»Kulturgut Fastnacht nicht abschreiben«

Fasching: Aufruf des Narrenpräsidenten Wehrle

BAD DÜRRHEIM
2 Min.

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Auch wenn die Fast­nacht in die­sem Jahr deut­lich sch­ma­ler aus­fal­len wird als in Vor-Co­ro­na-Zei­ten, soll­ten die Nar­ren doch aus Sicht von Ver­bands­prä­si­dent Ro­land Wehr­le so viel wie mög­lich um­set­zen.

Gerade für Kinder und Ältere sei es wichtig, die Tradition unter Beachtung der Hygieneregeln aufrechtzuerhalten, sagte der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). »Wir sollten das Kulturgut Fastnacht nicht sofort abschreiben - sondern versuchen, alles zu tun, was unter Corona-Bedingungen möglich ist.«

Zeitgeschehen glossieren

Wehrle denkt an Auftritte von Narren in Kindergärten oder den Aufzug einer närrischen Kapelle vor einem Pflegeheim. »Und warum sollten nicht auch Narrenblätter verkauft werden?«, fragte er. Schließlich sei das Glossieren des Zeitgeschehens Kern der Fastnacht. Der Präsident geht davon aus, dass alle größeren Veranstaltungen mit hohem organisatorischen und finanziellen Aufwand abgesagt werden. Wer kleiner feiere, werde das vermutlich nicht groß bewerben, damit nicht aus der Region viele Zuschauer dorthin strömten. Gerade für die Hochburgen sehe er da eine Gefahr. Wiederum gebe es auf der Alb Orte, wo schon vor Corona nur 200 Menschen zusammenkamen. »Mit genügend Abstand können die sicher auch dieses Mal feiern.«

Zum traditionellen Auftakt der schwäbisch-alemannischen Fastnacht jetzt am Dreikönigstag könnte es vereinzelt närrische Aktionen wie das sogenannte Einschnellen geben, sagte Wehrle. Ob dann Ende Februar und Anfang März vom »Schmotzigen Dunschtig« bis Aschermittwoch mehr möglich sei, werde vom Verlauf der Pandemie, insbesondere der Ausbreitung der Omikron-Variante des Virus abhängen. Für kommende Woche sei dazu ein Gespräch mit Vertretern aus dem Sozial- und aus dem Innenministerium geplant, sagte der Verbandschef.

Dabei gehe es ebenso darum, ob Umzüge mit 2G- oder 2G-plus-Regeln entlang der Strecke möglich seien - also nur für Geimpfte und Genesene, gegebenenfalls mit aktuellem Test. »Immer im Bewusstsein, dass man das nicht völlig kontrollieren kann.« Ausschlaggebend werde vor allem sein, ob Baden-Württemberg an den Haupttagen der »fünften Jahreszeit« noch die Alarmstufe ausgerufen hat. »Bis dahin sind es aber ja noch mehr als sechs Wochen«, so der Verbandspräsident.

Viele größere Umzüge wie in den rheinischen Schwesterstädten Ludwigshafen und Mannheim sind schon abgesagt. Die Freiburger Fasnet beispielsweise wird 2022 wieder nur online stattfinden.

»Völlig daneben«

Wenig Verständnis zeigte Wehrle für Pläne der Narrengilde Lörrach, die Fastnacht coronabedingt in den Sommer zu verlegen. Das sei »völlig daneben«. Die Fastnacht gehöre in eine bestimmte Zeit. »Das ist einer der Höhepunkte des Jahreslaufs, die auch ein bisschen den Alltag unterbrechen sollen«, sagte Wehrle. »Niemand käme auf die Idee, Weihnachten pandemiebedingt zu verschieben oder Ostereier im Sommer zu suchen, weil im Frühjahr noch Schnee liegt.«

Obergildenmeister Jörg Rosskopf aus Lörrach hielt dem entgegen, dass Lörrach anders als etwa Villingen und Rottweil keine althistorische Fastnacht habe. »Da könnte ich die Kritik in einem gewissen Grad nachvollziehen. Aber die Fastnacht in Lörrach, wie sie heute ist, ist 1936 entstanden.« Geplant sei ein buntes Sommerfest, das bewusst nicht Fastnacht heißen solle. Vor allem der Umzug werde in die Pfingstferien verlegt, aber nicht alle Programmpunkte der Fastnacht.

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