Flohmarktleidenschaft führt zu Flohmarktladen

Paar: Karin Eyrich und Harald Scheiner bieten in Sachsenhausen ihre Schätze an - Erwartungen der Kunden haben sich im Laufe der Jahre verändert

Wertheim
3 Min.

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Ein Leben für den Flohmarkt, jetzt sogar mit Flohmarktladen daheim: Karin Eyrich und Harald Scheiner aus Sachsenhausen. Foto: Michael Geringhoff
Foto: Michael Geringhoff

Echte Passion brauche man da schon, sagen Karin Eyrich (55) und Harald Scheiner (58). Andererseits könne man ja auch kaum anders, als vollkommen begeistert von Flohmärkten und ihrem Ambiente zu sein. Die seien das Tollste auf der Welt. »Ich könnte ohne gar nicht leben«, sagt sie. »Ohne den Flohmarkt? Viel zu langweilig, was sollte ich denn stattdessen tun?«, fragt er und hebt die Schultern. Kurzum: Ein Leben ohne Flohmarkt ist generell vielleicht möglich, aber nicht für jeden sinnvoll.

Das Paar aus Sachsenhausen ist so überzeugt, dass es daheim - gleich gegenüber dem Rathaus - einen Flohmarktladen eröffnet hat, um sich die zähen Zeiten zwischen der normalen Brotarbeit und den Wochenenden auf den Märkten der Region verkürzen zu können. In drei Räumen im Erdgeschoss präsentieren sie ihre Schätze. Zum Teil ganz erstaunlich, was geht auf dem Flohmarkt.

Der eine oder andere erinnert sich vielleicht an Diddl. Das war so eine Art Mauswesen mit erstaunlich großen Füßen und verdächtig kleinem Kopf. Es gab Diddl nicht nur als Figur, sondern auch als Aufdruck auf Federmappen, Tassen und Schlüsselanhängern. Diddl war einfach überall. Im Jahr 1996 ist die Produktion eingestellt worden und heute bedauern es die Fans von damals. Zum Glück konnte sich das Paar aus Sachsenhausen gleich zwei Sprinterladungen aus einem aufgelassenen Lagerhaus im Raum Würzburg sichern. »Die Fans von heute sind zwischen 40 und 50«, sagt Eyrich. Da komme dann schon mal ein Herr und suche sich 60 unterschiedliche Radiergummis mit Diddl-Aufdruck oder eine Dame kaufe einen ganzen Korb voller Stoff-Diddls. »500 Stofftiere mehr oder weniger, dass fällt bei unserem riesigen Bestand gar nicht auf«, sagt Eyrich und dass man schon lange suche müsse, um etwas auch nur annähernd Vergleichbares zu finden.

Das Paar ist stolz darauf, dass es alles Originale sind. Die Diddl-Sachen haben sämtlich Preisschilder mit D-Mark-Angaben. Einige andere Dinge sind dagegen nicht original. »Man braucht heutzutage sehr viel Neuware auf dem Flohmarkt«, die Kundschaft fordere das, sagt Scheiner. Es komme ein bisschen auf die Region an - je dichter an Frankfurt, je mehr. Aber der generelle Trend stehe und alles komme aus China. »Die Leute wollen, dass es wie das Original ist, aber es muss billiger sein«, sagt er.

Ein schönes Beispiel sind die Zauberwürfel, die der Ungar Ernö Rubik Mitte der 1970er erfunden hatte. Eben sind sie wieder en vogue. »Die Kunden flippen total aus, wenn sie die Würfel bei uns wiedersehen. Keiner kann die Finger davon lassen«, sagt Karin Eyrich. Auf dem Flohmarkt kostet der fabrikneue Würfel zwei Euro und im Einkauf aus China nicht einmal die Hälfte.

In den 1970ern und 80ern sei Flohmarkt noch eine ganz andere Nummer gewesen, sagt Scheiner. Damals habe es nur alte Schätzchen gegeben und gar keine Neuware, die heute bis zu 90 Prozent im Sortiment ausmache. »Damals konnte man an einem Wochenende locker 2000 bis 3000 D-Mark verdienen.« Die Zeiten hätten sich geändert. Heute gebe es viele Flohmarktkollegen, die, anders als er, keinen anderweitigen sicheren Arbeitsplatz hätten. Viele lebten am Existenzminimum, einige auch sehr deutlich darunter.

Obendrein sei es auf den Märkten derweil durchaus schwerer geworden. »Die Hausfrauen verderben das Geschäft«, sagt Scheiner ziemlich unumwunden. »Die wollen alles einfach nur loswerden, verkaufen ein richtig tolles Radio für nur fünf Euro und lassen sich dann noch auf einsfünzig runterhandeln.« Da werde es für die Profis schwer, da brauche man schon ganz besondere Ware, sagt Scheiner.

Viel Stammkundschaft

Sie habe viel Stammkundschaft, sagt Karin Eyrich. Ihr Steckenpferd sind bunt bedruckte T-Shirts. »Wenn es nach mir ginge, hätten wir nur Shirts mit Wölfen und Indianern drauf«, sagt sie. Im Sortiment sind aber auch allerlei grell leuchtende Drachen, Totenköpfe, Adler und andere Tiere. Manche Drucke leuchteten sogar im Dunkeln, sagt sie. »Alles original aus Amerika. Ich achte da auf Qualität.« Alles werde vorab erprobt und mehrfach gewaschen. »Die Leute wissen das und kaufen deshalb bei mir. Viele kommen schon seit Jahren.« Da entwickle sich dann natürlich auch eine ganze Menge persönliches Miteinander. »Das mit Corona ist da ganz schlimm. Ich bin wirklich froh, dass wir mittlerweile wieder auf die Märkte können. Ich halte das echt nicht aus, ohne die Leute und ohne die Gespräche und all das. Das gehört eben auch zum Flohmarkt.«

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