»Mittlerweile kostet ein Wellensittich mehr als ein Kalb«

Diskussionsabend: Umweltminister Untersteller zu Gast

Tauberbischofsheim
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Franz Untersteller bei seinem Vortrag in Tauberbischofsheim. Foto: Peter D. Wagner
Foto: Peter D. Wagner

Vor allem über Themen der aktuellen Landwirtschaftspolitik referierte Baden-Württembergs Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Franz Untersteller, am Donnerstag bei einem Informations- und Diskussionsabend im Gründerzentrum in Tauberbischofsheim, den der Kreisvorstand Main-Tauber von Bündnis 90/Die Grünen organisiert hatte.

»Naturschutz und Landwirtschaft müssen keineswegs im Widerspruch zueinanderstehen, sondern lassen sich durchaus miteinander vereinbaren«, bekräftigte der Landesminister im Beisein vieler Bauern und einiger Winzer aus der Region unter den zahlreichen Besuchern. Ohne Landwirte gäbe es weder eine Vielzahl an Nahrungsmitteln noch die Kulturlandschaft. »Je mehr Landwirte wir verlieren, umso mehr Produkte müssen wir importieren«, gab er in Anbetracht der Tatsache zu bedenken, dass die bäuerlichen Berufsstände zunehmend Preisdruck und Anforderungen bei Umweltschutz und Tierwohl ausgesetzt sowie verstärkt in Misskredit geraten seien.

Die Landwirte müssten für ihre Leistungen und die Erzeugung hochwertiger Produkte angemessen vergütet werden. »Da ist etwas aus den Fugen geraten. Mittlerweile kostet ein Wellensittich mehr als ein Kalb«, kritisierte Untersteller. »Wir können aber nicht ständig einfach billig einkaufen gehen sowie andererseits Umweltschutz und Tierwohl von den Landwirtschaftsbetrieben fordern. Hingegen muss eine gesellschaftliche Debatte geführt werden, was uns dies wert ist.«

Das Volksbegehren »Pro Biene« aufgrund des Artenschwundes habe für sehr starke Kontroversen gesorgt. »Die Ursachen für Artenrückgänge haben jedoch viele und komplexe Ursachen, sowohl zum Beispiel Flächenverbrauch, Lichtverschmutzung und Schottergärten als auch eine Intensivierung der Landwirtschaft«, betonte Untersteller. Der Gesetzesentwurf hätte letztlich die Existenz zahlreicher Bauern und Winzer bedroht, da auf rund 30 Prozent der Fläche landwirtschaftliche Nutzungen zukünftig praktisch ausgeschlossen worden wären.

Daraufhin habe er gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk nebst beiden Ministerien ein elf Eckpunkte umfassendes Papier entwickelt, das am 18. Dezember 2019 mitsamt einem abgeänderten Entwurf einer Gesetzesnovelle verschiedenen Verbänden vorgelegt worden sei. Dabei habe man weitgehend Einvernehmen erzielen können. Darin vorgesehen sei unter anderem eine Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes zwischen 40 und 50 Prozent bis zum Jahr 2030, jedoch in flächiger Gesamtmenge und nicht nur auf landwirtschaftlichen Arealen.

Hoffnung auf raschen Beschluss

Wenn es um die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und die Förderung des Artenschutzes gehe, stehe die ganze Gesellschaft in der Pflicht, also neben den Landwirten auch alle weiteren Landnutzer wie etwa Kommunen, Kreise, das Land und ebenso Privathaushalte, proklamierte er. Zudem plädierte Untersteller unter anderem für einen Ausbau von Biotopverbünden, flächigen Refugien für Insekten sowie einen nachfrageorientierten Zuwachs im ökologischen Landbau beispielsweise durch Stimulierung der Abnahmemengen. Dies könne nur durch faire Bezahlung und Unterstützung erfolgen. Es brauche einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen Landwirtschaft, Handel und Verbrauchern.

»Mit dem Entwurf arbeiten wir fast nicht mit Verboten und lediglich mit wenigen gesetzlichen Einschränkungen, sondern annähernd ausschließlich mit Anreizen«, resümierte der Minister. Derzeit befänden sich die Gesetzesentwürfe in Ressortabstimmungen, danach gebe es nochmals eine verkürzte Verbändeanhörung. »Wir hoffen, dass die Entwurfsvorlagen vor Beginn der Sommerpause beschlossen werden können«, zeigte sich Untersteller zuversichtlich. Im Anschluss stellte er sich in einer von Dietrich Grebbin, stellvertretender Vorsitzender des Grünen-Kreisverbandes, moderierten Gesprächsrunde den Fragen der zahlreichen Besucher.

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