Eltern gegen Früheinschulung - Initiative fordert Verlegung des Stichtags

Vom 30. September auf 30. Juni

Großrinderfeld
2 Min.

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Setzt sich gegen die Früheinschulung ein: Nicole Stolzenberger. Foto: Julia Wiechert
Foto: Julia Wiechert
»Stoppt die Frühein­schu­lung in Ba­den-Würt­tem­berg!« Mit die­sem Slo­gan for­dert ei­ne El­tern­in­i­tia­ti­ve, den Stich­tag für die Ein­schu­lung vom 30. Sep­tem­ber auf den 30. Ju­ni zu­rück­zu­ver­le­gen. Ni­co­le Stol­zen­ber­ger aus Großrin­der­feld ist ei­ne der In­i­tia­to­rin­nen der Pe­ti­ti­on.

Sie muss sich als Mutter einer im September geborenen Tochter zwangsläufig mit dem Thema befassen: Nach der jetzigen Regelung müsste ihre Tochter in dem Monat ihres sechsten Geburtstags eingeschult werden.

Für den Fall, dass die gelernte Erzieherin ihre Tochter zu diesem Zeitpunkt noch nicht für schulreif halten würde, hätte sie nach der jetzigen Regelung die Option, beim Rektor der zuständigen Schule einen Antrag auf Zurückstellung des Kindes einzureichen. Die Erfolgschancen seien jedoch sehr unterschiedlich. »Manche Eltern bezeichnen das Rückstellungsprozedere als einen nervenaufreibenden Kampf. Das allein ist doch eine gewichtige Aussage«, findet Nicole Stolzenberger. Eine Mutter wisse jetzt, im Mai, immer noch nicht, ob ihr Kind im September in die Schule müsse oder nicht.

»Momentaufnahmen«

Zweifel haben die Initiatoren aber nicht nur an der Vergleichbarkeit der Entscheidungen. Sie kritisieren auf »openpetition.de« auch, dass die Schulleiter »durch Momentaufnahmen auch nicht einschätzen können, ob das Kind tatsächlich schulfähig/schulreif ist. Nicht selten spielen in dieser wichtigen Entscheidung Faktoren wie Klassenteiler, Finanzen, Lehr-kräfte usw. ebenfalls eine ausschlaggebende Rolle«. Des Weiteren befürchten die Eltern um Nicole Stolzenberger, dass bei der Entscheidung über die Zurückstellung nur kognitive Fähigkeiten berücksichtigt werden.

Die Initiative fordert nun das, was Dominique Franzen mit ihrer Petition in Bayern schon geschafft hat: Dort gibt es ab diesem Jahr einen dreimonatigen »Einschulungskorridor«, das heißt, die Eltern der Juli-, August- und September-Kinder dürfen selbst entscheiden, ob ihr Kind mit fünf oder gerade sechs Jahren eingeschult wird oder ob es noch ein weiteres Jahr im Kindergarten verbringt.

Die baden-württembergische Petition hat am 6. Februar begonnen und wurde schon von über 22 000 Unterstützern unterzeichnet. Auf Initiative der FDP hat sich auch der Landtag bereits mit der Verschiebung des Stichtags befasst. Die Antworten der Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erschienen der Elterninitiative jedoch unzureichend. Die Ministerin wolle eine bessere Beratung der Eltern. Damit wollen sich die Eltern aber nicht zufrieden geben. Sie fordern »volles Entscheidungsrecht«.

Mit der Onlinepetition sind einige Webseiten verlinkt, die über die Folgen der Früheinschulung informieren. Der Tenor: Früh eingeschulte Kinder bleiben häufiger sitzen als andere Kinder, was auch zum Verlust des Freundeskreises und des Selbstwertgefühls führt. Schulunlust kann folgen.

»Je älter, desto stabiler«

Auch Melanie Matuszewski, Rektorin der Grundschule Bestenheid, weiß, dass früh eingeschulte Kinder oft zu Schulverlierern werden. »Vor allem in sozio-emotionaler Hinsicht gilt: Je älter die Kinder sind, desto stabiler sind sie«, erklärt sie. Akademisch gebildete Eltern hätten das erkannt. Dennoch empfindet Matuszewski das Anliegen der Petition als »zu eindimensional«, denn es seien immer mehr Kinder nicht schulreif. Die Vorläuferfähigkeiten würden zunehmend schwinden. Auch früher habe es Kinder mit Problemen in einzelnen Bereichen gegeben, aber mittlerweile hätten viele Kinder auf mehreren Gebieten Defizite. Schulverlierer seien vor allem Jungs. Sie würden oft schlecht in Lese- und Schreibprozesse starten. Daher müssten gerade jetzt mehr Ressourcen in den Bildungsanfang investiert werden.

Hintergrund: Unterstützung

Wer die Petition gegen Früheinschulung in Baden-Württemberg unterstützen möchte, kann dies unter der Internetadresse openpetition.de/!einschulungBaWü tun. Viele Eltern, Lehrer, Erzieher und Therapeuten unterstützen die Petition bereits. Auch Prominente verweisen in sozialen Netzwerken auf die Elterninitiative, beispielsweise »Super Nanny« Katia Saalfrank, Model Sara Kulka oder Kinderarzt und Bestsellerautor Herbert Renz-Polster. ()

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