Landgestüt Marbach vor Einschnitten

Pferde: Mitarbeiterwechsel, Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise und Kameras mit Künstlicher Intelligenz

GOMADINGEN
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Ein Hufschmied pflegt auf dem Haupt- und Landgestüt Marbach die Hufe eines Pferdes. Ein Mann und eine Frau unterstützen ihn dabei. Mehr als 500 Jahre alt ist das Haupt- und Landgestüt Marbach. Im Laufe der Zeit waren viele Anpassungen nötig, neue Aufgaben kamen hinzu. Neben dem Erhalt bedrohter Pferderassen gibt es noch andere Herausforderungen. Foto: Christian Johner/dpa
Foto: CHRISTIAN JOHNER
Das tra­di­ti­ons­rei­che Haupt- und Land­ge­stüt Mar­bach er­fin­det sich ge­ra­de neu. Das im Jahr 1514 erst­mals ur­kund­lich er­wähn­te Pfer­de­pa­ra­dies wird ab dem kom­men­den Jahr um­ge­baut, des­we­gen wird auch das Pfer­de­bal­lett, die »Mar­bach Clas­sics«, vo­r­erst ein­ge­s­tellt. Doch nicht nur die Bau­maß­nah­men sind ei­ne Her­aus­for­de­rung.

»40 Prozent der Mitarbeiter gehen in einem Zeitraum von acht Jahren in Rente«, erzählt Leiterin und Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck. »Jetzt kommt eine ganz neue Generation. Das ist ganz spannend. Also auch da ein Umbruch und ein Aufbruch sozusagen.«

Mitarbeiter heute mobiler

Die neuen Mitarbeiter seien mobiler und es sei davon auszugehen, dass fast niemand mehr so wie früher im Gestüt jahrzehntelang arbeiten werde, sagt die Agrarwissenschaftlerin im Gomadinger Teilort Marbach im Kreis Reutlingen. Zudem werden von Juli an rund 860 Hektar Acker- und Grünlandfläche in Marbach auf der Schwäbischen Alb auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. Thema ist etwa der Anbau von Luzernen zur Pferdefütterung sowie die Verwertung von Pferdemist. Die Umstellung der Außenwirtschaft des Gestüts ist eine Teilmaßnahme mit Blick auf das Landesziel, zwischen 30 und 40 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen im Land bis 2030 ökologisch zu bewirtschaften. »Unsere landwirtschaftlichen Mitarbeiter freuen sich drauf und die jungen Leute sind Feuer und Flamme«, erzählt von Velsen-Zerweck.

Carolin Eiberger, verantwortlich für den Landwirtschaftsbetrieb auf dem Gestüt, erklärt, was bei der Umstellung auf den ökologischen Landbau zu beachten ist. »Wir kümmern uns um die Bodenfruchtbarkeit, indem wir neue Fruchtfolgen einführen. Das heißt, wir werden Hafer, Dinkel und Gerste anbauen und setzen insbesondere auf Luzerne, weil diese Luftstickstoff im Boden binden kann.«

550 Pferde und 960 Hektar Fläche gehören zum Traditionsbetrieb - dem ältesten und größten staatlichen Gestüt in Deutschland, das aus drei Gestütshöfen und vier Vorwerken besteht. Marbach hat vor allem die Aufgabe, seltene Gene zu erhalten und den Züchtern Blutlinienvielfalt anzubieten. In der Sportpferdezucht gelingt dies vor allem bei der Zucht von vielseitig veranlagten Pferden. Mit Hilfe der Hengsthaltung kann so die bedrohte Rasse Schwarzwälder Kaltblut in ihrem Bestand gefestigt und das Altwürttemberger Pferd erhalten werden.

Das Gestüt musste im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Veränderungen überstehen. 1995 habe es noch 125 Stellen gegeben, sagt von Velsen-Zerweck. »Seither ist massiv abgebaut worden, vor allen Dingen im Bereich Landwirtschaft. Auf jedem Hof gab es noch in den 1970er Jahren eine Milchviehherde, es gab Sauenhaltung, es gab Bullen- und Hühnerprüfstationen und eine große Schafherde«. Im Zuge der Umstrukturierung der Landwirtschaftsverwaltung konzentriere sich das Gestüt nun auf die Pferde, das »Kerngeschäft«. Wegen der Umstellung auf den Ökolandbau habe das Agrarministerium zwei neue Stellen zugesagt. Auch finanzielle Unterstützung werde es vom Land geben, denn man rechnet erstmal damit, weniger zu ernten und damit weniger Futter zu haben. Bisher ist der Betrieb nahezu Selbstversorger für Futter.

Und auch moderne Technik hielt Einzug im Gestüt. »Im Abfohlstall gibt es beispielsweise Kameras mit Künstlicher Intelligenz, die erkennen können, wann die Stute zum Fohlen kommt und alarmiert dann den Stutenmeister«, sagt von Velsen-Zerweck. Früher seien Auszubildende nachts im Stall gewesen und hätten die Stute bewacht.

Hintergrund: Arbeitssicherheit, Tierschutz und Bildung

Das Marbacher Gestüt konzentriert sich bei der Ausbildung auf die Themen Arbeitssicherheit, Tierschutz und Bildung. »Wir sind größter Ausbildungsbetrieb in ganz Deutschland für den Beruf Pferdewirt und haben gerade 40 Auszubildende«, erzählt Leiterin und Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck. Weil nicht alle Auszubildenden auf dem Hof wohnten, sei vor kurzem Platz geschaffen worden für ukrainische Flüchtlinge. (dpa)

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