Warum in Wertheim öffentliche Gebäude künftig anders beleuchtet werden könnten

Es werde dunkler - ab 23 Uhr

Wertheim
3 Min.

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Eingang zum Wertheimer Rathaus bei Dunkelheit. Die Beleuchtung an öffentlichen Gebäuden soll zum Insektenschutz angepasst werden - es gibt aber Ausnahmen.
Foto: Matthias Schätte
En­er­gie spa­ren - und In­sek­ten schüt­zen: In Wert­heim sol­len Stra­ßen­la­ter­nen um­ge­rüs­tet und die Be­leuch­tung öf­f­ent­li­cher Ge­bäu­de in der Dun­kel­heit künf­tig bes­ser ge­ma­nagt wer­den. Die Lis­te der Vor­ha­ben ist lang. Und an ei­ni­gen Stel­len könn­ten die Lich­ter ganz aus­ge­hen.

 

Schon seit Anfang 2021 müssen neu errichtete Beleuchtungsanlagen an öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen mit einer insektenverträglichen Beleuchtung ausgestattet sein, bestehende müssen bis 2030 umgerüstet sein. Ausnahmen gibt es nur, wenn beispielsweise die öffentliche Sicherheit oder die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet wären. Grundlage dafür ist das sogenannte Biodiversitätsstärkungsgesetz, das Teil der Novelle des Naturschutzgesetzes Baden-Württemberg ist. Es verpflichtet alle Kommunen im Ländle, ein naturschutzorientiertes Lichtmanagement einzuführen. »Wir wollen und müssen in der Zukunft Veränderungen vornehmen«, sagte Wertheims Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez am Montag in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses des Wertheimer Gemeinderats.

Leuchtzeiten begrenzt

Konkret bedeuten die neuen Vorgaben, dass öffentliche Gebäude nicht mehr wahllos Tag und Nacht angestrahlt werden können, wie Alexandra Thielen von der Umweltschutzabteilung der Stadtverwaltung erklärte: Eigentlich sei das Gesetz schon seit Anfang des Jahres anzuwenden. Ausnahmen sind aber möglich, sei es zeitlich begrenzt wie zu Veranstaltungen auf der Wertheimer Burg oder wenn Gebäude einen besonderen Charakter haben (siehe Hintergrund). Das gilt beispielsweise für die Burg, das Rathaus in der ehemaligen fürstlichen Hofhaltung oder das Kloster Bronnbach.

Längere Burgbeleuchtung

Hier hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen, trotz Ausnahmegenehmigung die Beleuchtung in den Zeiträumen wie zuvor zu belassen oder bis spätestens 1 Uhr zu begrenzen. Die Mehrheit des Gremiums war allerdings der Meinung, die Beleuchtung der meisten Gebäude könnte schon ab 23 Uhr ausgeschaltet werden - mit Ausnahme der Burg, die bis Mitternacht angestrahlt werden soll. Dieser Vorschlag soll dem Gemeinderat unterbreitet werden.

Keine Mehrheit fanden die Ideen von Ingo Ortel (SPD), auch die Burg nur bis 23 Uhr zu beleuchten und die Beleuchtungszeiten an die Jahreszeiten anzupassen. Ortel stimmte deshalb gegen den Plan.

Bei der Technik muss aber auch in diesem Fall insektenfreundlich nachgebessert werden, falls nötig. Gefordert wird unter anderem eine staubdichte Konstruktion des Leuchtengehäuses, damit keine Insekten hinein gelangen können. Außerdem eine maximale Oberflächentemperatur von 40 Grad Celsius, damit die Lebewesen nicht bei Kontakt gegrillt werden. Technisch problemlos ist die Sache für die Stadtwerke, die für die Beleuchtung verantwortlich sind, auch aus anderem Grund nicht: Bei vielen historischen Gebäuden in der Altstadt ist deren Beleuchtung an die Straßenbeleuchtung gekoppelt - und die wird über einen zentralen Dämmerungssensor gesteuert. Die Steuerungen zu trennen, könnte erhebliche Kosten verursachen, mahnte Baudezernent Armin Dattler.

Reglung für Neubaugebiete

Nicht betroffen von den Regelungen sind Privatleute oder Institutionen wie die Kirche: »Die Stadtverwaltung empfiehlt den Wertheimer Kirchengemeinden, sich an der Vorgehensweise für die städtischen Gebäude zu orientieren«, heißt es aber in der Sitzungsvorlage des Bau- und Umweltausschusses.

Für Außenbeleuchtungen von Gewerbebetrieben und Privatleuten will die Stadtverwaltung aber ein Infoblatt herausgeben mit Informationen, wie insektenfreundliche Beleuchtung gelingt. »Mit einem Infoblatt werden wir da wenig erreichen«, fürchtete Songrit Breuninger (Freie Bürger). Offen blieb die Frage, ob man die Beleuchtung auch durch eine städtische Beleuchtungssatzung regeln könne. Etwas stärker festgelegt werden Bauherren in künftigen Baugebieten: Dort sollen zur Außenbeleuchtung nur noch LED-Leuchten mit Farbtemperaturen bis 3000 Kelvin genutzt werden dürfen, Lichtstelen oder nach oben gerichtete Gartenstrahler sollen nicht mehr zulässig sein - genauso wie Lichtpunkthöhen von mehr als acht Metern über dem jeweiligen Gelände. Damit auch passé: Beleuchtungsanlagen mit wechselndem oder bewegtem Licht oder wechselnden Farben. Es sei auffällig, wie intensiv manche Privateigentümer mittlerweile ihre Häuser beleuchteten, bemerkte Breuninger: »Das nimmt überhand.«

Einen genauen Zeitplan für die Umrüstung der Straßenbeleuchtung gibt es übrigens noch nicht. Den könne man wahrscheinlich nächstes Jahr präsentieren, kündigte Dattler an: »In einer Hauruck-Aktion geht das jedenfalls nicht.«

Hintergrund: Beleuchtung in   Wertheim

 Für das Lichtmanagement kann die Stadtverwaltung Wertheim, die Unterhaltungsträger der öffentlichen Straßenbeleuchtung ist, mit ganz genauen Zahlen aufwarten: 
So gibt es in Stadt, Stadtteilen und Ortschaften etwa 4240 Leuchten, die 206.068 Watt Leistung haben.
Mittel- bis langfristig sollen alle Beleuchtungsanlagen auf stromsparende LED-Technik umgerüstet werden, bei bisher knapp 770 der 4240 Leuchten ist das schon passiert. Seit diesem Jahr gibt es für die Umrüstkosten 20 Prozent Förderung aus Bundesgeldern.
Bisher kommen vor allem Quecksilberdampf-Hochdruckleuchtmittel zum Einsatz. Deren Licht enthält einen extrem hohen Blauanteil, der Insekten anzieht. 
Derzeit rüsten die Stadtwerke Wertheim alle Straßenleuchten mit LEDs aus, die eine Farbtemperatur von 3000 Kelvin nicht überschreiten und damit insektenfreundlicher sind. Nach Bedarf können die neuen Leuchten auch mit Abschirmungen ausrüsten, um Lichteinfall auf angrenzende Häuser zu vermeiden. (scm)

Im Überblick: Ausnahmen bei der  Beleuchtung

Seit 31. Juli ist die Fassadenbeleuchtung öffentlicher Gebäude in Baden-Württemberg verboten, eine Ausnahme gibt es nur für den Zeitraum von 1. Oktober bis 31. März, jeweils zwischen 22 und 6 Uhr. Außerdem sind dazu anerkannte Regeln der Technik zu beachten. Die Stadt Wertheim lässt alle Gebäude entsprechend überprüfen.

Ausnahmen sind möglich, zum Beispiel für zeitlich begrenzte Veranstaltungen oder Gebäude von besonderer Bedeutung. Ausnahmen sollen beantragt werden für das Kloster Bronnbach, den Brückenheiligen Nepomuk sowie das Berg-Kreuz in Reicholzheim, das Schlösschen im Hofgarten und das Gärtnerhaus im Stadtteil Eichel. In der Wertheimer Altstadt sollen Ausnahmen gemacht werden bei Burg, Stiftskirche, Kilianskapelle, Rathaus und Rosengarten, Rotem Turm mit Kittsteintor, Camerer-Pavillon, Spitzem Turm, Pavillon am Mainplatz, Maintor sowie Hotel Wertheimer Stuben. (scm)

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