Fundament für dauerhaften Austausch gelegt

Partnerschaft: Daniel Schleßmann und Nadine Kempf vom evangelischen Kirchenbezirk Wertheim besuchen eine Jugendkonferenz im ghanaischen Boso

Wertheim
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Trommeln gehört ganz einfach zu Afrika: Nadine Kempf hat es auch ausprobiert. Die 22-Jährige aus Bettingen studiert in Heidelberg Theologie und hat Ende Juli an einer Jugendkonferenz im ghanaischen Boso teilgenommen.
Foto: privat
Nach­dem die Part­ner­schaft des Kir­chen­be­zirks Wert­heim zum Be­zirk Vol­ta der Pres­by­te­ri­an Church of Gha­na (PCG) in­zwi­schen auf ei­nem fes­ten Fun­da­ment steht, wur­de vo­ri­ges Jahr beim Be­such von Mi­cha­el Paa-Qu­e­cy Adu in Wert­heim be­sch­los­sen, ei­ne Ju­gend­be­geg­nung zu ar­ran­gie­ren.
Um sich vor Ort zu informieren und die Modalitäten abzusprechen, nahmen Daniel Schleßmann (33) und Nadine Kempf (22) Ende Juli an einer Jugendkonferenz in Boso teil. Im Gespräch mit dieser Zeitung berichteten die beiden über ihre Erlebnisse.
»Eigentlich war nur ein Wochenende geplant. Aber weil sich die lange Reise wegen einiger Tage nicht gelohnt hätte, haben wir noch drei Tage Sightseeing drangehängt«, berichtet Schleßmann. Der Vorsitzende der evangelischen Bezirksjugend arbeitet im »normalen« Leben als IT-Leiter an der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim. »Wir haben einen kurzen, aber intensiven Einblick in die Verhältnisse vor Ort bekommen«, sind sich die beiden einig und Kempf ergänzt: »Die Eindrücke waren einfach überwältigend.«
Alleine der Konferenzort, nämlich Boso, drei Stunden Autofahrt von der Hauptstadt Accra entfernt am Voltasee gelegen, habe einen besonderen Reiz, berichten die beiden. »Man hatte direkten Blick auf den See«, erzählt die 22-Jährige, die in Heidelberg Theologie studiert - mit dem Berufsziel Pfarrerin.
An der Bezirksjugendkonferenz nahmen rund 200 Delegierte teil, berichtet Schleßmann und ergänzt: »Der Bezirk Volta hat die Fläche der Badischen Landeskirche, allerdings wohnen viel weniger Menschen dort.« Den Ablauf der Konferenz schildern die Jugendvertreter als »etwas trocken«, weil der Ablauf fast ausschließlich aus Rechenschaftsberichten und Gremienarbeit bestand.
»Der Ablauf war vollkommen durchgetaktet«, so Kempf, wobei sich die deutschen Gäste verweigerten, wie die anderen um 4.30 Uhr aufzustehen und bis Mitternacht zu tagen. »Unsere Einladung sind wir aber doch losgeworden«, bemerkt die Bezirksjugendvertreterin, wobei es bei dem Besuch darum gegangen sei, zunächst die grundsätzliche Bereitschaft der ghanaischen Seite abzuklären, an einem Jugendaustausch teilzunehmen. »Es ist noch alles in der Planung und nichts von den Gremien abgesegnet«, stellt Schleßmann fest.
Fördermöglichkeiten abklopfen
Ziel sei es, sechs bis acht Jugendliche im Alter zwischen 18 und 30 Jahren nach Deutschland einzuladen. »Wobei wir Wert darauf legen, dass genau so viele unter wie über 25 Jahre alt sind«, stellten die Vertreter aus Deutschland bei ihrem Besuch klar.
Die Jugendvertreter im Bezirk Volta wechselten alle drei Jahre und die Fluktuation sei relativ hoch, berichten die Vertreter des Kirchenbezirks Wertheim. »Das hängt damit zusammen, dass in Ghana Führungspositionen bei der Bezirksjugend erst mit über 25-Jährigen besetzt werden und sie aber ab 30 nicht mehr zur Jugend zählen. »Weil uns aber an einer Verstetigung der Kontakte nach Volta gelegen ist, erscheint es uns wichtig, dass auch Jüngere, die vielleicht erst in ein paar Jahren in eine Führungsposition rücken, mit nach Deutschland kommen.«
Ins Auge gefasst wurden die Monate August oder September nächsten Jahres, berichten die deutschen Jugendvertreter. Wobei jetzt die Fördermöglichkeiten abgeklopft werden müssten. »Ich denke, wir können mit einem Zuschuss rechnen und vielleicht finden wir ja auch den einen oder anderen Sponsor«, so Schleßmann. Die ghanaische Seite habe schon klargestellt, dass man sich an den Kosten beteiligen wolle. Aber alleine die Bürgschaft, die für jeden Gast hinterlegt werden müsse, um sicherzustellen, dass er auch wieder aus Deutschland ausreise, mache pro Person einen vierstelligen Betrag aus, berichtet Schleßmann.
Der 33-Jährige erwartet sich von dem Besuch, damit das Fundament für ein dauerhaftes Austauschprogramm zu legen und auf beiden Seiten Bewusstsein für die Situation des jeweils anderen zu schaffen. »Schön wäre es, wenn sich vielleicht mal ein Schüler finden würde, der nach seinem Abschluss für eine gewisse Zeit zur sozialen Arbeit nach Volta geht.«
Eine Art »Superstarrolle«
Obwohl sich die deutschen Gäste im Vorfeld auch »Sightseeingtermine« gewünscht hatten, war auch das kein »normaler Urlaub«, sondern ein Arbeitsbesuch. Das Besichtigungsprogramm reichte von einer Computerschule über eine Highschool, an der auch praktische Ausbildung in einem Handwerksberuf erteilt wird, bis hin zum Besuch von Gottesdiensten, die natürlich komplett anders abliefen als in Deutschland. »Besonders befremdlich war, dass die Musik bei der Kollekte so lange spielt bis der Säckel voll ist«, bemerkt Schleßmann mit einem Schmunzeln.
Und natürlich wurden die Gäste von einem Empfang zu anderen, unter anderem auch bei Dekan Felix Asante, »geschleppt«. »Da war es schon gut, dass wir als Gastgeschenke eine große Zahl von T-Shirts der Jugendkirche mitgenommen hatten«, erklärt die angehende Pfarrerin, die zum Gespräch ein Shirt angezogen hat, das sie in Ghana geschenkt bekam.
Anfangs sei es schon etwas befremdlich gewesen, dass man als Weißer überall angestarrt wurde und eine Art »Superstarrolle« hatte. »Nach der Bezirkskonferenz wollte beispielsweise jede Gruppe ein Foto mit uns machen«, sagt Nadine Kempf. Auch dass einem überall »Obroni«, das Twi-Wort (ein ghanaischer Dialekt) für Fremder, nachgerufen wird, habe ihn nicht wirklich gestört, sagt Schleßmann. Nach der Rückkehr vermisst er eines ganz besonders: »Das Essen war wirklich toll.« Peter Riffenach
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