Mit der Kanzlerkanne auf dem Weg in eine bessere Zukunft

Alfi: Das Traditionsunternehmen setzt auf Design und höherwertige Produkte - Museum in Fischbach eröffnet

Wertheim
4 Min.

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Blick in die Innereien: Die Alfi-Kanne Juwel in ihre Einzelteile zerlegt. Foto: Gunter Fritsch
Foto: Gunter Fritsch
Unscheinbar: Das Traditionsunternehmen Alfi beschäftigt an ihrem Firmensitz in Bestenheid nur noch ...Mitarbeiter. Eine Fertigung gibt es hier nicht mehr. Foto: Gunter Fritsch
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Edle Hülle: In Samt gekleidete Alfi-Juwel-Kannen. Foto: Gunter Fritsch
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Ausstellungskuratorin Tina Kurpjuweit mit der Alfi-Kanne "Juwel" vor dem Firmenlogo. Foto: Gunter Fritsch
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Ein Standort, drei Firmen: Am ehemaligen Firmenstandort von Alfi in Fischbach, produzierte nach dem Zweiten Weltkrieg die Firma Aluminiumwaren Fischbach (AWF), bevor das heutige Unternehmen BAF (Bratpfannen Fischbach) auf dem Gelände seine Produktionsstätte aufbaute. Foto: Gunter Fritsch
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In der kleinen Ortschaft Fischbach in der thüringischen Rhön ist dem Begründer der Firma Alfi, Carl Zitzmann, eine eigene Straße gewidmet. Foto: Gunter Fritsch
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In einem ehemaligen Haus für Angestellte in der Fischbacher Bergstraße 5 ist das Alfi-Museum untergebracht. Foto: Gunter Fritsch
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Die Kanne als Kunst: Dieses Kannenmehrschichtmodell stand früher einmal auf dem Firmengelände der Firma Alfi in Bestenheid. Jetzt ist es im Alfi-Museum in Fischbach zu sehen. Foto: Gunter Fritsch
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Kunst mit Kannen am Bestenheider Alfi-Fimensitz. Foto: Gunter Fritsch
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In dieser Alfi Isolierkanne wurde in der Deutschen Bahn Kaffee ausgeschenkt. Foto: Gunter Fritsch
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Die Al­fi-Kan­ne "Ju­wel" ste­he für ei­ne mehr als ein Jahr­hun­dert al­te Tra­di­ti­on und zu­g­leich für den Auf­bruch des Wert­hei­mer Un­ter­neh­mens in "ei­ne neue, glanz­vol­le­re Zeit", wie es Al­fi-Ge­schäfts­füh­rer Ste­phan Schulz im Ge­spräch mit die­ser Re­dak­ti­on for­mu­liert. Der Klas­si­ker un­ter den Al­fi-Iso­lier­kan­nen mit sei­ner bau­chi­gen Form wur­de be­reits 1918 am eins­ti­gen Grün­dungs­stand­ort der Fir­ma im thürin­gi­schen Fisch­bach ge­fer­tigt und da­mals für den Ein­satz im lu­xu­riö­sen Pull­m­an­wa­gen der ame­ri­ka­ni­sche Ei­sen­bahn ent­wi­ckelt. Dort gibt es seit An­fang Ju­li ein Mu­se­um des Ther­mos­kan­nen­her­s­tel­lers.

Doch trotz ihres hohen Alters und ihres scheinbar aus der Zeit gefallenen, über die Jahre aber immer einmal wieder leicht veränderten Designs: Die Kanne Juwel sei auch heute noch eines der meist gefragtesten Isolierkannen im Sortiment von Alfi, will Schulz gerade auch am Markt mit höherwertigen Produkten in Zukunft wieder punkten. Im Anfang Juli eröffneten Alfi-Museum in Fischbach in der thüringischen Rhön kann man ein Großteil der Produktvielfalt sehen, die das inzwischen mehr als 100 Jahre alte Unternehmen im Laufe seiner Geschichte gefertigt hat. Und natürlich gibt es dort auch die Kanne Juwel, die in der Ausstellung den ihr gebührenden Platz einnimmt. Bekannt wurde sie auch als "Kanzlerkanne", weil sie aus dem politischen Berlin nicht mehr wegzudenken ist. Seit 1998 steht die Alfi-Kanne bei den Zusammenkünften des Bundeskabinetts auf den Tischen.

Erneut Design-Preis gewonnen

In einem ehemaligen Angestelltenhaus - in Fischbach heißt das Gebäude in der Bergstraße 5 "Beamtenhaus", wie Ausstellungskuratorin Tina Kurpjuweit erzählt - können Besucher auf 80 Quadratmetern die beeindruckende Geschichte der Aluminiumwarenfabrik Fischbach (Alfi) von ihren Anfängen bis zu den aktuellen Produkten erleben. Ein Alfi-Shop, abseits der Tourismus-Ströme, präsentiert hier auch hier schon die erst jüngst mit dem renommierten Designer-Preis "Red Dot 2022" ausgezeichnete Isolierkanne "Studio Allure". Die von den Designern Tim Storti und Christian Rummel der Agentur Pearl Creative entworfene Kanne ist eine Kombination aus einer Edelstahlkanne mit einem ergonomischen Formholzgriff. Für Geschäftsführer Stephan Schulz gehört das außergewöhnliche Design vieler Alfi-Isolierkannen weiter zum Markenkern der Firma, verweist er auf die jüngste Auszeichnung einer Alfi-Kanne.

Ergänzt wird die Ausstellung - die die Firma Alfi mit einem Betrag von 5000 Euro unterstützte - durch Exponate des Unternehmens und der Familie Zitzmann, die teilweise auch in der Wertheimer Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen zu sehen waren. Auch die einst vor dem Wertheimer Firmensitz stehe Glasbläser hat auf dem Museumsgelände einen neuen Platz gefunden, ebenso wie die Skulptur der Isolierkanne Juwel, die in Wertheim am Main stand.

Am inzwischen nach Firmenangaben auf nur noch 40 Beschäftige geschrumpften Alfi-Standort in Bestenheid beschäftigten sich drei Mitarbieter mit den Produkten und ihrem Design. Drei weitere seien für die Qualitätskontrolle verantwortlich, erläutert Schulz. Eine eigene Fertigung gibt es in Wertheim aber bereits seit 2019 nicht mehr. Schulz ist zuversichtlich, dass es mit der neuen Kollektion gelingen könne, mit dem Umsatz 2022 rund 16 Prozent über dem des Vorjahrs zu liegen. Konkrete Umsatzzahlen nennt er keine. "Im Prinzip sei bis auf die Logistik und die Produktion am Standort Wertheim noch alles beheimatet, will Schulz mit der neuen Kollektion an Isoliergefäßen und -kannen Alfi wieder auf die Erfolgsstraße bringen. "Wir planen für 2023 eine große Produkt-Offensive." Wichtiger Baustein dabei soll die Juwel-Kanne werden, der Schulz zu altem Glanz verhalten will. 2024 wolle man das 110-jährige Bestehen der Firma "groß" feiern, blickt er zuversichtlich in die Zukunft, nachdem die Firma in den vergangenen Jahren deutliche Umsatzeinbrüche zu verkraften hatte.

Erfolgreiches Design

Dass dabei außergewöhnliches Allfi-Design nicht teuer sein muss und zugleich erfolgreich sein kann, bewies der Däne Ole Palsby, als er mit der Kugelkanne einen weiteren Alfi-Design-Klassiker schuf. Als die Isolierkanne 1985 auf den Markt kam, da traf das günstige Alltagsprodukt den Zeitgeist. Frische Farben, gern auch gepunktet oder mit außergewöhnlichen Mustern versehen, kamen so gut an, dass bis zum heutigen Tag "zehn Millionen Stück" von der Kanne verkauft sind, wie Tina Kurbjuweit mit Blick auf die Kugelkanne im Fischbacher Ausstellungregal berichtet. Überraschend für die Besucher des Alfi-Museums dürfte sein, dass die Alfi-Nachfolgefirma in DDR, die Aluminiumwarenfabrik Fischbach (AWF), ebenfalls solche Kugelkannen im Angebot hatte, wie die Ausstellung zeigt.

Die Wahl des Standorts für das Museum in Fischbach ist eine Hommage an die Ursprünge der Firma Alfi. In Thüringen begann 1914 die traditionsreiche Geschichte der heutigen Wertheimer Firma mit zehn Mitarbeitern und einer einfachen, aber genialen Idee: Haushaltwaren aus dem damals neuen Gebrauchsmaterial Aluminium zu fertigen. Firmengründer Carl und Sophie Zitzmann - eine gebürtige Wertheimerin - brachten in die bis dahin landwirtschaftlich geprägte Rhön die industrielle Revolution: Bis 1948 arbeiteten in dem kleinen Ort bis zu 500 Alfi-Mitarbeiter.

Hintergrund: Alfi GmbH und Alfi-Museum

Die Wertheimer Firma Alfi GmbH Isoliergefäße, Metall- und Haushaltswaren (ursprünglich: Aluminiumwarenfabrik Fischbach) wurde im kleinen Ort Fischbach in der thüringischen Rhön im Jahr 1914 von Carl und Sophie Zitzmann gegründet. 1949 siedelte das Paar nach Wertheim um, nachdem es in der sowjetischen Besatzungszone enteignet und die Firma in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt worden war, der unter dem Kürzel AWF (ebenfalls für: Alumiumwarenfabrik Fischbach) in der DDR Haushaltsgeräte aus Aluminium, aber auch Isoliergefäße herstellte. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Gelände von Alfi die Firma BAF ("Bratpfannen aus Fischbach") Industrie- und Oberflächentechnik GmbH, die unter anderem Kochgeschirr herstellt. Nach Alfi-Firmengründer Carl Zitzmann ist in Fischbach eine Straße benannt. 1987 wurde Alfi in Wertheim von WMF übernommen.Seit November 2014 gehört Alfi zum US-amerikanischen Hersteller Thermos von Isolierkannen und Isoliergefäßen. Ab 2018 wurde am Firmenstandort Bestenheid erst die Logistik, ein Jahr später schließlich auch die Fertigung geschlossen und ins Ausland - vor allem nach China - verlagert. 2020 hatte des Bestenheider Traditionsunternehmen seine Gebäude und sein Firmengelände an die Firma ACP Immo GmbH mit Sitz in Elsenfeld verkauft, deren Geschäft die Vermietung der Gebäude ist. Von den 19000 Quadratmeter Fläche im "Gewerbepark Alfi Wertheim" sind nach Angaben von ACP-Geschäftsführer Calogero Alu bislang"etwa 5000 Quadratmeter" verpachtet. Alfi hatte nach Angaben von Geschäftsführer Stephan Schulz 40 Mitarbeiter am Standort Bestenheid plus etwa 20 in den Alfi-Shops. Im Geschäftsjahr 2020 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 14,8 Millionen Euro, im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von rund 2,7 Millionen Euro. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor.

Das Alfi-Museum in Fischbach ist aus einer Privatinitiave vor Ort entstanden. Der Initiator ist ein Fischbacher, der über die Geschichte seiner Großmutter und seiner Mutter, die in der Firma und teilweise auch in der Familie Zitzmann arbeiteten, eng mit der Firma verbunden. Auf 80 Quadratmeter Ausstellungfläche sind mehr als 100 Produkte aus der Geschichte der Firma zu sehen, die sowohl von der Alfi GmbH als auch aus privatem Besitz der Firma Zitzmann zur Verfügung gestellt wurden. Auch viele Fischbacher haben Exponate aus ihrem Privatbesitz vorbeigebracht. gufi

Info: Das Museum befindet sich im kleinen Ort Fischbach (Bergstraße 5) in der thüringischen Rhön und hat von Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr geöffnet. An Sams- und Sonntagen nach Anmeldung unter Tel. 036966/83941.

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