Kaufmännische Schule Wertheim ist 100 Jahre alt - Festakt

Berufliches Schulzentrum

Wertheim
3 Min.

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Der Geist aus hundert Jahre kaufmännische Schule weht noch heute durch das Berufliche Schulzentrum Wertheim. Dies zeigte die Theater AG der Schule beim Jubiläumsfest am Donnerstag.
Foto: Birger-Daniel Grein
Wie war es früher an der kaufmännischen Schule Wertheim. Darüber sprach Mirco Göbel (links) beim Jubiläumsabend mit dem einstigen Schulleiter Gernot Schulz und der pensionierten Lehrkraft Roland Olpp.
Foto: Birger-Daniel Grein
Die kauf­män­ni­sche Schu­le am Be­ruf­li­chen Schul­zen­trum Wert­heim fei­er­te ih­ren 100. Ge­burs­tag.

1921 begann die Geschichte der kaufmännischen Schule in Wertheim, zuerst in der Wertheimer Mühlestraße, ab 1953 in der Alten Steige Wertheim und ab 1980 am Standort Bestenheid. Die Schule wurde zum Erfolgsmodell. Mit einem Jahr pandemiebedingter Verzögerung feierte man am Donnerstag in der Aula des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) das hundertjährige Bestehen.

Die Schule steht unter Trägerschaft des Landkreises. Der erste Landesbeamte Florian Busch gratulierte auch im Namen des Landrats. Er wünschte der Schule auf dem Weg in die Zukunft alles Gute. Die Landkreisverwaltung freue sich auf die kommenden gemeinsamen Jahre. Die Gründung der Schule sei ein zukunftsweisender und wegweisender Schritt gewesen und die Akteure hätten Weitsicht bewiesen. Die kaufmännische Schule habe die Wirren eines ganzen Jahrhunderts überdauert und dabei ihre Wichtigkeit bestätigt. Er verwies weiter auf die großen Investitionen des Landkreises in das BSZ, bis 2026 rund 46,5 Millionen Euro. Die beruflichen Schulen seien für die Zukunftsfähigkeit des Landkreises wichtig und hätten Strahlkraft über diesen Hinaus. So gebe es vor allem in Wertheim auch viele bayrische Schülerinnen und Schüler.

Für berufliche Zukunft gelernt

Die Gratulationen der Kreisstadt überbrachte Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez. Er betonte, ohne das BSZ und damit die kaufmännische Schule wäre die Wertheimer Schullandschaft unvollständig. Generationen hätten dort ihre Allgemeinbildung vertieft und wertvolles für ihre berufliche Zukunft gelernt. So wird es auch in Zukunft sein, ist er überzeugt. Man feiere 100 Jahre Menschen, die lernen, lehren und den Schulbetrieb aufrecht erhalten. Es sei wichtig, dass die Absolventen den Firmen und Wertheim und Umgebung zur Verfügung stehen. Der Umzug von der alten Steige in einen Neubau nach Bestenheid gegen den Willen des Oberschulamts sei ein Meisterstück der damaligen Politiker von Stadt und Landkreis gewesen, blickte er zurück.

Christine Bayer, Vorsitzende der Fachschaft Wirtschaft am BSZ, stellte fest, kaufmännischer Instinkt sei gut, aber zusammen mit kaufmännischem Wissen sei es besser. An den kaufmännischen Schularten vermittle man kaufmännisches Wissen und wecke Interesse an deren Themen. Der Wissensumfang sei in den hundert Jahren massiv gestiegen. "Die Wirtschaftswissenschaften sind das einzige Fach, in der jedes Jahr auf die gleichen Fragen, andere Antworten richtig sind." Es seien aber auch neue Fragestellungen dazu gekommen. Wirtschaft sei ein sehr dynamisches Fach. Diese Dynamik trage man an der Schule ausgeprägt Rechnung.

Erfolg durch Menschen

Abteilungsleiter Patrick Schönig betonte, Menschen sollen im Mittelpunkt des Festabends stehen. So legte er den Schwerpunkt in seinem Rückblick auf die Menschen, die die kaufmännische Schule Wertheim voranbrachten. "Der Erfolg dieser Schule ist mit vielen Menschen verbunden." Er wünschte sich, dass der Jubiläumsabend Impuls für einen Prozess zur Namensgebung des BSZ wird.

Spannend und unterhaltsam waren die Interviews zur kaufmännischen Bildung gestern, heute und morgen, die Mirco Göbel, Stabstelle Integration, auf der Bühne führte. Im Gespräch hatte er ehemalige Lehrer und Schulleiter, aktuelle Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler des aktuellen Abiturjahrgang 2023 des Wirtschaftsgymnasiums.

In seiner Abschlussrede dankte BSZ-Schulleiter Manfred Breuer Landkreis und allen am Schulleben und Fest beteiligten. Er erinnerte an die Anfänge der Schule 1921, als die damalige Gewerbeschule mit dort angesiedelten kaufmännischen Klassen in zwei eigenständige Schulen aufgeteilt wurde. Zuvor waren sie unter einem Dach. 1989 seien drei eigenständige Schulen unter einer Leitung zum BSZ zusammengelegt worden. So schließe sich der Kreis.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch BSZ-Lehrkraft Sonja Freitag mit Gesang. Zudem lies die neu gegründete Theater-AG der Schule in Video und Liveauftritt den Geist der Geschichte der kaufmännischen Schule lebendig werden.

Hintergrund: Kaufmännische Bildung

Beim Jubiläumsfest 100 Jahre kaufmännische Schule Wertheim führte Lehrer Mirco Göbel Interviews zum Thema "Kaufmännische Bildung gestern - heute - morgen". In der ersten Runde blickten Roland Olpp (Oberstudienrat im Ruhestand) und Gernot Schulz (Oberstudiendirektor im Ruhestand) auf die Entwicklung zurück. Olpp war von 1979 bis 2015 Lehrer an der Schule, Schulz von 1984 bis 1998 Schulleiter. Olpp erinnerte sich an die sehr beengten Verhältnisse am Standort Wertheim. Zeitweise habe er Deutsch und Gemeinschaftskunde mit kleinen Klassen im Heizungskeller unterrichtet.

Schulz berichtete, der Neubau in Bestenheid sei die einzige sinnvolle Lösung für den wachsenden Platzbedarf gewesen. In der zweiten Talkrunde kamen vier aktuelle Lehrkräfte zu Wort, die sich auf verschiedene Wege entschieden hatten Berufsschulehrkräfte zu werden. Sie berichteten, neben fachlichen Änderungen habe es auch viele technische Änderungen im Unterricht gegeben, von der Stenoschreibmaschine bis zum Smartboard.

Diese technische Entwicklung war beim Fest auch in einer kleinen Ausstellung zu sehen. Außerdem nutzten die Schüler heute vermehrt Tablets, um Unterrichtsergebnisse abzufotografieren. Das erinnere etwas an Touristen. Man werde im Wirtschaftsbereich ständig mit tagesaktuellen Themen konfrontiert und setze diese auch unterrichtlich um, wurde ebenso berichtet. In der dritten Interviewrunde kam die Zukunft in Form von sieben angehenden Abiturienten des Wirtschaftsgymnasiums (WG) zu Wort. Sie betonten, dass das Wissen aus den wirtschaftlichen Fächern auch im Alltag nützlich sei. Vorteil des WG sei ein dem allgemein bildenden Gymnasium gleichwertiges Abitur in neun statt acht Jahren und das wirtschaftliche Vorwissen. Das WG bilde aber auch über den wirtschaftlichen Fachbereich hinaus, waren sie überzeugt. bdg

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