Flurbereinigung im Bettinger Forst?

Ortschaftsrat Bettingen: Förster Martin Rösler präsentiert Waldbericht - Derzeit sterben viele Eschentriebe

Wertheim
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»Der Kli­ma­wan­del ist ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung«, sag­te Bet­tin­gens Orts­vor­ste­her Ralf Tsc­höp am Don­ners­ta­g­a­bend in der Ort­schafts­rats­sit­zung in der Main­wie­sen­hal­le in Bet­tin­gen. Wald sei da wich­tig, der Bet­tin­ger Stadt­wald da­bei aber auch ein Wirt­schafts­wald.

Der Einsatz der Wald-Erntemaschine (Harvester) sei dabei unumgänglich, auch wenn ihm jede Waldromantik abgehe, betonte Tschöp. Förster Martin Rösler fasste die Lage im 90 Hektar umfassenden Bettinger Wald zusammen: 50 Hektar gehören der Stadt, der Rest sei in viel zu vielen Privathänden, als dass man die Flächen wirtschaftlich zufriedenstellend nutzen könnte, klagte Rösler.

Rund 140 Waldbesitzer

Rund 140 Besitzer teilten sich 400 Waldstücke, von denen viele nur wenige Meter breit sind, so dass Bewirtschaftung und Holzeinschlag fast unmöglich würden. »Wenn man da einen Baum fällt, dann kippt der gleich über mehrere Nachbargrundstücke«, machte der Förster anschaulich. Es gebe auf diesen Micro-Flächen durchaus hiebreifes und werthaltiges Holz, nur könne man es, ob der kleinteiligen Struktur, kaum ernten. Röslers Resümee: »Die Situation ist unbefriedigend, die Waldbesitzer müssten sich zusammenschließen«. Aus Röslers Sicht wäre die Ortsverwaltung am Zug, eine Flurbereinigung anzustoßen, doch waren ähnliche Bestrebungen schon vor Jahren an verworrenen Besitzverhältnissen gescheitert. Seither ist die Zahl von zerstreuten Erbengemeinschaften nur weiter gewachsen.

Beratungsangebot

Rösler selbst bietet den Waldeignern seine Expertise und Beratung zu Einschlag und Vermarktung des Holzes an. Damit es lohnt, müssten sich jedoch mindestens 30 bis 40 der Waldbesitzer zusammenfinden. Im Ortschaftsrat hält man das für absolut wünschenswert aber gleichzeitig für nicht umsetzbar.

Douglasie Buche und Eiche sind die derzeit wichtigsten Baumarten in Röslers Revier. Alle haben davon profitiert, dass der vergangene Sommer weniger heiß war als die vorangegangenen.

Von Entwarnung war trotzdem keine Rede, auch weil Schädlinge dem Wald zusetzen. »Große Sorge macht die Buche«, sagte Rösler. Von dürren Kronen gehe Gefahr aus, man entnehme Stämme, auch, um, solange es noch gehe, den Holzwert mitnehmen zu können. Im Unterholz zeige sich derzeit eine Buchenverjüngung, ob die gesund aufwachsen werde, müsse man abwarten.

Massiv sei das Eschentriebsterben. Totes Kronenholz mache den hergebrachten händischen Einschlag risikoreich, man hole die Stämme maschinell wo es eben gehe, sagte Rösler.

Allgemein setzt er vielfach auf Naturverjüngung, hat in den vergangenen Jahren auch eine große Anzahl, teils exotischer Gehölze bis hin zur Pekannuss, hinzugepflanzt, um deren Wuchschancen auszuloten. Generell gelte derzeit: »Es gibt große Vielfalt im Bettinger Wald«.

Mehr Nadelhölzer geplant

Die Stadt Wertheim als Eigner setze derzeit darauf, den Nadelholzanteil im Stadtwald zu erhöhen. Rösler betonte dabei den Naturschutz in seiner Vielfalt, den gezielten Erhalt besonders alter Bäume und die Schaffung von Waldrefugien - das sind Zonen, die sich, zum Wohl der Natur, selbst überlassen und aus der aktiven Bewirtschaftung herausgenommen werden.

Die Umwelt stand auch im Mittelpunkt des Berichts von Alexandra Thielen - sie arbeitet im kommunalen Referat für Stadtplanung und Umweltschutz. Thielen berichtete über knapper werdende Ausgleichsflächen, mit denen Eingriffe des Menschen in die Natur abgegolten werden sollen. Beim für Bettingen relevanten Warema-Bau habe man beispielsweise eine sehr große Ausgleichsfläche gebraucht.

Ziel sei es, die Ausgleichsflächen im möglichst nahen Umfeld zu verwirklichen, im Fall der anstehenden künftigen Bebauung des Areales der Schweizer Stuben werde das voraussichtlich sogar innerhalb der Fläche gelingen können.

Allgemein sei das Verfahren komplex, fuße auf Bundesumweltgesetzgebungen, dem Baugesetzbuch und der Bauordnung. Man unterscheidet zwischen Ausgleich - er bedeutet grob gesprochen eine Verlagerung der Naturfläche - und dem Ersatz.

Da geht es um Schaffung anderer, aber gleichwertiger, Naturräume. Die Wertigkeit wird derzeit nach einem Punktesystem bestimmt. Zunehmend werde es schwieriger Ausgleich zu schaffen. »Wir merken, dass die Flächen auf der Gemarkung begrenzt sind«, sagte Thielen.

Man spüre das derzeit unter anderem beim geplanten Gewerbeausbau am Reinhardshof. Es könne passieren, dass der Ausbau durch mangelnde Ausgleichsflächen beschränkt werde.

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