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Kirchenerhalt: Kloster Bronnbach wurde vom Kreis gekauft und vor dem Verfall gerettet - Europaweites Beispiel für gelungene Nachnutzung

Wertheim-Bronnbach
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Matthias Wagner.
Foto: Boris Dauber
In vie­len deut­schen Kir­chen und Klös­t­ern wur­de das letz­te Abend­mahl be­reits ge­fei­ert: Sie muss­ten sch­lie­ßen. Sin­ken­de Mit­g­lie­der­zah­len und stei­gen­de Kos­ten zwin­gen die Glau­bens­ge­mein­schaf­ten im­mer öf­ter, sich von ih­ren Got­tes­häu­s­ern zu tren­nen. Schät­zun­gen al­lein der ka­tho­li­schen Kir­che zu­fol­ge än­dert sich in den kom­men­den zehn Jah­ren die Ver­wen­dung von 700 Kir­chen in Deut­sch­land.
Eine Frage steht dann stets im noch nach Weihrauch duftenden Raum: Wie lassen sich diese religiösen Stätten weiternutzen?
Da der Erhalt von Gotteshäusern ein europaweites Problem darstellt, hat sich ein von der EU unterstütztes Konsortium aus Experten intensiv mit dem Thema beschäftigt. Die sieben Partnerorganisationen sammelten unter dem Namen »Alterheritage« Instrumente und Methoden, um von Leerstand bedrohte Kirchen zubewahren. Das Wertheimer Kloster Bronnbach wird in diesem Zusammenhang als gelungenes Beispiel für die Nachnutzung sakraler Bauten gewürdigt.
Matthias Wagner, der den Eigenbetrieb Kloster Bronnbach seit 2013 leitet, ist stolz, dass das ehemalige Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert jährlich bis zu 25 000 Kulturtouristen anlockt. Als der Main-Tauber-Kreis dem Fürstenhaus Löwenstein die Klosterliegenschaften im Jahr 1986 für 1,9 Millionen Mark abkaufte, waren die Gebäude in einem schlechten Zustand.
Der Landkreis war nun im Besitz eines Klosters, doch der Geist der Einsehung, wie die rund sechs Hektar große Anlage künftig genutzt werden konnte, kam nicht sofort über den damaligen Landrat Georg Denzer und die Kreisräte. »Die Vorschläge füllten zehn Leitz-Ordner, aber in einem Punkt waren sie alle mehr als notdürftig: Keiner hatte eine Ahnung, wie die vorgeschlagene Nutzung finanziert werden soll«, erzählt der 73-jährige Altlandrat.
Eines war allerdings von vorneherein klar: Für ein einheitliches Nutzungskonzept war die Liegenschaft zu groß und die einzelnen Gebäude, wie etwa Klosterbasilika, Wohnräume oder Ställe, zu unterschiedlich. Von der Bauhütte über eine Jugendherberge bis zum Hotel mit Golfplatz reichten die Vorschläge für die Wiederbelebung der größtenteils verwaisten Klosteranlage. Doch dafür fehlten schlicht die Investoren.
Von vier Säulen getragen
Heute wird das Nutzungskonzept des Klosters Bronnbach laut Matthias Wagner von vier Säulen getragen: »Der geistlichen, der wissenschaftlichen, der kulturellen und der touristischen Säule.« Über die Jahre haben sich dort verschiedene Institutionen angesiedelt. Im Spitalgebäude, wo früher frische Verbände angebracht wurden, bewahrt der Archivverbund Main-Tauber nun alte Bände auf. Der Stall beherbergt keine Rindviecher mehr, sondern Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Silicatforschung.
Das Brennereigebäude und die Kirche werden dagegen noch so genutzt wie früher. In Ersterem brennt der Heimatverein Reicholzheim Klosterschnaps, in letzterer feiern die Missionare von der Heiligen Familie Gottesdienste und Messen. »Die Patres sind die Seele des Ganzen. Das Kulturprogramm, das wir hier anbieten, entspricht dann vielleicht Fleisch und Knochen«, sagt Wagner. Der 49-Jährige achtet darauf, dass die Veranstaltungen im Kloster Bronnbach dem Ort angemessen sind. »Wir verzichten auf zu Lautes. Andererseits können wir nur hier ein Sonnenaufgangskonzert machen, weil die Mönche eben so früh aufgestanden sind«, betont er.
Den Kulturtouristen will Wagner die Geschichte des Klosters authentisch vermitteln. Als Zisterzienser verkleidete Touristenführer wird man in Bronnbach nicht finden. Als Wagner das vielschichtige Nutzungskonzept in einem Alterheritage-Symposium in Bronnbach vorstellte, stieß er auf viel Zuspruch seitens der Experten. Ihm ist aber auch bewusst, dass es kein Patentrezept gibt: »Für jede kirchliche Anlage muss man eine eigene Lösung finden«, ist der 49-Jährige überzeugt.
Boris Dauber
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