Selbstlos Schlimmeres verhindert

Zivilcourage: Preisträger haben »hingesehen statt weggeschaut« - Auch Wilfried Kniza aus Wertheim half

Main-Tauber-Kreis
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Zivilcouragepreisverleihung: Theater-AG des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums
Foto: Peter Riffenach
Wilfried Kniza (3.v.l.) aus Wertheim war einer der Preisträger des Zivilcouragepreises. Das Bild zeigt ihn zusammen mit Sponsoren, Paten und Vertreter der Stadt sowie des Fördervereins.
Foto: Peter Riffenach
So lautete die Polizeimeldung.
Foto: wer
Er ist Po­li­zei­beam­ten zu Hil­fe ge­eilt, die ei­ne ra­bia­te und ge­walt­tä­ti­ge La­den­die­bin fest­neh­men woll­ten, und da­bei selbst ver­letzt wor­den: Für sei­ne Zi­vil­cou­ra­ge wur­de der Wert­hei­mer Wil­fried Kni­za nun mit dem Zi­vil­cou­ra­ge­preis des Ak­ti­ons­k­rei­ses Sucht- und Ge­walt­präv­en­ti­on so­wie Ge­sund­heits­för­de­rung im Main-Tau­ber-Kreis (AkS) aus­ge­zeich­net.
Der Vorfall hatte sich im September vergangenen Jahres in Bestenheid ereignet. Eine Ladendiebin war in einem Lebensmittelgeschäft im Zieglerweg erwischt worden, konnte aber nicht aufgehalten werden. Als die Beamten die Diebin im »Haslocher Weg« stoppen wollten, wehrte sie sich sofort massiv. »Ein mitgeführtes Radio setzte sie dabei als Schlagwerkzeug ein«, hieß es damals im Polizeibericht.
Überdies ließ »selbst der Einsatz von Pfefferspray die Frau unbeeindruckt«. Gemeinsam mit Beamten einer weiteren Streifenbesatzung und einem helfenden Hausbewohner überwältigten die Polizisten die Frau schließlich. Nach einer späteren ärztlichen Untersuchung kam die Frau, die den Helfer Wilfried Kniza blutig gebissen hatte, in die Psychiatrie.
Die Idee, eine Auszeichnung für Zivilcourage zu vergeben, sei beim Landkreis auf fruchtbaren Boden gefallen, sagte Landrat Reinhard Frank bei der Verleihung im Sitzungssaal des Landratsamtes. Er lobte den Vizepräsidenten der Polizeidirektion Heilbronn Hans Becker, der im AkS den Vorschlag dazu gemacht hatte.
Sechs Preisträger
Außer Wilfried Kniza aus Wertheim wurden Karlheinz Sack aus Lauda, Leonardo Maglia und Ansgar Timm aus Lauda sowie Eugen Frank aus Vorbachzimmern geehrt. Ein weiterer Preisträger wollte namentlich nicht genannt werden. Sie hätten hingesehen statt weggeschaut, eingegriffen und Hilfe geleistet statt weiterzugehen und damit seien sie Vorbilder für andere, lobten die Redner die Preisträger unisono.
»Unsere Gesellschaft braucht Vorbilder wie Sie«, sagte der Landrat angesichts ständig wiederkehrender Meldungen, dass Hilfskräfte behindert, beschimpft und sogar verletzt werden. Bei dem Motto »Hinschauen anstatt wegschauen« gehe es nicht um falsch verstandenes Heldentum, stellte der Vorsitzende des AkS-Fördervereins, der Bundestagsabgeordnete Alois Gerig klar. »Es geht darum, mit wachen Augen durch den Alltag zu gehen und zu reagieren, wenn man etwas bemerkt«, sagte er und war damit einer Meinung mit Polizeivizepräsident Hans Becker, der in seiner Ansprache Beispiele aus der täglichen Praxis beisteuerte.
Schlimmeres verhindert
Die Ehrung moderierte Sozialdezernentin Elisabeth Krug, die hervorhob, dass die Preisträger mutig und selbstlos Schlimmeres verhindert hätten. Wie man den Ausgang einer Geschichte durch beherztes Eingreifen verändern kann, zeigte die Aufführung der Theater-AG des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums. Die Schüler führten einige Szenen aus dem Stück »Romeo und Julia« mit überraschendem Ausgang vor. Wie wäre das Drama verlaufen, wenn Romeos Cousin Benvolio eingegriffen und verhindert hätte, dass er Tybalt ersticht? Hätte er damit die Spirale von Gewalt und Mord durchbrochen und ein Happy End ermöglicht?
Peter Riffenach
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