Wertheimer Hobbyfotograf Kurt Bauer wird am Mittwoch 80 Jahre alt

Mit Hut und Kamera fast täglich auf Achse

Wertheim
2 Min.

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So kennen ihn die Wertheimer: Kurt Bauer mit Kamera auf Motivsuche in seinem Revier. Foto: Petra Folger-Schwab
Foto: Petra Folger-Schwab
Auf der Mainfähre im Sommer 1944: Kurt Bauer mit seiner Mutter Katharina und Kusine Christa. Foto-Archiv: Kurt Bauer
Foto: Archiv Kurt Bauer
Der Wert­hei­mer Kurt Bau­er wird an die­sem Mitt­woch 80 Jah­re alt. Bis 1995 führ­te er das Geschäft Elek­tro-Bau­er am En­gels­berg, seit 1999 ist er für das Graf­schafts­mu­se­um im Ein­satz. Als Fo­to­graf ken­nen ihn vie­le, auch aus den so­zia­len Netz­wer­ken, mit Hut und Ka­me­ra ist er fast täg­lich in und um Wert­heim un­ter­wegs, auch auf »sei­ner« Ter­ras­se im Ca­fé am En­gels­brun­nen trifft man ihn oft.

»Kurt Bauer Wertheim« - wenn man diese drei Begriffe in eine Internet-Suchmaschine eingibt, wird man mehr als fündig. Was ploppt da alles auf? In erster Linie Fotos, immer wieder Fotos. Bei Facebook in mehreren Gruppen wie »Wertheim kann schön sein« mit weit über 6000 Mitgliedern.

Fast überall vertreten

»Ich wundere mich oft über die vielen Likes«, sagt er bescheiden. Auch in Pressemitteilungen der Stadt Wertheim, in Broschüren verschiedener Museen und des Gästeführervereins, in Zeitungsartikeln, in Publikationen des Historischen Vereins findet man Bilder und Beiträge von Kurt Bauer. »Außergewöhnliche Blickwinkel«, eine eigene Ausstellung mit ausgewählten Bildern, gab es 2018 im Grafschaftsmuseum.

Seine Heimatstadt Wertheim und die nähere Umgebung bieten dem Hobbyfotografen immer wieder Motive, Historisches und Aktuelles, oft Altbekanntes aus neuen Blickwinkeln, bei Sonnenschein, im Gegenlicht oder angestrahlt, bei Regen oder nach dem Regen mit herrlichen Spiegelungen. Aktuell ist die Burg sein Lieblingsobjekt. Nach der Mittleren Reife hatte Kurt Bauer im elterlichen Betrieb die Ausbildung zum Elektriker absolviert und die Gesellenprüfung abgelegt. Die Meisterprüfung als Rundfunk- und Fernsehtechniker machte er 1965 in Karlsruhe, wo er die Meisterschule besucht hatte. Stationen seiner Ausbildung waren Mannheim und Hamburg. Eine ganz andere Welt habe sich da aufgetan, sagt Bauer rückblickend auf die Zeit »in der Fremde«, wo er zeitweise auch als Technischer Zeichner arbeitete.

Geschäft übernommen

Zurück in Wertheim übernahm Kurt Bauer 1972 das seit 1933 bestehende elterliche Geschäft mit großer Reparaturwerkstatt am Engelsberg. Dort habe er auch Lehrlinge ausgebildet. Ständig habe er sich beispielsweise zum HI-FI-Fachberater weitergebildet, erzählt er, um nicht abgehängt zu werden. Seine damalige Frau Ria hat im Büro und Verkauf gearbeitet.

Zwei Söhne waren 1968 und 1969 zur Welt gekommen. Jörg, der ältere, lebt in München und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Film- und Fernsehbranche, Sven ist von Fürth aus in der Immobilienbranche in Spanien tätig. »Wir sind immer in Kontakt«, freut sich der Jubilar und betont das gute Verhältnis auch zu seiner geschiedenen Frau und ihrem Mann. Im Laufe der Jahre wurde die Konkurrenz durch die großen Märkte immer stärker. Elektro-Bauer musste 1995 Insolvenz anmelden. Ein Jahr Arbeitslosigkeit, eine zweijährige Rückkehr in den Beruf als Angestellter folgten - dann war endgültig Schluss mit dem alten Beruf.

Die lokale Geschichte hat Kurt Bauer schon immer interessiert. In Seminaren bei Hermann Ehmer und Jörg Paczkowski hatte er sich weitergebildet und auch mit Kunstgeschichte beschäftigt. So war es ein Glücksfall für alle Beteiligten, als Bauer 1999 im Wertheimer Grafschaftsmuseum Arbeit fand. Zuerst wurde er an der Kasse eingesetzt, bald hat er die Gäste betreut, Führungen gemacht und Vorträge gehalten, wie beispielsweise zum Thema »Hochwasser in Wertheim«.

Bauer erinnert sich, dass der Modersohn-Saal so überfüllt war, dass ein zweiter Termin stattfand. Im Jahrbuch 2018 des Historischen Vereins findet sich ein Aufsatz zur Geschichte der Tauberbrücke, in dem er seine langjährigen Recherchen verarbeitet hat. Auch zur Elektrifizierung von Wertheim hat er umfangreiche Forschungsergebnisse vorgelegt. Dass die Computertechnik im Grafschaftsmuseum aktualisiert wurde, ist Kurt Bauer zu verdanken.

Erster Rechner mit Internet

»Mein Rechner war der erste mit Anschluss an das Internet«, sagt er rückblickend nicht ohne Stolz. Viele Ausstellungen hat er mit vorbereitet, an Broschüren und Katalogen mitgearbeitet. Auch ein Burgführer ist darunter. Einen eigenen Arbeitsplatz hat er bis heute im Grafschaftsmuseum, wo er sich als freier Mitarbeiter stundenweise engagiert und sich um die Digitalisierung und Datierung historischen Fotomaterials kümmert.

Bauers Gedächtnis ist exzellent. »Die Zahlen, wann, was erbaut wurde, habe ich alle im Kopf«, sagt er überzeugend und gibt gleich Beispiele in atemberaubendem Tempo. Sein Wissen ist gefragt - da spielt das Alter keine Rolle. Und dass seine Hobbys Fotografie und lokale Geschichte so gut zusammenpassen - ein Glücksfall.

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