Startdatum für die Luca-App im Landkreis Main-Tauber steht noch nicht fest

Neuer Landrat: Christoph Schauder sieht durch die Corona-Pandemie grundlegenden Wandel der Arbeitswelt

Wertheim
4 Min.

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Ab 1. Juni beginnt die Amtszeit des neuen Landrats Christoph Schauder. Foto: Frank Mittnacht, Landratsamt Main-Tauber-Kreis
Foto: Gunter Fritsch
Die Amt­s­ein­füh­rung von Chri­s­toph Schau­der als neu­er Land­rat des Land­k­rei­ses Main-Tau­ber fand be­reits am 21. Mai statt. Schau­ders ers­te acht­jäh­ri­ge Amts­zeit be­ginnt of­fi­zi­ell al­ler­dings erst am 1. Ju­ni. Im Ge­spräch mit die­ser Re­dak­ti­on er­läu­ter­te er, wel­che Auf­ga­ben und Her­aus­for­de­run­gen in den kom­men­den Jah­ren vor dem Main-Tau­ber-Kreis mit sei­nen 18 Städ­ten und Ge­mein­den lie­gen. Die Be­wäl­ti­gung der Co­ro­na-Pan­de­mie ist ei­ne die­ser Her­aus­for­de­rung. Der Start der für die Kon­takt­ver­fol­gung in Gast­stät­ten und Ge­schäf­ten wich­ti­ge Lu­ca-App ver­zö­gert sich aus tech­ni­schen Pro­b­le­men al­ler­dings wei­ter.

Frage: Seit mehr als einem Jahr bestimmt die Corona-Pandemie auch im Landkreis Main-Tauber die Arbeit von Behörden und Verwaltungen. Welche Rückschlüsse ziehen Sie aus den Erfahrungen und Erkenntnissen der vergangenen 15 Monate für ihre Arbeit in der Zukunft?

Antwort: Zunächst muss man sagen, die Corona-Pandemie ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Seit 15 Monaten bewegt uns diese Pandemie. Sie ist eine Katastrophe in der jüngeren Geschichte der Menschheit. Ich denke aber, dass der Landkreis gut durch die vergangenen 15 Monate gegangen ist. Es war eine geschlossene Teamleistung mit dem Gesundheitsamt an der Spitze im Zusammenspiel mit unseren 18 Städten und Gemeinden. Dass wir bislang so gut durch die Pandemie gekommen sind, ist auch der Tatsache geschuldet, dass sich ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger vorbildlich an die entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln hält.

Frage: Und wie ist Ihre Perspektive auf die Arbeit der Verwaltungen in Corona-Zeiten?

Antwort: Die Corona-Pandemie hat ganz klar innerhalb der Verwaltung die Bedarfe offen gelegt. Zwischen der ersten Corona-Woche im März vergangenen Jahres und heute liegen Welten, gerade was die Digitalisierung im Gesundheitsamt betrifft.

Frage: Heißt das, dass eine Bewältigung der Pandemie unter den damaligen Bedingungen im Gesundheitsamt gar nicht möglich gewesen wäre?

Antwort: Das ist keine Besonderheit im Main-Tauber-Kreis. Die Gesundheitsämter haben jahrelang ein Schattendasein geführt. Gerade bei der Kontaktnachverfolgung, weg von der Zettelwirtschaft, ist es gelungen in rekordverdächtiger Zeit, innerhalb von Wochen einen Digitalisierungsprozess im Gesundheitsamt umzusetzen.

Frage: Der Landkreis Main-Tauber will die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung einsetzen. Der Start verzögert sich. Wie weit ist das Projekt?

Antwort: Das Gesundheitsamt ist in der Lage, die durch die Luca-App gesammelten Daten zu verarbeiten. Allerdings muss das Gesundheitsamt arbeitsfähig bleiben und es muss deshalb unter allen Umständen verhindert werden, dass es mit irrelevanten Daten durch die Luca-App geflutet wird. Und diese Gefahr besteht, wenn die App nicht klug von der Gastronomie und den Einzelhandelsfirmen eingesetzt wird. Je größer ein Geschäft ist, desto mehr abgrenzbare Bereiche werden benötigt. Es reicht nicht, einen Check-In und Check-Out bei einem größeren Geschäft nur am Eingang zu platzieren. Das birgt die Gefahr, dass Daten von Menschen unser Gesundheitsamt erreichen, die sich nie begegnet sind. Was uns aber letztlich dazu bewogen hat, mit der Einführung der App noch zu warten, ist ein größeres Problem: Wer sich ohne Smartphone einloggt, etwa über ein Tablet oder einen elektronischen Schlüsselanhänger, der kann sich nicht wieder auschecken. An dem Problem sind die Betreiber der Luca-App dran, ein Startdatum für die App kreisweit steht deshalb noch nicht fest.

Frage: Können Geschäftsinhaber die App denn trotzdem bereits heute einsetzen?

Antwort: Geschäftsinhaber brauchen keine Freigabe für die Nutzung der App vom Landratsamt. Jeder kann die App heute schon bei sich im Betrieb implementieren. Das Gesundheitsamt ruft zurzeit aber nur Daten bei den Testpartnern ab.

Frage: Gibt es Anfragen von Hoteliers und Gastwirten, wann sie die Luca-App einsetzen können?

Antwort: Der Wunsch bei der Hotellerie und der Gastronomie ist groß, von der Zettelwirtschaft hin zu einer digitalen Lösung zu kommen. Er herrscht dort aber auch Verständnis dafür, dass hier Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht.

Frage: Die Corona-Pandemie hat auch die Schwächen bei der Digitalisierung offen gelegt. Wie gut ist der Landkreis bei der Digitalisierung aufgestellt und welche Entwicklungen muss es in den kommenden Jahren geben?

Antwort: Die Pandemie hat die Digitalisierung maßgeblich beschleunigt. Bis April vergangenen Jahres habe ich keine Videokonferenzen abgehalten, jetzt sind es fast täglich mehrere. Die Vorstufe der Digitalisierung ist allerdings der Breitbandausbau. Und da ist der Landkreis wirklich gut aufgestellt, weil dies im Main-Tauber-Kreis bereits vor Jahren als Zukunftsthema erkannt wurde. Fast alle Haushalte verfügen bereits heute über ein leistungsfähiges Internet, alle 82 Schulen im Landkreis sind ans Glasfasernetz angeschlossen. Nun müssen allerdings noch die weißen Flecken im Landkreis beseitigt werden. Und in den nächsten Jahren müssen wir zusammen mit den Städten und Gemeinden den innerörtlichen Breitbandausbau vorantreiben.

Frage: Was bedeutet der Ausbau für die Dienstleistungen der Landkreisverwaltung?

Antwort: Es gibt den berechtigten Wunsch vieler unserer Kundinnen und Kunden, zeit-, papier- und raumlos mit der Kreisverwaltung zu kommunizieren. Wir werden uns in den kommenden Jahren deshalb deutlich digitaler aufstellen. In einem ersten Schritt soll es eine digitale Terminvergabe geben, mit allen Stellen der Kreisverwaltung soll es dann möglich werden, einen Termin online zu vereinbaren. In einem zweiten Schritt sollen weitere Angebote der Landkreisverwaltung schrittweise digitalisiert werden.

Frage: Die Corona-Pandemie und mit ihr die Digitalisierung haben unser aller Mobilitätsverhalten verändert. Stichwort: Homeoffice. Welche Bedeutung werden ihrer Einschätzung nach in Zukunft noch Verkehrswege, Busse und Bahnen für den Landkreis haben?

Christoph Schauder: Drei Fragen an den neuen Landrat
Quelle: Gunter Fritsch

Antwort: Corona wird auch die Arbeitswelt und unser Mobilitätsverhalten nachhaltig verändern. Das Landratsamt ist ein Beispiel dafür. Wir haben rund 1000 Mitarbeitende, denen wir in großer Zahl ermöglichen, im Home Office tätig zu sein. Dabei ist es wichtig, dass die Fälle zeitnah bearbeitet werden. Von nachrangiger Bedeutung ist für mich, von wo aus, die Arbeit verrichtet wird - im Büro oder von zu Hause aus. Viele Dienstleistungen können allerdings nur in Präsenz angeboten werden - beispielsweise die Angebote der Zulassungsstelle. Glasklar ist aber auch: Wir sind der am dünnsten besiedelte Flächenlandkreis in Baden-Württemberg. Die Straßen bilden die Lebensadern unseres Landkreises, die die Menschen auf ihrer Fahrt zu Einkaufen oder zum Arzt brauchen, um zur Schule zu kommen oder die Kinder in den Kindergarten zu bringen. Und damit einhergeht für mich immer ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr.

Frage: Können Sie ein Beispiel für attraktiven öffentlichen Nahverkehr im Main-Tauber-Kreis nennen?

Antwort: Die Frankenbahn ist so ein Beispiel. Zusammen mit dem Neckar-Odenwald-Kreis finanziert der Main-Tauber-Kreis eine Landesaufgabe. Allein für den Main-Tauber-Kreis sind das jährlich 1,1 Millionen Euro für die Frankenbahn. Von den Investitionen in den Busverkehr, der auf die Frankenbahn abgestimmt ist, ganz zu schweigen. Das ist viel Geld, aber gut investiertes Geld. In den nächsten Wochen und Monaten wird es darum gehen, das Land zu bewegen, dass dieser Frankenbahntakt, der Stundentakt, in eine vom Land finanzierte, dauerhafte Lösung überführt wird. Dafür werden wir zusammen mit dem Neckar-Odenwald-Kreis kämpfen, auch die politischen Gremien stehen dahinter. Ein attraktiver Bahnverkehr ist kein exklusives Privileg von Ballungsräumen, das muss auch in ländlichen Räumen möglich sein. In ländlichen Räumen sind Menschen nur bereit, beispielsweise auf die Schiene umzusteigen, wenn die Verbindung verlässlich und zeitlich attraktiv ist.

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