Infrarotspektroskopische Materialanalysen

Firmengründung: Viktoria Rawinski hat sich mit ihrem neuen Unternehmen in Kreuzwertheim angesiedelt und will 2021 durchstarten

Kreuzwertheim
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Jung-Unternehmerin Viktoria Rawinski bei einer Untersuchung. Foto: Peter Riffenach
Foto: Peter Riffenach

Als Kind spielte Viktoria Rawinski immer mit Werkzeugen, und es war absehbar, dass ihr Berufsweg in den technischen Bereich führen wird. Weil sie auch noch als Ingenieurin mit einer »unbändigen Neugier« gesegnet ist, hat sie sich jetzt selbstständig gemacht und dabei ein Metier gewählt, in dem sie ihre Erfahrungen aus der angewandten Forschung, Analytik und Materialcharakterisierung einbringen kann.

Als für sie feststand, dass sie sich selbstständig machen möchte, habe sie eine Strategie erarbeitet, um sich auf mehrere Beine zu stellen, berichtet die Unternehmerin. »Eines davon ist die Analytik, mit der ich jetzt begonnen habe.«

Die Coronakrise hat die 41-Jährige für vorbereitende Arbeiten und den Ausbau der zahlreichen nationalen und internationalen Kontakte genutzt, die sie bei ihren vorherigen Arbeitgebern knüpfen konnte. »Alles, um im kommenden Jahr richtig durchstarten zu können«, sagt sie.

Erfreulich gelaufen sei die Suche nach einem Büro, so die geschäftsführende Gesellschafterin. Sie hat im Kreuzwertheimer Altort ideale Räume gefunden, die frei wurden, als sie anfing, sich umzuschauen, berichtet sie. »Der Vormieter war ein Caterer, und davor war ein Friseursalon in dem Haus aus dem 19. Jahrhundert, das ein tolles Raumklima hat«, erklärt Rawinski und ergänzt, dass das Mauerwerk sowohl Temperatur- als auch Feuchtigkeitsschwankungen ausgleiche.

Molekularer Fingerabdruck

In die Einrichtung und Ausstattung ihrer Firma habe sie einen Großteil ihrer Rücklagen investiert, berichtet die Geschäftsführerin. Wenn es darum geht, was sie denn eigentlich für Leistungen oder Produkte anbietet, wird es sehr technisch: »Wir haben uns zunächst auf infrarotspektroskopische Materialanalysen fokussiert.« In dem Analysegerät, das sie zum Preis eines Kleinwagens erworben hat, werde der molekulare Fingerabdruck ermittelt. »Der ist für jedes Material sehr spezifisch und unverwechselbar«, sagt Rawinski, die ihre Analysen mit einem Forschungsspektrometer vom Weltmarktführer, der amerikanischen Firma Bruker, vornimmt.

Damit könnten Materialzusammensetzungen eindeutig identifiziert werden, was beispielsweise für die Qualitätskontrolle sehr wichtig ist. »Mit den etablierten Prüfmethoden können manchmal gravierende Qualitätsabweichungen, wie beispielsweise zu hoher Feuchtigkeitsgehalt, thermische Schädigungen, unzureichender Vernetzungsgrad oder chemische Verunreinigungen nicht erkannt werden, was mit unserem Gerät zu bezahlbaren Kosten möglich ist«, so Rawinski.

Auch für Privatkunden

Und nicht nur für Geschäfts-, sondern auch für Privatkunden könnte die Analyse interessant sein, wie sie erklärt und berichtet: »Ich habe unter anderem mein Lieblingsbier analysiert und darin Rückstände eines Filterhilfsmittels gefunden.«

Es handelt sich dabei um Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP), ein Granulat aus Plastik, das vor allem von Großbrauereien verwendet wird, um Trübstoffe herauszufiltern. »Ich habe auch Bier regionaler Brauereien untersucht, und dort war dieser Stoff nicht feststellbar«, so Rawinski, die inzwischen im privaten Bereich von Meersalz auf Steinsalz umgestiegen ist. »Mithilfe des Spektrometers konnte ich im Meersalz Mikroplastik nachweisen, was man nicht unbedingt in seiner Nahrung haben möchte.«

Überraschend sei eine weitere Untersuchung für sie gewesen. »Ich musste feststellen, dass Rückstände von Acrylnitril in Bananen nachgewiesen werden können«, berichtet sie.

Dabei handelt es sich um den Basiswerkstoff des Klebers, mit dem der Aufkleber beschichtet ist, der außen auf der Banane klebt. Es sei auch für sie sehr erstaunlich gewesen, dass der Werkstoff offensichtlich mühelos durch die Schale dringt.

bInformationen: Rawinski GmbH im Internet unter www.rawinski.de

Zur Person: Viktoria Rawinski

Geboren vor 41 Jahren im Grenzgebiet Kasachstans zu China und zur Mongolei kam Viktoria Rawinski Mitte der 1990er Jahre mit ihren Eltern nach Deutschland. Über Hauptschule, Werkrealschule und Fachoberschule erwarb sie 2001 die Befähigung zum Besuch der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS), wo sie ein Ingenieurstudium im Studiengang Kunststoff- und Elastomertechnik absolvierte.

Während des Studiums arbeitete sie drei Jahre als Werkstudentin am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg, wo sie nach dem Diplom annähernd sieben Jahre als Entwicklungsingenieurin beschäftigt war. Danach wechselte sie zur Firma GlobalPoint ICS in Wertheim und 2011 als Assistentin des Vorstandsvorsitzenden zu Kurtz-Ersa, wo sie später für den Aufbau der Hammerakademie und des Hammermuseums zuständig war. Bis zu ihrem Ausscheiden 2020 war sie neben ihrer Funktion als Museumsleiterin auch für die Unternehmenskommunikation verantwortlich. Neben ihrer Selbstständigkeit hält Rawinski seit 2019 zusätzlich als Dozentin Vorlesungen in Werkstoffkunde von Metallen an der FHWS. ()

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!