Städte und Kirchen für Energiesparen

Gas-Krise: Der Herbst dürfte in diesem Jahr auch in Innenräumen im Südwesten kühler und dunkler werden

STUTTGART
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Er soll möglichst wenig steigen: Ein Gaszähler zeigt den Verbrauch an. Foto: Marijan Murat/dpa
Foto: Marijan Murat
Kom­mu­nen und Kir­chen im Land wol­len auf­grund der dro­hen­den Gas-Man­gel­la­ge im Herbst und Win­ter ih­ren En­er­gie­be­darf deut­lich re­du­zie­ren. In der Karls­ru­her Ver­wal­tung sol­len Kli­ma- und Lüf­tungs­an­la­gen so­wie Warm­was­ser wo mög­lich ab­ge­schal­tet wer­den.

Die Temperatur in Innenräumen soll um zwei Grad gesenkt werden und in Fluren und Nebenräumen nur noch vor Frost schützen, wie ein Sprecher mitteilte. Auch werde geprüft, die Heizperiode zu verkürzen. Die Beleuchtung öffentlicher Gebäude solle zudem auf ein Mindestmaß reduziert werden, und mit Blick auf die Sicherheit werde geprüft, bestimmte Ampelanlagen nachts abzuschalten.

Einsatz von Solarenergie

In Stuttgart spart die Stadt zum einen bei den Bädern Energie. Bereits seit dem 1. Juli wird das Beckenwasser der Freibäder nur noch durch Solarenergie erwärmt. Eine garantierte Wassertemperatur gebe es dadurch nicht mehr, sagte ein Sprecher der Stadt. Weiteres Einsparpotenzial sieht die Landeshauptstadt bei der Beleuchtung. »Wir erwägen derzeit sehr ernsthaft die Abschaltung der Außenbeleuchtung an städtischen Gebäuden wie dem Rathaus oder der Stadtbibliothek und wollen uns diesbezüglich auch mit den Kirchen abstimmen, soweit Kirchen angestrahlt werden«, teilte Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) mit. Wie viel Energie die Stadt damit einsparen kann, wird wie in Karlsruhe derzeit noch ermittelt.

Die Stadt Tübingen setzt vor allem auf den massiven Ausbau erneuerbarer Energie und den Einsatz von Wärmepumpen und Pelletheizungen. Beleuchtung und Beheizung sollen laut einer Sprecherin auf das zulässige Minimum reduziert werden. Zudem würden derzeit alle Anlagen überprüft und optimal eingestellt.

Ganz Schluss mit Warmwasser ist ab sofort bei der Stadt Konstanz. Weitere Maßnahmen sind laut einer Sprecherin etwa in Abhängigkeit der deutschen Gasspeicher geplant. Sollten die Speicher für den Winter nicht ausreichend gefüllt werden können, müssen das Thermalbad und die Sauna sowie das Hallenbad am Seerhein schließen, wie der Gemeinderat beschlossen habe. Zudem sollen die städtischen Heizungen in diesem Jahr erst ab Oktober Wärme spenden, in Schulen und Kitas bis maximal 19 Grad.

Einsparpotenzial sehen auch die vier christlichen Kirchen im Land und haben sich dazu bereits ausgetauscht, wie eine Sprecherin der Diözese Rottenburg-Stuttgart mitteilte. Bischof Gebhard Fürst rief die Verantwortlichen in den Kirchengemeinden dazu auf, sich aktiv auf die kommende Heizperiode vorzubereiten und zu planen, wie der Energieverbrauch gesenkt werden kann. »Für uns als Kirche ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns solidarisch in die gesamtgesellschaftlichen Bemühungen einbringen, Energie einzusparen, um die Versorgung von zentralen Bereichen der kritischen Infrastruktur mit Gas und anderer Energie zu gewährleisten«, teilte Bischof Fürst mit.

Die Erzdiözese Freiburg stellte den Kirchengemeinden am Montag eine Handreichung mit Tipps zum Energiesparen zur Verfügung. Darin wird etwa erklärt, wie sich die Heiztemperatur runterregeln lässt, ohne Frostschäden zu riskieren, und wie man Gottesdienstbesucher auf niedrige Temperaturen in den Kirchen vorbereiten kann.

Gottesdienst im Gemeindehaus

Bei der evangelischen Landeskirche in Baden wie auch in Württemberg sind sogenannte Winterkirchen geplant. Um Energie zu sparen, soll dazu der Gottesdienst im Gemeindehaus und nicht in der Kirche stattfinden. Die Kirche wird dann nicht oder nur grundbeheizt, wie die Landeskirche in Baden mitteilte. Zudem rät die württembergische Landeskirche, auch wieder verstärkt auf digitale Angebote etwa für Gottesdienste zurückzugreifen.

Hintergrund: Kirchen außen weniger beleuchten

Auch eine geringere Außenbeleuchtung der Kirchen soll beim Energiesparen helfen, wenn auch mit deutlich geringerem Einsparpotenzial. Die Landeskirchen möchten zudem längerfristige Maßnahmen wie die Sanierung von Gebäuden aufgrund der Gas-Krise nun noch stärker angehen. (dpa)

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