»Schreib was Fröhliches«

Von Gusti Kirchhoff

2 Min.

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Sch­reib was Fröh­li­ches«, sag­te mei­ne Toch­ter, als sie mich vor dem Com­pu­ter sit­zen sah. Na, das dürf­te wohl kein Pro­b­lem sein an ei­nem solch per­fek­ten Tag im No­vem­ber. Mor­gens ein bis­schen Haus­ar­beit, nichts ver­säumt, weil drau­ßen noch di­cker Ne­bel ist, aber dann ge­gen Mit­tag Son­nen­schein pur.

Das Thermometer zeigt 17 Grad im Schatten, nichts wie raus.

Saftig grüne Wiesen

Dann dieser Spaziergang am Main entlang. Die Bäume spiegeln sich im Wasser, die vor Kurzem noch total verdorrten Wiesen sind saftig grün. Blauer Himmel, soweit das Auge reicht. Ein Hauch von Frühling? Mir ist viel zu heiß in der warmen Jacke. Spaziergänger kommen mir entgegen im T-Shirt.

Eine Frau überholt mich rasant mit ihren Walkingstöcken, die kaum den Boden berühren. Ich stütze mich auf meine Stöcke und schaue ihr nach. Klar, so war das eigentlich gedacht, aber es geht auch in der langsamen Variante.

Wer hebt mich auf?

Mein Ziel ist der ehemalige Fährplatz. Dort wo die kleinen Bänke stehen, will ich mir eine Pause gönnen und den Blick auf die Burg genießen. Leider hatten mehrere Menschen wohl die gleiche Idee, ich sehe schon von Weitem, dass alle Bänke besetzt sind. Wie sagte doch Gorbatschow: »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!«

Zwei Fahrräder liegen am Wegesrand und die zwei jungen Leute sitzen daneben im Gras. Eine Portion Mitleid bitte: Lang ist's her, das sollte man halt noch können. Ganz einfach ins Gras setzen ginge wahrscheinlich noch, aber wer hebt mich danach auf?

»Dame« und »Mühle«

Kein Grund, nicht fröhlich zu sein. Ein geschenkter Tag, bevor es vielleicht bald Winter wird. Auch kein Grund zur Traurigkeit. Wegen Corona haben wir plötzlich viel mehr Zeit. Ich habe doch tatsächlich mehrere alte Spiele vom Speicher geholt und damit schon einige spannende Nachmittage und Abende erlebt, an denen wir gar nicht mehr aufhören wollten zu spielen. Wissen Sie noch, wie spannend »Dame« und auf der Rückseite des Spiels »Mühle« war?

Schachspielender Onkel

Ewig nicht mehr gespielt, es erinnerte mich daran, dass mich meine Mutter bei »Mühle« fast immer besiegt hatte. Ich denke nicht, dass wir noch viele andere Spiele hatten, außer Schach, aber das spielte eigentlich nur mein Onkel, der oben im Haus wohnte, mit seinem Partner, dem Pfarrer Deppisch. Ich durfte zusehen und als ich fragte, ob ich da auch mal mitspielen darf, fragte mich der »Herr Pfarrer« (auf das »Herr« legte mein Vater großen Wert), welche Note ich in Mathematik habe. An seinem mitleidigen Blick erkannte ich, dass es ihm zufolge wohl nichts werde mit dem Schachspiel.

»Mensch ärgere dich nicht«

Sehr wohl aber kann ich mich an »Mensch ärgere dich nicht« erinnern. Ich war wohl als Kind eine schlechte Verliererin und hatte eines Tages beim Spiel mit den Freundinnen, als ich ewig keine »Sechs« gewürfelt hatte und dann endlich kurz vor dem Ziel mal wieder rausgeschmissen wurde, vor lauter Zorn mit dem Ärmel das ganze Spiel vom Tisch gefegt! Die Strafe war eine Woche lang kein Spiel mit den Freundinnen.

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