Horn Wertheim: Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf dem Faltschachtelmarkt

Mit Konstruktionsvielfalt die Nase vorn

Wertheim
3 Min.

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Stolz über die lange Firmengeschichte und den Erfolg des mittelständischen Unternehmens Horn Wertheim sind dessen Verkaufsleiter Martin Wohlfarth und Geschäftsführer Andreas Horn.
Foto: Birger-Daniel Grein
Verpackungen aus Karton sind nicht nur nachhaltig, sie bieten auch eine Vielfalt in Form und Design.
Foto: Birger-Daniel Grein
Seit mehr als 100 Jah­ren ist das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men Horn Wert­heim auf dem Ver­pa­ckungs­markt er­folg­reich. Die Fir­ma kon­stru­iert und pro­du­ziert in­di­vi­du­el­le Ver­pa­ckun­gen aus Voll­kar­ton und Well­pap­pe. »Klei­ne und mitt­le­re, auch kom­ple­xe­re Kon­struk­tio­nen sind un­ser Schwer­punkt«, be­sch­reibt Ge­schäfts­füh­rer And­reas Horn im Ge­spräch mit un­se­rem Me­di­en­haus.

Man biete im Vergleich zu Mitbewerbern im Faltschachtelmarkt eine große Material- und Konstruktionsvielfalt an. Wichtig sind dem Unternehmen Nachhaltigkeit und Klimaschutz, nicht nur beim Rohstoff. Große Bedeutung kommt auch der Regionalität zu. Man wolle die Wertschöpfung im Haus halten, außerdem kämen 90 Prozent der Kunden aus dem Umkreis von 200 Kilometer. Dies ermögliche auch einen engen persönlichen Kundenkontakt.

Die Vollpappe bezieht das Unternehmen aus Österreich und Schweden, denn deren Herstellung sei an wenigen Standorten in Europa zentralisiert. Die Wellpappe, die ein Großteil des Rohmaterials ausmacht, kommt aus Memmingen. Durchschnittlich 65 Prozent der Produkte bestehen laut Firma aus Recyclingkarton, der Rest aus Frischfasern. Der Kartonagemarkt sei in der Betriebsgeschichte immer recht stabil gewesen.

»Die letzten zehn Jahre gab es jedoch einen Bedeutungszuwachs, in den letzten fünf Jahren war dies drastisch«, berichtet Verkaufsleiter Martin Wohlfarth. Dies habe mehrere Gründe. Zum einen spiele das wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit eine Rolle. Hinzu kämen die Designvielfalt in Form, Veredelung und Druck, die einfache Lagerung und die Recyclingfähigkeit von Karton. »Wir befassen uns mit vollständig recyclebaren Werkstoffen sowohl beim Altpapieranteil als auch bei den Frischfasern«, erklärt er. Eine Kartonverpackung könne materialseitig bis zu 20-mal wiederverwertet werden und sei danach voll kompostierbar. »Der Wechsel von der Plastik- hin zur Kartonverpackung von Produkten wird auch stark durch die Discounter getrieben«, weiß Wohlfarth.

Eine Stärke von Karton sind die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten. »Das Einsatzgebiet hängt grundsätzlich von der Zusammensetzung des Kartons ab«, so Wohlfarth. Horn verarbeite vor allem kaschierte Wellpappe in verschiedenen Qualitätsstufen. Deren Vorteil sei die Stoßfestigkeit für den Warenschutz. Das Material eigne sich als Verpackung für Waren vom Grammbereich bis 20 Kilogramm Inhalt je Verpackung.

Wichtig: Design

Auch das Design der Kartonverpackung sei wichtig. »Sie haben als stille Verkäufer eine Präsentationsfunktion«, erklärt Wohlfarth weiter. Sogar Kunst könne aus Karton gefertigt werden. Hier verweist das Unternehmen beispielsweise auf seine WertArt-Uhren. Kartonverpackungen ließen sich bei entsprechender Gestaltung weiternutzen für andere Zwecke, heißt es au dem Firmenteam. So könne zum Beispiel aus einem Karton eine Tablet-Halterung werden. Das passe zum Trend des Selbermachens und helfe, Abfall zu verringern.

Kartonverpackungen haben jedoch auch Grenzen. Diese liegen zum Beispiel bei feuchten Waren sowie generell bei Lebensmitteln. Ein Aspekt dabei sei die Migration in und aus der Verpackung. So sei Karton durchlässiger als andere Verpackungsarten. »Außer Glas und Metall unterliegen alle anderen Verpackungswerkstoffe einer gewissen Migration«, so Wohlfarth.

»Kunststoff halte ich in bestimmten Verpackungsbereichen noch nicht für ersetzbar«, so der Verkaufsleiter weiter. Beispielhaft nannte er Essensboxen. Auffällig sei aber, dass der Kundenwunsch nach Folienkaschierungen oder Folienfenstern in Kartons in den vergangenen zehn Jahren entscheidend zurückgegangen sei. In Bereichen außerhalb des Lebensmittelbereichs sieht er noch Luft nach oben, was den Austausch von Kunststoffverpackungen gegen Karton angeht.

Hintergrund

Hintergrund: Firma Horn Wertheim

Das mittelständische, inhabergeführte Unternehmen Horn Wertheim wurde 1904 in Aussig an der Elbe als Kartonagenwerk mit Buchbinderei gegründet.

1952 zog die Firma nach Wertheim in den Bereich des Bahnhofsgeländes und später nach Wertheim-Eichel. In den 1980er Jahren entstanden zudem erste Firmenbauten in Wertheim-Bestenheid. Seit 2019 ist das Unternehmen vollständig dort angesiedelt.

Horn hat rund 60 Mitarbeitende.

Nachhaltigkeit ist dem Unternehmen in vielen Punkten wichtig. So ist es FSC-zertifiziert und nutzt Ökostrom der regionalen Stadtwerke, der vollständig aus Wasserkraft gewonnen wird.

Das Unternehmen bietet eine Ausbildung für Pappmitteltechnologen. Allerdings wurde es die vergangenen fünf Jahre immer schwieriger, Bewerber hierfür zu gewinnen.

Auf dem Markt der Rohmaterialien, insbesondere bei kaschierter Wellpappe, spürt das Unternehmen den erhöhten Gesamtbedarf auch durch die Zuwächse im Onlinehandel und den dafür benötigten Versandverpackungen.

Zu den ökologischen Trendmaterialien im Pappbereich gehört das Graspapier. In ihm wird ein Teil des Zellstoffs aus Holz durch Grasfasern ersetzt. Die Firma Horn ist in der Lage, Graspapier zu Verpackungen zu verarbeiten und auch zu bedrucken. Das Rohmaterial Graspapier ist aber sehr teuer, daher kommt es nur sporadisch zur Anwendung.

Zur Marktsituation für Kartonverpackungen erklärt das Unternehmen Horn, es geht der Branche grundsätzlich gut. Industrie- wie auch Endverbraucher möchten nachhaltige Verpackungen. Die Bedeutung der Nachhaltigkeit im Kaufprozess werde weiter zunehmen.

Für Kartons aus Recyclingmaterial gilt: Je höher der Frischfaseranteil ist, desto stabiler ist das Material, da Frischfasern länger und dadurch stabiler sind. Die geringe Stabilität von Altpapierkarton lässt sich teilweise durch bestimmte Verarbeitungsschritte ausgleichen. (bdg)

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