Probleme für Burgen und Schlösser

Corona: Wie bringt man ein altes Gemäuer durch die Krise, wenn Einnahmen fehlen?

STUTTGART/MEERSBURG
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Auch die Burg Meersburg ist von der Corona-Krise betroffen. Foto: Felix Kästle
Foto: Felix Kästle

Eigentlich ist die Meersburg am Bodensee um diese Jahreszeit schon gut besucht. Zahlreiche Touristen kommen von Frühling bis Herbst in die älteste noch bewohnte Burg Deutschlands. Doch in diesem Jahr ist alles anders: »Wir befinden uns in einer nie zuvor da gewesenen Situation - ohne Besucher, ohne lebhafte Veranstaltungen, ohne jegliche Einkünfte«, sagt die Burgherrin Julia Naeßl-Doms.

Wegen der Corona-Pandemie mussten Mitte März das Museum, das Café und die zugehörigen Geschäfte schließen. »Seit über 40 Jahren hat die Burg ganzjährig, täglich, durchgehend geöffnet. Wir empfinden die Lage als ungewiss und existenzbedrohend.«

Die Burg Meersburg, deren Gründung nach alter Überlieferung im siebten Jahrhundert liegen soll, befindet sich heute in Privatbesitz. »Alle Instandhaltungsmaßnahmen werden zum größten Teil durch die Einnahmen des Betriebes finanziert«, sagt Naeßl-Doms.

»Nach den langen und ruhigen Wintermonaten wären wir auf die Einnahmen aus dem Saisonstart und dem Ostergeschäft angewiesen.« Die Schließung komme für die Burg zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. »Da die ganze Saison nur circa sieben Monate dauert, werden wir durch die ausgebliebenen Einnahmen des Ostergeschäfts ungefähr 20 bis 25 Prozent unseres Jahresumsatzes verloren haben.«

Hinzu kommt: Der Erhalt des Unternehmens mit dem denkmalgeschützten Gebäude muss auch ohne Einnahmen weiterlaufen - und das ist teuer. Konkrete Zahlen nennt Naeßl-Doms nicht. Andere Besitzer von Burgen oder Schlössern im Südwesten dagegen schon: So muss beispielsweise das Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar (Kreis Rottweil) bei einer Schließung bis Mitte Mai einen Umsatzverlust von 570 000 Euro verschmerzen, teilte der kaufmännische Leiter des Hauses, Lothar Hölzle, mit. Die Burg Katzenstein im Kreis Heidenheim rechnet mit einem Verlust von 130 000 für März bis Mai, das Hohenzollernschloss in Sigmaringen mit Kosten von rund 500 000 Euro bis Ende Juni.

Kommt ein Dominoeffekt?

Der Verein Schlösser, Burgen, Gärten Baden-Württemberg fürchtet einen Dominoeffekt, der in Gang gesetzt wurde. »Den Betreibern der Burgen - Privatleute, Kommunen und staatliche Einrichtungen - fehlen Beträge, die zusammengenommen mehrere Millionen ausmachen«, teilte er kürzlich mit. Damit seien vor allem auch im strukturschwachen ländlichen Raum Arbeitsplätze gesichert und die Sehenswürdigkeiten erhalten worden.

Zudem könnten Gastronomen und Pächter von Museumsshops ihre Angestellten nicht mehr bezahlen, Konzerte und Theaterstücke müssten abgesagt werden, die Künstler stünden vor dem Nichts. »Rechnungen an Zulieferer und Handwerker, Beherbergungsagenturen, Versicherungen, Wach- und Schließgesellschaften und viele mehr können nicht oder nur unter großer Anstrengung beglichen werden«, hieß es bei dem Verein.

Lockerungen als Chance

Sollten einige Unternehmen die Krise nicht überstehen, würde das der Vielfalt im Tourismus in Baden Württemberg aus Sicht des Vereins schweren Schaden zufügen. »Bei Umfragen zu touristischen Lieblingsthemen tauchen die Schlösser, Burgen, Klöster und herrschaftlichen Gärten regelmäßig unter den ersten zehn Nennungen auf«, sagte der Vorsitzende des Vereins, Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, laut Mitteilung.

Ähnlich argumentiert das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. »Schlösser und Burgen sind ein wertvoller Bestandteil unseres kulturellen Erbes«, sagt eine Sprecherin. In den kommenden Monaten müsse es deshalb Ziel sein, wieder Einnahmen generieren zu können. Die schrittweisen Lockerungen der Beschränkungen könnten dabei eine Chance sein. »Für viele Bürger und ihre Familien wird es in diesem Jahr darum gehen, Alternativen zu bisher geplanten Reisezielen zu finden. Die Burgen und Schlösser in Baden-Württemberg bergen ein großes touristisches Potenzial.«

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