzt, der an diesem Tag vor 73 Jahre alt geworden wäre. Aus einer alten Sachsenhausener Bauernfamilie stammend, hatte er sich 1910 nach seiner Eheschließung im elterlichen Betrieb selbstständig gemacht. 1925 war er in den Vorstand der Spar- und Darlehenskasse gewählt worden. Nach dem Tod des Kassenvorsitzenden und Bürgermeisters Klein am 5. März 1931 wurden ihm beide Ämter übertragen. Er übte sie 20 Jahre aus, bis er sie 1951 nach einem Schlaganfall nicht weiterführen konnte. Für die Gemeinde legte sein Amtsnachfolger Mattern und für die Kasse Karl Schlessmann Kränze nieder.

Kommandeurswechsel: Nach 18 Monaten Dienst als Kommandeur der auf dem Reinhardshof stationierten amerikanischen Einheiten verabschiedete sich Colonel Elmer H. Almquist, der in das Hauptquartier der US-Armee in Heidelberg berufen worden war. Sein Nachfolger wurde Colonel Ferdinand T. Unger, der von Paris nach Wertheim versetzt wurde. Wie Almquist bei einem Essen, zu dem er Offiziere und Vertreter deutscher Behörden eingeladen hatte, ausführte, verließen seine Frau und er Wertheim, in dem sie 18 schöne Monate verbracht hätten, ungern. »Wertheim ist unsere Heimat in Deutschland geworden, und wir hoffen, dass uns eine Rückkehr vergönnt ist«, sagte er. Bürgermeister Carl Roth überreichte ihm einen Wandteller mit Rathaus und Burg als Bildmotiv.

Fachgeschäft seit 90 Jahren: Die Familie Trautwein feierte das 90-jährige Bestehen ihres Fachgeschäfts für Uhren, Schmuck und Bestecke, das der aus Schiltach im Kinzigtal stammende Adolf Trautwein am 1. Februar 1870 im Hause der Schwiegereltern im Eckhaus Marktplatz/Eichelgasse eröffnet hatte. 1896 hatte sein Sohn Christian das Geschäft übernommen, und nach dessen Tod im Jahre 1955 wurde es in dritter Generation von Georg Trautwein, dem Enkel des Gründers weitergeführt.

Drehbuchautor Walter gestorben: In einer kurzen Meldung teilte die Zeitung mit, dass am 24. Januar 1960 der bekannte Drehbuchautor Kurt E. Walter sich in Berlin nach einem Verkehrsunfall das Leben genommen habe. Der 52-Jährige hatte von 1944 bis 1950 in Wertheim gelebt.

Verbandstag der Kanuten: Der Nordbadische Kanuverband hielt am letzten Januarwochenende 1960 in Wertheim seinen 15. Verbandstag ab, an dem die Delegierten von 29 Kanuvereinen mit rund 2500 Mitgliedern teilnahmen. Bei der Tagung in der Landwirtschaftsschule versicherte Verbandsvorsitzender Adolf Rieger aus Mannheim, dass der Zusammenschluss des nord- und des südbadischen Verbandes angestrebt werde. Wie aus den Berichten der Fachwarte zu entnehmen war, hatte der Kanuclub Wertheim (KCW) 1959 im Wanderfahren den ersten Platz belegt, durch sechs Siege bei Regatten den sechsten Platz erreicht und war beim Sportfest der badischen Kanujugend Vierter geworden. Abends trafen sich die Teilnehmer des Verbandstags und die Mitglieder des KCW zu einem Bunten Abend im Hotel »Schwan«, bei dem die Kapelle Diehm aus Hasloch zum Tanz aufspielte.
Guido Weber
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