Vom Hofgartenschlösschen ins Gissigheimer Schloss

Ausstellung: Jörg Paczkowski und Benno Lehmann präsentieren in Gissigheim Werke des Malers Max Wolf

MAIN-TAUBER-KREIS
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Vorbereitung für die Ausstellung in Gissigheim (von links): Jörg Paczkowski, Burkard Gassenbauer, Benno Lehmann und Lothar Achstetter diskutieren darüber, wie sie die Bilder aufhängen sollten. Foto: Petra Folger-Schwab
Foto: Petra Folger-Schwab
Vom Bet­ten­dorf­schen Sch­loss in Gis­sig­heim (er­baut in der ers­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts) hat man in Wert­heim noch nicht oft ge­hört, da­bei ist es in ei­ner hal­ben Stun­de er­reich­bar. Am Sonn­tag, 26. Ju­ni, be­ginnt dort die Aus­stel­lung »Der Gis­sig­hei­mer Ma­ler Max Wolf und sei­ne Künst­ler­f­reun­de«, ku­ra­tiert von den bei­den Kunst­his­to­ri­kern Jörg Pacz­kow­ski aus Wert­heim und dem Mann­hei­mer Ben­no Leh­mann.

Ursprünglich war die Ausstellung für das Museum Schlösschen im Hofgarten geplant, nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Paczkowski im Februar vergangenen Jahres kam es aber nicht mehr dazu.

Alles in die Wege geleitet

Schon 2020 hätten sie alles für eine Ausstellung in Wertheim in die Wege geleitet, so die beiden Fachleute. Max Wolf passe hervorragend zum Bestand in Wertheim mit den Heidelberger Romantikern und ihren Nachfolgern. Die Planung sei schon weit fortgeschritten und die Zusagen für Leihgaben aus Privatbesitz bereits fest gewesen.

Auf der Suche nach alternativen Ausstellungsräumen sind die beiden Kuratoren in Gissigheim, dem Geburtsort des Malers Max Wolf, fündig geworden. Wir treffen sie beim Aufbau der Ausstellung im Gissigheimer Schloss.

Den einstigen Besitz der Freiherren von Bettendorf, um 1730 erbaut, erwarb 1844 die Gemeinde. Zeitweise diente es als Rathaus und Schule. 2020 wurden Fassade und Dach saniert. Die Gemeinde, der Heimatverein Brehmbachtal und Musikvereine nutzen Räume im Schloss, ein Teil steht noch leer.

Der Heimatverein Brehmbachtal hatte schon länger vergebens Ausschau nach Bildern von Max Wolf gehalten, so der Vorsitzende Lothar Achstetter. Man sei deshalb sofort Feuer und Flamme gewesen, die Ausstellung nach Gissigheim zu holen. Seine Stellvertreter Gerhard Withopf und Burkard Gassenbauer, der sich als Heimatforscher intensiv mit Wolf beschäftigt hat, helfen beim Aufbau mit.

Insgesamt 46 Werke

Vielleicht könne man ja jetzt Bilder kaufen, um an den berühmten Sohn der Gemeinde zu erinnern, sinnieren die Drei im Gespräch. Den Bildern von Max Wolf ist ein eigener Raum gewidmet, die seiner Künstlerfreunde hängen in einem anderen. Insgesamt 46 Werke werden ausgestellt.

Beim Auspacken schwärmt Jörg Paczkowski immer wieder von dem besonderen Licht, sowohl auf Wolfs Bildern als auch auf denen seiner Freunde. Der Nachlass von Wolf, der unverheiratet war, sei lange versteckt worden, so Benno Lehmann. Erst spät habe sich die Familie entschlossen, ihn teilweise in Konvoluten zu veräußern.

Endlich im Geburtsort

Insgesamt ist die Ausstellung eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Kuratoren haben eine passende Ausstellungsmöglichkeit gefunden, danken der Gemeinde für die Unterstützung und sind glücklich über das große Engagement der Mitglieder des Heimatvereins. Diese wiederum haben endlich »ihren« Max Wolf in seinen Geburtsort geholt.

Alle Beteiligten wünschen sich, dass viele Kunstinteressierte den Weg in den beschaulichen kleinen Ort finden werden. Die Ausstellung wird am Sonntag, 26. Juni, um 15 Uhr im Bettendorfschen Schloss in Gissigheim eröffnet. Sie kann bis 16. Oktober an Sonntagen von 13 bis 17 Uhr besucht werden. Dazu ist ein Ausstellungskatalog erschienen. Landtagsvizepräsident Wolfgang Reinhart und Landrat Christoph Schauder haben sich zur Vernissage angekündigt. Zwei Vorträge über Max Wolfs Leben und Werk sind vorgesehen: Am 4. September wird Benno Lehmann sprechen, zur Finissage am 16. Oktober Jörg Paczkowski. Wer sich übrigens am Preisrätsel beteiligt, kann ein Wolf-Werk gewinnen, das in der Finissage verlost wird.

Auch Gruppenführungen

Besuche, auch Gruppenführungen, sind nach Voranmeldung beim Heimatverein Brehmbachtal unter Tel. 09341 3849 (Lothar Achstetter, bis 28. Juli)), Tel. 09340 95060 (Gerhard Withopf) oder unter Tel. 09341 4143 (Burkard Gassenbauer) auch wochentags möglich.

Hintergrund

Zur Person: Der Maler Max Wolf

Max Wolf kam 1824 als sechstes von sieben Kindern in Gissigheim zur Welt. Sein Vater war Rentbeamter im Dienst der Ortsherren von Bettendorf. In Impfingen besuchte er die Grundschule, danach in Tauberbischofsheim das Pädagogium. 1838 zog die Familie nach Heidelberg, wo er Schüler des Lyzeums war. Talent im Zeichnen wurde ihm dort bereits bescheinigt. Das Risiko eines freischaffenden Künstlers war ihm zu groß, sodass er sich für ein Philologiestudium an der Universität Heidelberg entschied, das er 1849 abschloss.

Er arbeitete schließlich als Gymnasialprofessor am Heidelberger Gymnasium und widmete sich neben seinem Beruf mit großer Leidenschaft der Malerei. Es wird vermutet, dass er die Universitätszeichenschule besucht hat. Viele Jahre war er geschätzter Leiter des Heidelberger Kunstvereins. Wolf konnte frei arbeiten, war er doch nicht vom Erlös seiner Kunst abhängig.

Max Wolf ist vor allem bekannt für malerische Momentaufnahmen von "Waldeinsamkeit", wie es im Begleitheft zur Ausstellung heißt. Skizzen fertigte er im Freien an, malte im Atelier. Licht und Schatten wirken auf den Betrachter und zeigen ein tiefes Verständnis für die Natur. Sein Stil wird dem malerischen Realismus zugeordnet, einer damals weitverbreiteten Darstellung der Landschaftsmalerei.

Bekannte Künstler zählten zu Wolfs Freunden. Sechs von ihnen ergänzen die Bilder von Max Wolf in Gissigheim: Durch Bernhard Fries war Wolf zur Ölmalerei gekommen. Fries hatte wie auch Theodor Verhas einen engen Bezug zu Wertheim. Von Karl Weysser, auch "Badischer Spitzweg" genannt, stammt das Porträt Wolfs, das in der Ausstellung gezeigt wird. Auch Carl Ludwig Fahrbach, Georg Maria Eckert und Guido Schmitt sind vertreten. (pefs)

Quelle: Begleitheft zur Ausstellung, Herausgeber Heimatverein Brehmbachtal, 2022.

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