Mit Netzen gegen den Felssturz

Erosion: Gelände hinter der Feuerwache wird gesichert - Budget von 910 000 Euro wird voraussichtlich eingehalten

Wertheim
3 Min.

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Schweres Gerät ist derzeit an der Bismarckstraße notwendig, um die Bohrmaschine und deren Bediener an seinen Arbeitsplatz in bis zu 35 Metern Höhe zu bringen.
Foto: Peter Riffenach
»Wir haben rechtzeitig und angemessen reagiert und die Notwendigkeit der Maßnahme stand jederzeit außerhalb jeglicher Diskussion, auch wenn sie mit 910 000 Euro nicht billig ist«, stellt der Leiter des städtischen Referats Stadtplanung, Hoch- und Tiefbau Armin Dattler fest. Seit Ende April sind die abschließenden Felssicherungsmaßnahmen hinter und neben der Feuerwache im Gange.
Die beauftragten Firmen leisteten hervorragende Arbeit, lobt Dattler bei einer Besichtigung der Maßnahme.
Der vermutlich durch einen Steinbruch entstandene Steilhang hinter der Feuerwache Wertheim barg aufgrund seiner Geologie in der Vergangenheit eine ständige Gefahr für Felsstürze, Steinschlag und Murenabgänge. Nach der Einzelsicherung eines Felsvorsprungs, der Befreiung des Hangs von Bewuchs und dem Abbruch mehrerer besonders gefährdeter Gebäudeteile wurde der Steilhang maschinell und von Hand beräumt.
Lose Brocken entfernen
Dabei entfernten die Arbeiter lose Felsbrocken. »Gut, dass wir Rückwand und Dach der Garage der Feuerwehr mit einer Bohlenwand gesichert haben«, erklärt Dattler. Denn bei der Räumung loser Felsbrocken seien einige zu Tal gestürzt, wie mehrere Löcher in der Sicherungswand eindrucksvoll dokumentieren. Parallel dazu wurde der gesamte Hangbereich geologisch vom Büro GMP Geotechnik aus Würzburg untersucht.
Auf Basis der Untersuchungen gab es einen öffentlichen Teilnahmewettbewerb, für den 20 Bewerbungen vorlagen. Letztlich wurden fünf Bewerber ausgesucht, die ein Angebot abgeben durften. Sieger der Ausschreibung wurde die Arbeitsgemeinschaft Landeck/Bremer aus Würzburg und Marktheidenfeld zu einem Preis von rund 840 000 Euro. »Einschließlich der Ingenieurleistungen sollten wir bei rund 910 000 Euro landen«, sagt Dattler.
Davon ist er überzeugt, denn aufgrund der guten Vorplanungen seien bislang keine gravierenden Probleme aufgetreten, die zu extremen Verteuerungen führen könnten. Auch auf den avisierten Zuschuss aus dem Ausgleichsstock könne man nach wie vor hoffen, so Dattler. »Die Entscheidung wird voraussichtlich Ende Juli fallen.« Aber nach wie vor gehe man in der Verwaltung von einer Förderung mit 600 000 Euro aus.
Drei Bohrgeräte im Einsatz
Seit Ende April sind die Mitarbeiter von Wolfram Landeck von der gleichnamigen Firma aus Würzburg und Jürgen Stieber, zuständiger Mitarbeiter bei der Firma Bremer in Marktheidenfeld, mit den Sicherungsmaßnahmen beschäftigt. »Durchschnittlich haben wir acht Mitarbeiter und drei Bohrgeräte im Einsatz«, erklärt Landeck. Die Bohrgeräte, die je nach Anforderungen zwischen 150 Kilogramm und einer Tonne wiegen, sitzen auf den Hebegeräten, mit denen der Mitarbeiter bis in eine Höhe von 35 Metern transportiert wird.
Im Abstand von rund drei Metern wurden Bohrlöcher in den Fels getrieben. »Wir mussten dabei bis zu sieben Meter tief bohren«, erklärt Landeck. In die Wand wurde dann ein 28 Millimeter starker Bohrnagel gesetzt und das Bohrloch mit Beton verpresst. »Die Bohrnägel halten eine Kraft von 17,6 Tonnen aus, die auf sie wirken«, erläutert Landeck. Insgesamt 750 Anker werden bis Ende August - bis dahin sollen die Arbeiten abgeschlossen sein - gesetzt sein und die Bohrgeräte werden zusammen 45 000 Bohrmeter im Fels zurückgelegt haben.
Instabile Felspartien oder größere einzelne Kluftkörper und Felsüberhänge wurden zudem durch rückverankerte und bewehrte Spritzbetonplomben und -wände gesichert. Damit werde der Effekt einer Oberflächenversiegelung erreicht, die bei stark verwitterungsanfälligen Untergründen zu einer dauerhaften Stabilisierung beitrage, erläutern die Experten. Der gesamte Hang wurde danach mit einem Schutznetz überspannt. Darunter wird in manchen Bereichen ein spezielles Vlies verlegt, das zwar Grünbewuchs zulässt, allerdings verhindern soll, dass größere Bäume wachsen können.
Hoher Grundwasserstand
»Die Wahl des Drahtgeflechts hängt dabei von der Art und Beschaffenheit des Untergrunds, wie Fels- oder Lockerboden, und von der zu erwartenden Größe möglicher Steinschläge ab«, berichtet Stieber. Entsprechend wurden im Hang, vor dem die ehemalige Lagerhalle der Firma Kappes stand, zwei verschiedene Netze verwendet. »Insgesamt werden wir am Ende 2800 Quadratmeter von dem schwächeren und 300 Quadratmeter von dem stärkeren Netz verbaut haben«, erklärt Stieber.
Einzige Schwierigkeit bei der Ausführung der Arbeiten sei der relativ hohe Grundwasserstand im Hang gewesen. »Wenn wir am Fuß an einer Stelle gebohrt haben, durfte man nicht entlang gehen, denn es kam vor, dass zehn Meter weiter Wasser aus dem Stein spritzte«, berichtet Landeck schmunzelnd. Um den Wasserdruck dauerhaft zu nehmen, habe man zusätzliche Entwässerungsbohrungen eingebracht. Peter Riffenach
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