Freudenberg-Serie: Leben mit dem Fluss

Der Main ist für die Kleinstadt Lebensgrundlage und Gefahr zugleich

Freudenberg
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Der Main war früher wichtige Lebensgrundlage für Freudenberg. Auch heute hat die Schifffahrt, vor allem von Flusskreuzfahrtschiffen, für die Kleinstadt eine Bedeutung.
Foto: Birger-Daniel Grein
Verschiedene Markierungen zeigen, dass Freudenberg immer wieder von Hochwasser heimgesucht wurde.
Foto: Birger-Daniel Grein
Das Le­ben in der Klein­stadt Freu­den­berg war schon im­mer vom Main ge­prägt. Er brach­te ei­ner­seits durch das Hoch­was­ser Schä­den, an­de­rer­seits ver­band er Freu­den­berg mit der Welt und bot ei­ne wich­ti­ge Le­bens­grund­la­ge. Im zwei­ten Teil der Rei­he »Freu­den­berg ent­de­cken« be­schäf­ti­gen wir uns mit dem frühe­ren Le­ben in Freu­den­berg im Zu­sam­men­hang mit dem Fluss.

Der Main war früher sehr fischreich. Damit war der Fisch eine beliebte Speise in Freudenberg. Der Fischreichtum sorgte auch dafür, dass aus den Fischern, die anfangs für den Eigenbedarf fischten, Berufsfischer wurden. Im Main soll es einst 30 Arten von Tieren gegeben haben, darunter Lachse, Störe und Welse. Berufsfischer konnte man nur in der Zunft werden, so nennt man die Berufsverbände.

In der Zunftordnung für das Schiffer- und Fischerhandwerk zu Freudenberg von 1762 heißt es: »Wenn ein Jung bey dießem Handwerk zukünftig lernen will, soll er forderst es mit dem Lehrmeister auf 14 Tage lang versuchen.« Wer diese Probezeit bestand und auch sonst die Voraussetzungen der Zunft erfüllte, absolvierte eine dreijährige Lehre. Nach der Lehrzeit war eine einjährige Wanderschaft in der Fremde vorgeschrieben. 1871 gab es in Freudenberg noch 13 Berufsfischer. 1903 war es nur noch ein einziger.

Wichtig für das Leben am Main war auch die Schifferei. Auf dem Main herrschte ein reger Schiffsverkehr. In der Region wurden vor allem Steine, Bau-, Gruben- und Schnittholz, Wein und Getreide sowie Zement und Stückgüter transportiert. Flussaufwärts fuhren die Schiffe meist leer. In Freudenberg wurde früher viele Bruchsteine verladen. Das Verladen übernahmen Frauen, meist Witwen. Das war schwere körperliche Arbeit.

Flussabwärts fuhren die Schiffe mit Segeln und mit Hilfe der Strömung. Flussaufwärts war dies schwieriger, da es noch keine Motoren gab. So nutzte man andere Methoden, um das Schiff gegen die Strömung voranzubringen. Eingesetzt wurde einst die Technik des Treidelns. Dabei wurde das Schiff von Pferden mit Hilfe von Seilen gezogen. Dazu gab es neben dem Fluss geeignete Wege. Das Seil war oft bis zu 80 Meter lang und am Mast des Schiffs befestigt. Die Leinreiter waren zumeist Landwirte. Ein Schiffsknecht hatte die Aufgabe, dem Schiff vorauszueilen, um im nächsten Dorf neue Leinreiter zu werben. Auch in Freudenberg wechselten die Pferdegespanne häufig.

Eine gewaltige Änderung brachte die Einführung der Dampfmaschinen in der Schifffahrt. Ab 1842 gab es regelmäßig Dampfschiffverkehr auf dem Main. Ende des 19. Jahrhundert kam die Kettenschleppschifffahrt zum Einsatz. In der Mitte des Schleppschiffs gab es zwei mit eisernen Rillen versehene Trommeln. Über diese wurde eine im Fluss versenkte Kette geführt, die die anderen Schiffe flussaufwärts zogen. Die Trommeln wurden von einer Dampfmaschine angetrieben. Ein Schleppschiff wurde Tauer genannt.

An die große Zeit der Schifffahrt erinnert der Schiffermast am Main, der mit seinem Steuerrad auch zum Spielen einlädt. Außerdem gibt es unten an der Mauer des Hochwasserschutzes Infotafeln mit Fotos zur damaligen Zeit. Viele Schiffsmodelle gibt es zudem in der Schiffsmodellsammlung im Amtshaus zu bestaunen.

Ein Lebensbegleiter der Freudenberger war das Hochwasser. Vor Errichtung des Hochwasserschutzes wurden häufig große Teile der Alt- und Neustadt überschwemmt. Daher mieteten sich Bewohner der Häuser auf am Main Keller im Bergteil auf der anderen Seite der Hauptstraße, um dort Dinge hochwassersicher lagern zu können. Wie hoch das Hochwasser stand, zeigen die Säule an der Hochwassermauer sowie verschiedene Hochwassermarken an der Stadtmauer entlang des Wegs am Main.

Hintergrund: Sitten und Gebräuche rund um den Main

Früher war der Tag des Eisgangs etwas Besonderes. Der Main war noch nicht kanalisiert, und in manchen Wintern staute sich das Eis im Fluss und blieb auch bei Freudenberg stehen. So entstand eine Art natürlicher Brücke hinüber zur bayrischen Nachbargemeinde. Die Eisdecke war manchmal so stabil, dass sogar Fuhrwerke darüberfahren konnten. Trat Tauwetter ein, zerbrach das gewaltige Eismeer, bis es schließlich abtrieb. Durch Schüsse wurde den Freudenbergern dieses Brechen des Maineises bekannt gemacht. So versammelte sich die ganze Gemeinde, um das Spektakel mit anzusehen.

Bereits 1786 gab es eine besondere Schiffertradition. In der Woche nach Dreikönig trugen die Schiffersleute auf zwei Baumstämmen ein schön ausgestaltetes, kleines Schiffchen durch die Straßen. Allen Bekannten schenkten sie dabei Wein.

Zu den Jugendfreuden des Sommers zählte das Baden im Main. bdg

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