Erfolgsautor von Babylon Berlin liest auf der Wertheimer Burg

: Volker Kutscher berichtet aus seinem Schriftstellerleben und seine Erfindung Kommissar Gereon Rath

Wertheim
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Kamingespräch mit dem Babylon-Berlin-Autor Volker Kutscher (links). Der städtische Kulturmanager Christian Schlager führte das Interview in der Wertheimer Burg.
Foto: Michael Geringhoff
Der Babylon Berlin-Autor Volker Kutscher im Kamingespräch auf der Wertheimer Burg.
Foto: Michael Geringhoff
Der Na­me Vol­ker Kut­scher sagt vi­el­leicht nicht je­dem et­was, mit Ge­re­on Rath kön­nen hin­ge­gen vie­le et­was an­fan­gen. Kom­mis­sar Rath spieg­le sei­ne ei­ge­ne Per­sön­lich­keit nicht, wenn­g­leich er selbst auch Rhein­län­der sei, sag­te Kut­scher. Der Au­tor der Bücher zur Er­folgs­se­rie "Ba­by­lon Ber­lin" sprach am Don­ners­tag auf der Wert­hei­mer Burg mit Burg- und In­nen­stadt­ma­na­ger Chris­ti­an Schla­ger.

Auf dem Programm stand ein Kamingespräch, bei dem Kutscher ein bisschen redete und ein bisschen las. Die Besucher lernten den Autor in seiner Rolle kennen und wie es sich anfühlt, plötzlich mit dem Filmproduzenten Tom Tykwer im Berliner Café Einstein zu sitzen und über mögliche Buchverfilmungen zu sprechen.

Dabei hatte es anfangs gar nicht so gut ausgesehen, offenbarte der zum Erfolgsautor gewordene Kutscher. Eineinhalb Jahre lang hatte er den ersten der ursprünglich auf acht Bände ausgerichteten Kommissar-Rath-Serie wie Sauerbier angeboten, bis ein Verlag zugeschlagen hatte. Der achte Band mit dem Titel "Olympia" ist auf dem Markt, wird laut Kutscher aber doch nicht der letzte sein.

Band 9 folge im November 2022 und erst mit Nummer 10 und dem Fortschreiten des Zeitrahmens bis zur Reichskristallnacht im Jahr 1938 werde endgültig Schluss sein, berichtete der Bestsellerautor. Zum Warmwerden gab es fürs Publikum erst einmal ein bisschen Small Talk. Wie hat der Autor die Coronazeit erlebt? Kutscher berichtete von weniger persönlichem Input und ausgefallenen Lesereisen.

War es ein Befreiungsschlag, dass er wieder zur Buchmesse in Frankfurt konnte? Kutscher erzählte, dass er nur kurz dagewesen sei und ein paar Kollegen getroffen habe. "Es war ganz interessant", resümierte er. Kein Wort fiel allerdings über das zentrale Aufreger-Thema der jüngsten Buchmesse - die Nazis. Wenngleich: Die laufen ja in Kutschers Büchern zuhauf umher, selbst Kommissar Rath gehört dazu. Der wird in den Büchern jedoch als der Sensible weichgezeichnet.

Der Topos der 30er Jahre mitsamt Gangster-Mythos habe ihn interessiert, sagte der Autor, der zuvor schon drei Regionalkrimis veröffentlicht hatte. In der Branche der echten Bücher zähle so etwas allerdings nicht, da gelte man noch lange als Dilettant, als "Regionalkrimi-Fuzzi", erläuterte Kutscher. In den Jahren 2002/03 habe er erste Ideen zur Buchserie zusammengetragen. Intensive Recherche stecke hinter dem Zeitkolorit seiner Bücher, berichtete der Autor. Die Zeiten damals in den Dreißigern seien nicht wirklich golden gewesen. Wenn überhaupt dann für jene mit Geld.

Deutschland habe sich laut Kutscher mit allen Konsequenzen in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges befunden. Vom Tanz auf dem Vulkan zu sprechen, hält er im Übrigen für falsch: Man habe ja nicht wissen können, dass die Weltkriege bald durchnummeriert würden.

Im vorgestellten Buch geht es um einen Mordfall während der Olympischen Spiele im Jahr 1936 in Berlin. Schon damals sei absehbar gewesen, was da politisch kommen wird, meint Kutscher. Für einen möglichst weltoffenen Eindruck der Spiele waren die sonst allgegenwärtigen Zeichen nationaler Politik im Straßenbild getilgt worden. Sinti und Roma waren in Lagern am Rande Berlins kaserniert worden, das Konzentrationslager Sachsenhausen war schon im Aufbau begriffen.

Kommissar Rath ermittelt im Buch unter dem Radar. Der Mord soll als Unfall gelten, um die Spiele und die politische Selbstdarstellung nicht zu stören. Gleich die erste Szene aus der der Autor liest ist blutig. "Bisschen grausam", sagt Kutscher selbst. Das müsse so sein, gehöre zur Wahrheit der Zeit, dem was die Menschen hätten ertragen müssen. Wer das in der Lesung nicht vertrage, der müsse mal eben fünf Minuten vor die Tür, warnte der Autor vor. Wer diese "Vernehmung dritten Grades" nachlesen möchte, muss den Olympia-Band aus der Kommissar Rath-Reihe kaufen oder auf die Verfilmung warten.

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