Wertheimer Pflegefachkräfte: Drei Azubis über Motivation und schöne Momente

Ständig herausgefordert

Wertheim
3 Min.

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Die Corona-Pandemie hat die Pläne der Wertheimer Rotkreuzklinik, in die Gewinnzone zu kommen, gehörig durcheinander gewirbelt. Bildunterschrift 2021-10-07 --> Die Corona-Pandemie hat die Pläne der Wertheimer Rotkreuzklinik, in die Gewinnzone zu kommen, gehörig durcheinander gewirbelt. Foto: Matthias Schätte
Foto: Matthias Schätte
In der öffentlichen Diskussion wird vor allem über die Belastung der Pflegefachkräfte gesprochen. Der Beruf hat aber auch sehr viele schöne Seiten. Unser Medienhaus hat mit drei Schülern der Berufsfachschule für Pflege am Rotkreuzklinikum Wertheim darüber gesprochen, warum sie sich für eine Ausbildung in der Pflege entschieden haben und wie sie ihren Alltag in der Pandemiezeit erleben. Sie alle absolvieren eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege.
»Ein einfaches Danke ist Gold wert«
Lea Dippner (19) aus Triefenstein.
Foto: Birger-Daniel Grein

Lea Dippner, 19 Jahre alt aus Triefenstein, ist im dritten Lehrjahr. Sie interessierte sich bereits mit zwölf Jahren für Medizin. »Geweckt wurde mein Interesse durch TV-Serien.« Nach ihrem qualifizierenden Hauptschulabschluss war sie an der zweijährigen Berufsfachschule für Pflege am Beruflichen Schulzentrum Wertheim (BSZ). »Der Schwerpunkt gefiel mir, daher entschied ich, Pflegefachkraft zu werden.«

Ihr gefalle es, mit Menschen zu sprechen, und ihr mache ihre Arbeit Spaß, »deswegen bleibe ich auch in aktuellen, schwierigen Zeiten dran.« Sie freue sich, Menschen zu helfen und zu sehen, wie sie sich über Hilfe freuten. »Ein einfaches Danke ist Gold wert«, meint sie. An schweren Tagen sagten ihr manche Patienten auch aufmunternde Worte. »Vor allem die älteren Herrschaften spüren, dass es einem nicht so gut geht, ?auch wenn man es nicht zeigt. Wenn ich ein Lob von meinen Patienten erhalte, motiviert mich das für meine weitere Arbeit«, schwärmt die 19-Jährige.

Nach ihrer Ausbildung möchte sie sich gerne im Bereich der Notfallmedizin und Intensivpflege weiter qualifizieren. »Mich reizt die Vielfalt der Fachgebiete in der Notaufnahme und der Intensivstation. Außerdem arbeite ich gut unter Stress und mag die Herausforderung der Verantwortung«, erklärt sie ihre Motivation.

»Es ist wie eine kleine Familie«
Emil Schultheiss (20) aus Wertheim.
Foto: Birger-Daniel Grein

Emil Schultheiss, 20 Jahre aus Wertheim, steht ebenfalls im dritten Lehrjahr. Nach seinem Realschulabschluss wollte er zur Bundeswehr. »Doch meine Eltern sagten, ich soll vorher noch etwas anderes machen.« So absolvierte er in der Rotkreuzklinik Wertheim ein Freiwilliges Soziales Jahr. »Dabei merkte ich, die Pflege ist ein Beruf für mich«, erinnert er. Deshalb bewarb er sich für die Ausbildung.

»In unserer Klinik kennen sich alle Kollegen, und es ist wie in einer kleinen Familie.« Durch Corona und die zunehmende Bürokratie werde der Beruf stressiger. »Aber es ist schön, mit den Patienten zu arbeiten«, schwärmt der 20-Jährige.

Am Anfang habe er sich noch über den Applaus der Gesellschaft gefreut, »inzwischen finde ich ihn anstrengend, da sich sonst keine positiven Veränderungen für unsere Situation ergeben haben«, erzählt er weiter. Die Probleme würden nicht richtig angegangen. »Dennoch mag ich meinen Beruf, denn es gibt keinen anderen Beruf, bei dem man so viel von anderen Menschen lernen kann.« Höre man zum Beispiel die Geschichten, die ältere Patienten erzählten, sei es, als ob man sich mit den Großeltern unterhalte. »Außerdem bin ich durch den Beruf auch im privaten Leben offener geworden«, bilanziert er. Wenn er sehe, wie glücklich die Menschen über die Hilfe sind, mache es ihn selbst glücklich. »Das ist viel mehr wert als alles andere. Schön ist es auch, dass sich junge Patienten selbst für den Pflegeberuf begeistern lassen«, freut er sich. Nach der Ausbildung möchte er gerne die Fachweiterbildung zur Intensiv- und Anästhesiepflege machen. »Vielleicht studiere ich später auch Medizin«, lässt er seine Zukunft offen.

»Aufgeben kommt nicht in Frage«
Bianca Teutsch (19) aus Wertheim-Bestenheid.
Foto: Birger-Daniel Grein

Bianca Teutsch, 19 Jahre aus Bestenheid, ist ebenso im dritten Lehrjahr. Sie war als Sechsjährige als Patientin im Krankenhaus. »Da bewunderte ich die Arbeit von Ärzten und Pflegefachkräften und sagte mir, so etwas will ich später auch machen.« 

Nach ihrem Realschulabschluss hatte sie sich dann auch für die Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin entschieden. »Man lernt in der Ausbildung auch vieles für das eigene Leben und bekommt Fachwissen auch für die eigene Gesundheit«, berichtet sie. Ihr Beruf sei abwechslungsreich, vielseitig und sicher.

»Es ist für mich ein Beruf fürs Leben. Der Beruf bietet uns viele Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung«, weiß sie. Egal, ob es wirtschaftliche, ökologische Krisen und Epidemien gibt, ihr Beruf sei krisensicher und von Hilfebedürftigen anerkannt.

»Natürlich gibt es auch mal negative Tage, die hat man aber in jedem Beruf. Aufgeben kommt dennoch nicht in Frage für mich«, betont Teutsch. Sie spüre die Dankbarkeit der Patienten, und es sei schön, anderen helfen zu können. »Schön ist es auch, die Fortschritte der Genesung zu sehen.« Ihr künftiges Wunscheinsatzgebiet ist die Intensivmedizin. »Ich mag die Herausforderung und die Vielseitigkeit in diesem Bereich, da man auf der Intensivstation als Gesundheits- und Krankenpflegerin mehr medizinische Tätigkeiten hat«, freut sie sich.

Foto: Melanie Lurz
Hintergrund: Reform der Pflegekraftausbildung

Zum 1. Januar 2020 startete in Deutschland eine neue generalistische Pflegeausbildung oder Generalistik.  
Unter Generalistik versteht man die Zusammenführung mehrerer Berufe zu einem gemeinsamen, neuen Berufsbild Pflege.
Die Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege werden zu einer neuen Pflegeausbildung mit einheitlichem Berufsabschluss zusammenführt, der Pflegefachfrau oder dem Pflegefachmann.

Die wichtigsten Neuerungen sind:

Die Ausbildung befähigt zur Fachpflege von Menschen aller Altersgruppen.
Der Abschluss ermöglicht eine Tätigkeit in allen Bereichen, wie Krankenhäusern, Kinderkliniken, Rehabilitationskliniken, psychiatrischen Einrichtungen, Seniorenheimen und in der ambulanten Pflege.
Der Berufsabschluss wird in allen EU-Staaten anerkannt.
Durch die generalistische Ausbildung eröffnen sich neue Berufs- und Karriereperspektiven.
Der Berufsabschluss wird im Bachelorstudiengang Pflege angerechnet (50 Prozent).

Zugangsvoraussetzungen:

Mit einem Haupt- oder Mittelschulabschluss besteht die Möglichkeit der einjährigen Ausbildung zur Pflegefachhelferin (Krankenpflege) / zum Pflegefachhelfer (Krankenpflege). Dieser Berufsabschluss wird in der dreijährigen Pflegeausbildung angerechnet. Qualifizierte Pflegefachhelfende können damit gleich in das zweite Ausbildungsjahr der Ausbildung Pflegefachfrau / Pflegefachmann einsteigen.
Mit einem Realschulabschluss oder einem gleichwertigen zehnjährigen Schulabschluss ist der Einstieg in die dreijährige Pflegeausbildung möglich. 
Der Abschluss zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann und drei Jahre Berufserfahrung eröffnen die Zugangsberechtigung für das Studium an einer Hochschule oder Universität. 

Mit Hochschulzugangsberechtigung hat man die Möglichkeit, eine grundständige Berufsausbildung in der Pflege mit Bachelorabschluss zu absolvieren. Mit diesem sind die Absolventen dem entsprechenden Bachelor of Science-Abschlüssen in der Pflege international gleichgestellt. (bdg)

 

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