Stadt Wertheim bezuschusst erstmals die Tafelarbeit

Finanzausschuss stimmt für jährliche Förderung von knapp 8000 Euro

Wertheim
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Die Stadt Wertheim bezuschusst erstmals die Tafelarbeit der Diakonie in der Dr.-Hübsch-Straße mit jährlich 7950 Euro. Foto: Gunter Fritsch
Foto: Gunter Fritsch
Die Stadt Wert­heim wird sich in Zu­kunft auch fi­nan­zi­ell an der Ta­fel­ar­beit be­tei­li­gen. Der Fi­nanz­aus­schuss hat am Mon­tag ein­stim­mig ei­nem Zu­schuss von 7950 Eu­ro pro Jahr für den Wert­hei­mer Ta­fel­la­den zu­ge­stimmt.

Damit übernimmt die Kommune erstmals in der Geschichte des vom Diakonischen Werk im Main-Tauber-Kreis betriebenen Tafelladens einen Teil der Fix-Kosten.

Der Landkreis Main-Tauber übernimmt von dem von der Diakonie für Wertheim errechneten Finanzierungsbedarf von insgesamt 13.250 Euro jährlich 5300 Euro. Die Zuschüsse von Kommune und Landkreis sollen, so die Berechnungen der beiden Sozialverbände Diakonie und Caritas als Träger der vier Tafelläden im Landkreis, einen Teil der Kosten decken, die durch die Anmietung von Verkaufsräumen und den Transport von Waren entstehen. Die deutlich darüber hinaus gehenden Kosten für die Tafelarbeit wollen weiterhin aus den Erlösen von Fördervereinen, Spenden und Kirchensteuermitteln gedeckt werden.

 

Weniger Einnahmen

Die Lebensmittel der Tafelläden werden größtenteils gespendet. Für die Räume, die Fahrzeuge mit Kühlung und die eigentliche Organisation der Tafelarbeit entstehen erhebliche Kosten. Wobei die größte regelmäßige Einnahmequelle die Verkaufserlöse in den Tafelläden sind. Diese seien allerdings abhängig von den möglichen Öffnungszeiten, schreiben die beiden Sozialverbände in ihrem Positionspapier »Förderung der Tafelarbeit«. Weil die Tafelarbeit fast ausschließlich von älteren Ehrenamtlichen geleistet werde, habe es gerade zu Beginn der Corona-Pandemie einen großen Ausfall von Personal gegeben, erläuterte Diakonie-Geschäftsführer Wolfgang Pempe Gründe für das Defizit.

 

Die Tafelläden waren phasenweise ganz oder nur noch eingeschränkt geöffnet und verzeichneten teilweise gravierende Einbrüche bei ihren Erlösen. Bei den drei Tafeln des Diakonischen Werks - Wertheim, Lauda und Bad Mergentheim - betrugen diese Defizite in den vergangenen zwei Jahren deshalb jährlich zwischen 31.000 und 54.000 Euro. Allein der Tafelladen der Caritas in Tauberbischofsheim verzeichnete Defizite zwischen 17.000 und 37.000 Euro jährlich, bezifferte Pempe.

 

Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez machte am Montag deutlich, dass es die beste Lösung wäre, wenn es die Tafelarbeit gar nicht bräuchte. Menschen von ihrem Einkommen leben könnten. Weil dies aber nicht der Fall sei, Tafelarbeit »dringend notwendig« sei, zeigte sich Herrera Torrez dankbar für die hauptsächlich ehrenamtlich geleistete Arbeit im Tafelladen. Volker Klein, Leiter des Bürgerservicezentrums, verdeutlichte, dass es sich bei den Kunden im Tafelladen vor allem um Menschen handele, »die jeden Euro sparen« müssten. Im Bürgerservicezentrum werden nach Bedarfsprüfung die Berechtigungsscheine für einen Einkauf im Tafelladen ausgestellt.

 

40 bis 50 Einkäufer

Im Wertheimer Tafelladen kaufen pro Öffnungstag etwa 40 bis 50 Menschen ein, lauten die Zahlen der Stadtverwaltung. In der Summe profitieren so etwa 250 Erwachsene und 200 aus rund 180 Haushalten von dem Angebot. Dabei handelt es sich nicht nur Wertheimer. Auch eine geringe Zahl Berechtigter aus Külsheim oder Freudenberg - Volker Klein schätzte ihre Zahl auf etwa 15 - sei ebenfalls Kunde der Wertheimer Tafel, beantwortete er eine Anfrage von Manfred Busch (Freie Bürger), ob sich die Nachbarkommunen nicht auch an der Tafelarbeit finanzielle beteiligten könnten. Diakonie-Geschäftsführer Wolfgang Pempe erinnerte daran, dass sich die beiden Wohlfahrtsverbände und das DRK darauf verständigt haben, dass mit den Berechtigungsscheinen ein Einkauf in allen Tafelläden und den Kleiderkammern des Roten Kreuzes möglich sei. In Lauda haben sich die Nachbargemeinden zudem darauf verständigt, einen finanziellen Beitrag zur Tafelarbeit zu leisten, berichtete er.

 

Auf die Frage von Johann Vogeltanz (Freie Bürger), wie sich der Zuschussbedarf von 7950 Euro für die Stadt Wertheim errechne, verwies der Diakonie-Geschäftsführer darauf, dass die Zuschüsse sich ausschließlich an den Fixkosten der Tafelläden für Miete und Mietnebenkosten orientierten. Diese betrügen für alle Tafeln im Landkreis 48.000 Euro jährlich. »80 Prozent dieser Kosten haben wir als Zuschüsse der Kommunen und des Landkreises angesetzt«, schlüsselte Pempe auf. Kosten für Fahrzeuge, Transport und Personal seien in den Zuschüssen nicht einkalkuliert.

 

Den Vorschlag von Marlise Teicke (Grüne), am Eingang der Wertheimer Tafel eine Unterstellmöglichkeit für Wartende zu schaffen, will Pempe aufgreifen. Die Corona-Pandemie sorge dafür, dass nur noch eine begrenzte Zahl von Personen sich gleichzeitig im Tafelladen aufhalten dürfe, ein Warten im Vorraum sei derzeit auch nicht möglich.

 
Hintergrund: Tafelladen Wertheim

Der Tafelladen Wertheim besteht seit 2006 und wird von der Diakonie im Main-Tauber-Kreis betrieben. Er ist montags, mittwochs und freitags jeweils von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Pro Öffnungstag kaufen etwa 40 bis 50 Menschen vor allem aus Wertheim ein. Die ehrenamtlich Beschäftigten arbeiten in der Wertheimer Einrichtung etwa 7500 Stunden jährlich. Finanziert wird die Tafelarbeit vor allem über die Verkäufe von Lebensmitteln, aber auch über Spenden, die die Fördervereine einwerben. In der Pandemie sei es allerdings deutlich schwieriger geworden, Spenden einzuwerben, sagte Diakonie-Geschäftsführer Wolfgang Pempe am Montag im Finanzausschuss. Eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt Wertheim gab es in der Vergangenheit nicht, die Stadt Bad Mergentheim zahlte bereits 2500 Euro jährlich. Die Stadt Tauberbischofsheim zahlte bislang keine Zuschüsse, unterstützte aber einzelne Projekte finanziell. Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim planen, Zuschüsse in Höhe von 5790 beziehungsweise 5530 Euro zu leisten. Lauda will statt des von der Diakonie gewünschten Zuschusses in Höhe von 4030 Euro jährlich nur 3000 Euro gewähren, heißt es in der Verwaltungsvorlage. (gufi)

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