Immer mehr Pflegebedürftigte

Studie: Die Lage in der Altenpflege spitzt sich zu: Menschen müssen betreut werden, doch es fehlt an Personal

STUTTGART
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Die Zahl der Pflegebedürftigen wird laut einer Studie bis 2030 stark zunehmen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Foto: Bernd Weißbrod
Die Si­tua­ti­on in der Al­tenpf­le­ge in Ba­den-Würt­tem­berg wird nach ei­ner Prog­no­se der Kran­ken­kas­se Bar­mer bri­s­an­ter als bis­her an­ge­nom­men. Bis zum Jahr 2030 wer­den dem­nach 710.000 Men­schen auf ent­sp­re­chen­de Hil­fe an­ge­wie­sen sein, wie aus dem am Don­ners­tag in Stutt­gart ver­öf­f­ent­lich­ten Pf­le­ge­re­port der Kran­ken­kas­se her­vor­geht.

Das seien über ein Fünftel mehr Menschen, die dann Hilfe benötigten als bislang angenommen. Zugleich würden zusätzlich 4000 Pflegekräfte fehlen. Ursachen für diese Entwicklung seien unter anderem die demografische Entwicklung und der vereinfachte Zugang zu Leistungen. Die Studie wurde von Wissenschaftlern der Universität Bremen erstellt.

Barmer-Landesgeschäftsführer Winfried Plötze sagte, die Situation in der Pflege werde sich verschärfen. Die Ampel-Koalition müsse das Thema zur Chefsache machen. »Die Pflege hat bisher ein Imageproblem gehabt. Das wandelt sich aber.« Man müsse weiter daran arbeiten, um mehr junge Leute für diesen Bereich zu interessieren. Aber auch die Pflegeeinrichtungen müssten ihren Teil dazu beitragen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und für die Branche werben.

Der Vorstand des Caritasverbandes Konstanz, Andreas Hoffmann, sagte, Fachkräfte aus dem Ausland lösten das Problem nicht. Zugleich kritisierte er die Politik, dass es immer noch keine konkreten Vorgaben zur Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht gebe.

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) sagte, dass Land investiere bereits in mehr Medizin-Studienplätze und setze engagiert das Pflegeberufereformgesetz für die reformierte generalistische Ausbildung von Pflegekräften um. Auf Grundlage der Empfehlungen der Enquetekommission Pflege würden Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen umgesetzt - zum Beispiel Teilzeitausbildungen, um so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. »Die generalistische Pflegeausbildung eröffnet zudem bessere Aufstiegs- und Karrierechancen.«

Auch der Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland komme eine tragende Funktion zu, sagte Lucha und betonte: »Hier gilt es jedoch, auch die Belange der Herkunftsländer bei der Sicherstellung ihres eigenen Versorgungsbedarfs zu berücksichtigen.«

Verdi-Gesundheitsexpertin Irene Gölz zufolge braucht es mehr Personal durch eine verbindliche Personalbemessung und eine Aufwertung der Pflegeberufe. »Dafür muss die Finanzierung gesichert werden, damit es nicht die Pflegebedürftigen sind, die dies bezahlen müssen.« Die Gewerkschaft fordere deshalb eine solidarische Pflegegarantie mit einer Pflegevollversicherung.

Barmer-Chef Plötze sorgt sich auch wegen der seit Jahren steigenden finanziellen Eigenanteile der Pflegebedürftigen. Dies sei eine gewaltige Herausforderung. Um einen Platz in einem baden-württembergischen Pflegeheim zu finanzieren, müssen die Bewohner mehr Geld ausgeben. Der selbst zu zahlende Anteil betrug zu Jahresbeginn 2541 Euro, wie aus Daten des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) mit Stand 1. Januar hervorgeht. Das sind 136 Euro mehr als Anfang vergangenen Jahres.

Hintergrund: Arbeitskräfte in der Altenpflege stark belastet

Für die Arbeitskräfte in der Altenpflege ist ihre Tätigkeit eine starke Belastung. Nach Angaben von Winfried Plötze von der Krankenkasse Barmer waren die Mitarbeiter im Jahr 2020 26,6 Tage krankgeschrieben. 11,5 Tage länger als im landesweiten Durchschnitt. Der hohe Krankenstand von 7,3 Prozent (Landesdurchschnitt: 4,1 Prozent) erhöhe die Arbeitsbelastung für die verbliebenen Pflegekräfte. Es seien bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege notwendig, sagte der Krankenkassen-Vertreter. (dpa)

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