Einfach »nur« alt

Von Gusti Kirchhoff

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Fast hät­te ich es über­le­sen, die­ses Wort: »Hoch­be­tagt«! Geht mich ja nichts an, hat doch nichts mit mir zu tun, dach­te ich im ers­ten Mo­ment! Doch, hat es. Hoch­be­tag­te sind al­te Leu­te, gut, ha­be ich ver­stan­den. Darf man et­wa »al­te Leu­te« auch nicht mehr sa­gen? Ist das dis­kri­mi­nie­rend?

Ich habe eine Weile gebraucht, bis mir klar wurde, gemeint bin unter anderem auch ich! Also ich bin ich hochbetagt. Ist das nun ein Kompliment? Seit wann gebraucht man dieses Wort?

Ab dritter Corona-Impfung

Mir ist es erstmals aufgefallen im Zusammenhang mit der dritten Corona-Impfung, die wahrscheinlich im Herbst, zunächst bevorzugt für »Hochbetagte« auf uns zukommt. Warum trifft mich dieses Wort so? Ich habe doch sonst keine Schwierigkeiten mit dem Alter, ich bin »nur« alt!

Zudem auch sehr zufrieden damit. Mit den Einschränkungen, die das »Alter« mit sich bringt, kann ich leben. Ab wann ist man hochbetagt? Ab achtzig etwa? Ich erinnere mich an meinen 80. Geburtstag, war ich da schon hochbetagt? Heute, kurz vor dem 86. Geburtstag, scheint es mir, als wäre ich »damals« noch ganz jung gewesen. Es ist eben alles relativ. 86, na und?

Es gibt ein neues Buch von Marianne Koch mit dem Titel: »Alt werde ich später«! Sehr sympathisch. Kommt mir entgegen. Es gibt noch so viel zu tun. So viele Bücher sind noch zu lesen, so viele Freunde will ich noch treffen (sofern Corona es zulässt, das hätten wir ja wirklich nicht mehr gebraucht). Und vor allem sind da noch meine Urenkel.

Selbstbewusst mit 96

Schön wäre es doch, wenn ich sie noch ein Weilchen aufwachsen und auf ihrem Weg begleiten könnte. Es gibt ja Hoffnung. Ich habe diese Woche im Fernsehen eine 96-jährige Dame gesehen, die mich sehr beeindruckt hat. Selbstbewusst und lächelnd kam sie mit dem Rollator ins Studio. Schnell und blitzgescheit antwortete sie auf Fragen des Moderators oft mit einem Augenzwinkern - herrlich. Geht doch.

Was mir auffällt an diesem neuen Wort, ist, dass nur von einer offensichtlich hohen Zahl von Tagen die Rede ist. Immerhin gibt es doch da dann auch eine hohe Zahl an »Hoch-Nächten«.

Und die waren doch tatsächlich auch bemerkenswert. Wundervolle heiße Nächte, durchtanzt und gefeiert, gesungen und die Welt verbessert. Es hat sie mal gegeben, ich kann mich tatsächlich daran erinnern. Heute sind für uns Hochbetagte Nächte zum Ausruhen da - auch gut. Alles hat seine Zeit.

So grüße ich heute alle meine »hochbetagten« Freunde und (-innen muss es ja jetzt heißen in der Gendersprache). Ich hoffe, dass wir uns noch eine Weile, auch wenn wir immer hochbetagter werden, treffen können.

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