So reagieren die Menschen im Raum Wertheim auf die Ukraine-Krise

Besondere Sorge um das Wohl der betroffenen Kinder

Kreuzwertheim
4 Min.

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Der plötz­li­che Krieg in der Ukrai­ne hat die Men­schen aus der Re­gi­on Wert­heim scho­ckiert. Sie sor­gen sich um die Men­schen in der Ukrai­ne, fra­gen sich, wie sich der Kon­f­likt wei­ter ent­wi­ckeln wird und wel­che Fol­gen er für ihr ei­ge­nes Le­ben hier in Deut­sch­land ha­ben kann. Un­ser Me­di­en­haus hat sie nach ih­rer Ein­schät­zung ge­fragt..

Fritz Ulshöfer
Foto: Birger-Daniel Grein

Fritz Ulshöfer aus Wertheim-Mondfeld setzt sich schon seit Jahrzehnten für den Frieden ein. Die Ukrainekrise sei ein Zeichen der Großmachtsucht von Putin, stellt er fest. »Der Krieg in der Ukraine macht mir Angst, weil ich fürchte, dass die Eskalation weiter geht.« Die absolut falsche Antwort anderer Länder sei es jetzt, aufzurüsten. Die 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr sind für ihn ein absolut falsches Signal. Das Geld sei in anderen Bereichen sinnvoller einzusetzen. »Wir müssen ohne Waffen Frieden schaffen!« Dazu sei es wichtig aufeinander zuzugehen und sich zu verstehen. Sorgen machten ihm auch die aktuellen »Kriegsspiele« in Deutschland, wie er die Übungen nennt. Jedes Kriegsopfer sei bedauerlich egal wo auf der Welt. »Es sind alles Menschen, denen man es antut.« Er spende jedes Jahr an verschiedene Organisationen für Flüchtlingshilfe und Kriegsopferhilfe.

Die steigenden Energiepreise beschäftigen ihn eher wenig. Er habe schon lange, aus ökologischen Gründen, eine thermische Solaranlage und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Letztere soll in naher Zukunft mit Speicher und einer Ladebox für das E-Auto ergänzt werden. Zudem habe er eine Holzheizung.

Christiane Bauer
Foto: Birger-Daniel Grein

Christiane Bauer aus Wertheim-Hofgarten findet furchtbar was in der Ukraine passiert. Krieg wolle keiner. Man müsse Putin alle wirtschaftlichen Einschränkungen, die möglich sind, entgegenstellen, auch wenn sich das negativ auf uns in Deutschland auswirke. Sie hofft, dass der Krieg nicht weiter eskaliert. Sorgen macht sie sich über mögliche Folgen bei einem Angriff auf ein Atomkraftwerk in der Ukraine. Sie denkt aber auch an die Kriegsgegner in Russland. »Dort herrscht ein hohes Risiko als Gegner etwas zu sagen.« Eine ihrer Töchter habe bei der Mahnaktion gegen den Krieg auf dem Wertheimer Marktplatz eine Rede gehalten. »Wenn Wohnraum für Menschen aus der Ukraine gebraucht wird, sind wir bereit welchen bereitzustellen«, erklärt sie abschließend.

Andreas Schmidt
Foto: Birger-Daniel Grein

Andreas Schmidt aus Kreuzwertheim macht sich Gedanken, wie es weitergeht. »Was macht Putin, wenn er durch die Ukraine durch ist?« Er habe bereits Geld und Sachspenden an eine regionale Hilfsaktion für die Ukraine gegeben. »Ich finde die Bereitschaft der Bürger Europas enorm und kann dieses Engagement nur unterstützen.« Hinsichtlich der wirtschaftlichen Sanktionen bemerkt er, es sei grotesk Blockaden gegen Russland zu beschließen und dennoch Gas von dort abzunehmen. Eine Lösung für eine Ersatzversorgung sei nicht einfach aber konsequent. »Sieht man die aktuellen Benzinpreise überlegt man weniger mit dem Auto zu fahren und mehr das Rad zu nutzen«, verweist er auf persönliche Auswirkungen der Krise.

Klaus Böxler
Foto: Birger-Daniel Grein

Klaus Böxler aus Freudenberg-Boxtal, beschäftigt das Leid der betroffenen Menschen. Sorge macht ihm die Unberechenbarkeit der weiteren Entwicklung und wie sich diese auf uns auswirke. »Wer hätte gedacht, dass in Europa in Krieg ausbricht?« Die Folgen spüre man auch wirtschaftlich, zum Beispiel am massiv gestiegenen Dieselpreis. Er hofft, dass die Regierung hier regulierend eingreift, indem temporär Abgaben gesenkt werden. »Man versucht, die Fahrten aufs nötigste zu reduzieren«, berichtet er. Er habe bereits für ein bekanntes deutsches Hilfsprojekt für die Ukraine gespendet. »Ich denke darüber nach, wie es einem selbst in einer Situation wie in der Ukraine gehen würde.« Das Leid der Kinder trifft ihn. »Sie wurden vom Vater oder sogar beiden Eltern getrennt.« Er versuche diese Kinder zu unterstützen. »Auch direkt hier bei uns.«

Uwe Heid
Foto: Birger-Daniel Grein

Uwe Heid aus Wertheim-Kembach ist vom Krieg in der Ukraine und dem Leid der Menschen dort geschockt. Er hätte nie damit gerechnet, dass es wieder einen Krieg in Europa gibt. Eine kriegerische Intervention der NATO wäre ein falscher Weg, betont er. Die wirtschaftlichen Sanktionen seien richtig, auch wenn die Auswirkungen die Menschen bei uns treffe. Eine große Gefahr sieht er in Cyberangriffen auf die Infrastruktur. Hinsichtlich der gestiegenen Benzinpreise meinte er, man versuche weniger zu fahren und Fahrten zu verbinden. Zum Anlass ihrer Geburtstage haben er und seine Frau um Spenden statt Geschenke gebeten. Er spendete das Geld für ein Ukrainehilfsprojekt von »Ärzte ohne Grenzen«, da er diese Organisation schon länger unterstützt.

Drei Fragen an... Nadine Schmid: Ab dem ersten Tag ein Recht auf Schulbesuch

Nadine Schmid leitet die Vorbereitungsklasse an der Comenius Realschule Wertheim. Sie ist zudem Mitglied im Arbeitskreis Migration des staatlichen Schulamts Künzelsau und Fortbildnerin zur Thematik Vorbereitungsklasse beim Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Baden-Württemberg. Unser Mitarbeiter Birger-Daniel Grein hat mit ihr über die Aufnahme ukrainischer Kinder in die Schule gesprochen.

An diesem Samstag um 20 Uhr geht es in den Aula Alte Steige um den Taubertaler-Kabarettpreis "Wertheimer Affe", wie die Vorstandsmitglieder Nadine Schmid und Walter Hörnig im Gespräch mit unserem Medienhaus berichteten.
Foto: Peter Riffenach

Sollten Kinder, die aus der Ukraine nach Deutschland kommen zeitnah in die Schule aufgenommen werden?

Die Schulpflicht für solche Kinder gilt erst nach sechs Monaten Aufenthalt in Deutschland. Sie haben aber bereits ab dem ersten Tag ein Recht auf Schulbesuch. Bei uns an der Realschule sind sie auch ab Tag Eins Willkommen. Es ist wichtig, den Kindern schnell Integrationsmöglichkeiten und einen geregelten Alltag zu bieten. Sie kommen mit Gleichaltrigen in Kontakt und machen Aktivitäten, die sie von Zuhause kennen. Zudem gibt es in der Schule pädagogisches Fachpersonal, wie Schulsozialarbeiter, die dazu ausgebildet sind, die Kinder zu unterstützen.

Was werden die größten Herausforderungen bei der Integration der Kinder?

Meine bisherigen Erfahrungen mit Kindern aus Kriegsgebieten zeigen, dass die Auswirkung des Erlebten bei jedem Kind anders sind. Die Einschulung in Deutschland wirkt für die ukrainischen Kinder wie etwas Endgültiges. Das vermittelt ihnen das Gefühl, dass eine schnelle Rückkehr in die Heimat wohl nicht möglich sein wird. Ungewissheit gibt es auch bei der Reaktion der Mitschülerinnen und Mitschüler, wenn sie auf Kinder treffen, deren Schicksal sie aus dem Fernsehen kennen. Es könnte zu übertriebener Neugier kommen, die nicht böse gemeint ist, vor denen man die Kinder aber dennoch schützen muss. Im Hinblick auf die Sprache ist hilfreich, dass viele ukrainische Kinder Russisch sprechen, so gibt es in den Schulen viele die übersetzen können. Zudem wirkt die russische Sprache als Bindeglied zwischen russisch- und ukrainisch-stämmigen Kindern.

Wie kann die Integration in die Schule aussehen?

Die Kinder besuchen die Hälfte der Zeit eine Vorbereitungsklasse, die anderen Stunden verbringen sie in einer Klasse, die ihrer Altersstufe entspricht. Angefangen wird in der Klasse ihrer Altersgruppe in Fächern wie Mathematik, Sport, Musik und Kunst.

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