Schäden gehen in die Millionen

Hochwasser: Auf Wertheim kommt Kostenflut zu - Versicherungen zahlen nicht alles - Firmeneigner unter Druck

Wertheim
2 Min.

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Als sich am Freitag das Mittwochs-Hochwasser aus der Wertheimer Altstadt zurückgezogen hatte, ist das vorläufige Ausmaß der Zerstörung offenbar geworden. Besonders bitter für Stadtverwaltung und betroffene Anwohner: Die Versicherungen zahlen entweder nicht oder verlangen so hohe Prämien und Eigenbeteiligungen, dass sich eine Police kaum rechnet. So bleiben viele auf den Kosten der Flut sitzen.
Laden für acht Tage geschlossen
Zu den Altstädtern, die um so tiefer in die Tasche greifen müssen, je höher der Pegel steigt, zählt Thomas Wettengel: Sein Friseursalon liegt direkt an der Tauber. Acht Tage musste der Laden wegen der Flut diesmal geschlossen bleiben. Mit bis zu sieben Helfern war Wettengel den ganzen Donnerstag im Einsatz, am Freitag lief der Betrieb wieder an - allerdings langsam, denn die Stammkundschaft rekrutiert sich zum Großteil aus Altstadtbewohnern, die im Moment selbst mit dem Hochwasser beschäftigt sind und keine Zeit für Friseurtermine haben. Auf dem Verdienstausfall bleibt Wettengel sitzen. Es gebe zwar Versicherungen dagegen, deren Beiträge seien aber »völlig utopisch«. Dazu komme die Eigenbeteiligung für Hochwasserschäden. Hierfür veranschlagt der Friseurmeister zwischen 5000 und 15 000 Euro - damit würde er vergleichsweise glimpflich davon kommen: In Wertheim gebe es Betriebe, bei denen das Hochwasser ein Loch von 50 000 Euro in die Kasse gerissen habe, sagt der Saloninhaber - und ergänzt: »Es sind einige Geschäfte in der Stadt, bei denen wird es eng.« Deren Besitzer hätten schon Tränen in den Augen, wenn das Hochwasser zur Sprache komme. »Das kann man durch einen verkaufsoffenen Sonntag nicht aufholen«, kommentiert Wettengel, der auch Vorsitzender der Wertheimer Bürgergemeinschaft Hochwasser ist.

Eigenanteil oft exorbitant hoch
Die Flut ist auch für die Wertheimer Stadtverwaltung ein Kostenfaktor: »Wenn die Brühe weg ist, ist einiges zu tun«, sagte Bürgermeister Wolfgang Stein am Freitag. Auf Anfrage der Redaktion schätzte er, dass bislang circa eine Million Euro zu Buche stehen. Etwa ein Drittel davon seien Kosten für den Einsatz von Bauhof und Hilfsorganisationen. Zwei Drittel entfielen auf Schäden an öffentlichen Einrichtungen wie Spiel- und Sportplätzen, dem Pflaster der Altstadt und dem Freibad. Die Million sei aber allenfalls eine erste Schätzung, sagte der Bürgermeister.

Wer zahlt für die Schäden? »Eine schwierige Frage«, sagte Stein. Eine Gebäudeversicherung gegen Hochwasser sei zwar möglich, habe aber einen »exorbitant hohen« Eigenanteil und ebensolche Prämien. Für die Schäden und die Einsatzkosten müsse also zunächst einmal die Stadt aufkommen. Die Verwaltung sei aber mit der Landesregierung »im Gespräch«, sagte Stein. Beim letzten größeren Hochwasser, im Jahr 2003, habe die Stadt mit der Sparkassen-Versicherung die Schäden an den Wertheimer Privathäusern zusammengerechnet: Vier Millionen Euro seien es gewesen.

»Es ist ein Problem, weil das wiederkehrende Aufwendungen sind«, sagte der Bürgermeister - salopp ausgedrückt heißt das: Die nächsten Hochwasser an Main und Tauber kommen bestimmt. Und da hilft den Bewohnern der Wertheimer Altstadt wohl wieder nur eine ganz große Portion Gleichmut. Daniel Gehret
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