Hoffnung auf den Chefsessel im Rathaus von Kist

Kommunalwahl: Warum der langjährige Reicholzheimer Stephan Spall der Bürgermeister seines bayerischen Heimatorts werden will

Wertheim
3 Min.

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Stephan Spall im Esszimmer seiner Wohnung in Reicholzheim. Foto: Peter Riffenach
Foto: Peter Riffenach

Obwohl wenn Stephan Spall seit 1993 im baden-württembergischen Reicholzheim wohnt, hat er die Verbindungen in seinen bayerischen Heimatort Kist nie verloren. »Ich habe seit über 50 Jahren einen Wohnsitz in Kist und meine Familie lebt auch hier«, sagt der Erste Polizeihauptkommissar. Jetzt will er Bürgermeister des 2600-Einwohner-Orts Kist werden.

Barfuß und leger empfängt Stephan Spall in der Wohnung im Haus seiner Schwiegereltern in Reicholzheim, die er seit 1993 mit seiner Frau Ulrike und seinen drei Kindern bewohnte. »Wir haben damals kurz überlegt, ob wir nicht in Kist bauen wollen, aber damals waren nicht nur die Baulandpreise, sondern vor allem auch die Zinsen sehr hoch«, erinnert er sich. Es ist Spall sicher nicht leicht gefallen, ins baden-württembergische »Ausland« umzuziehen, schließlich war er nur wenige Jahre zuvor zum jüngsten CSU-Ortsvereinsvorsitzenden Bayerns und zum jüngsten Gemeinderat von Kist gewählt worden.

Vor dem endgültigen Umzug nach Reicholzheim sei vom politischen Gegner, ähnlich wie es beispielsweise in Wertheim vor kurzem war, die Diskussion losgetreten worden, wo der Spall denn seinen Wohnsitz habe. »Das hat sich zumindest in Bayern zwischenzeitlich verändert. Inzwischen ist es auch bei Gemeinderatswahlen nicht mehr unbedingt notwendig, dass man seinen ersten Wohnsitz in dem Ort hat, in dem man sich zur Wahl stellt, sondern dass man seinen Lebensmittelpunkt hier hat.« Und den habe er inzwischen wieder in Kist, weshalb er hier nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Spitzenkandidat für den Gemeinderat kandidiert.

Schon 2008 und 2014 sei er gefragt worden, ob er nicht als Bürgermeister kandidieren wolle, erklärt der 55-Jährige. »Gereizt hätte es mich schon, aber zunächst standen die Kinder im Vordergrund und später ist dann meine Frau erkrankt und sie stand natürlich an erster Stelle«, begründet er seinen damaligen Verzicht. Inzwischen ist Ulrike Spall leider verstorben, seine Kinder sind erwachsen und er habe beruflich alles erreicht. Deshalb und weil ihm Kist besonders am Herzen liegt, habe er sich im vergangenen Jahr zur Kandidatur um den Bürgermeisterposten beworben. »Ich steige wieder da ein, wo Politik am meisten Spaß macht, nämlich in der Kommune.«

Er sei überzeugt, mit seiner Erfahrung und Kraft sowie seinem Netzwerk für seine Heimatgemeinde und ihre Bürger viel erreichen zu können, begründet er seine Bewerbung. Viele Mitstreiter aus seiner Zeit in der CSU-Jugendorganisation hätten inzwischen Karriere in der Regierung gemacht und diese Kontakte wolle er zugunsten von Kist nutzen, so Spall, der es als großen Vorteil empfindet, dass er in »alte Geschichten und Konflikte« nicht verwickelt ist. Damit spielt er auf einen Streit zwischen der CSU und den Bürgern für Kist (BFK) und dem amtierenden Bürgermeister Volker Faulhaber (59) vor der vergangenen Kommunalwahl an.

Chancen schwer einschätzbar

Die Auseinandersetzung um private Steuerdelikte und Untreue im Amt führte damals nicht nur zur Wiederwahl von Faulhaber, sondern auch dazu, dass die SPD neun Sitze im Gemeinderat gewann und damit mehr als die CSU (3) und die BFK (2) zusammen. »Kist ist seither tief gespalten und ich möchte mich als Bürgermeister dafür einsetzen, dass Parteipolitik aus dem Gemeinderat herausgehalten wird.« Falls er gewählt wird, will er sich vorrangig darum kümmern, dass die Verkehrssituation für Kist verbessert wird, sich für die Erschließung eines Gewerbegebiets nördlich von Kist einsetzen und um die Förderung der Vereine sowie eine vorausschauende Bedarfsplanung von Schule und Kindergärten kümmern. Spall hat mit dem bisherigen Amtsinhaber, der seit 2002 an der Spitze der Gemeinde steht, lediglich einen Gegenkandidaten.

Seine Chancen könne er nur sehr schwer einschätzen, erklärt der Herausforderer. Er glaubt zwar eine gewisse Unzufriedenheit mit Faulhaber ausgemacht zu haben, aber man könne nicht sagen, ob sie sich im Wahlergebnis niederschlägt. »Wir müssen einfach schauen, was am 15. März passiert«, übt er sich in Geduld.

Zur Person: Stephan Spall

Geboren wurde Stephan Spall am 27. September 1965 in Würzburg. Seit 8. August 1968 hat er durchgehend einen Wohnsitz in Kist. Nach der Oberstufenreife am Deutschhaus-Gymnasium in Würzburg absolvierte er ab 1983 eine Ausbildung zum mittleren Dienst bei der Polizei.

Nach mehreren Stationen und einem Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Bayern, das er als Diplom Verwaltungswirt (FH) abschloss, ist Spall seit 2017 Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Einsatzzentrale im Polizeipräsidium Unterfranken in Würzburg.

Ehrenamtlich engagierte sich Spall, der in seiner Freizeit Judo und Ju-Jutsu betreibt, als Trainer und Kampfrichter sowie als Pfarrgemeinderat (ab 1982) und als Gemeinderat (ab 1990) in Kist. Zudem war er Personalrat bei der Bereitschaftspolizei Würzburg (ab 1990) und gründete 1997 den Luftsportverein Wertheim, dessen Vorsitzender er seither ist. Mit seiner Tochter Elena, inzwischen fertige Medizinerin, gründete er 2014 den Verein »Future E.D.M«, der Kinder im Senegal unterstützt und organisierte eine Reihe von Benefizveranstaltungen für den Verein. Für sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement wurde er 2014 mit dem Ehrenamtsabzeichen des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Der verwitwete dreifache Vater verlor seine Frau Ulrike, mit der er seit 1993 in Reicholzheim lebte, im Dezember 2016. ()

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