»Professor Unrat« in Wertheim: Ein Lehrer zwischen Moral und Liebe

Badische Landesbühne

Wertheim
1 Min.

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Szene aus Heinrich Manns »Professor Unrat«. Foto: Peter Empl
Foto: Peter Empl
»Ich bin von Kopf bis Fuß auf Lie­be ein­ge­s­tellt« - Bei die­sem Lied­ti­tel ha­ben vie­le das Bild von Mar­le­ne Die­trich im Film »Der blaue En­gel« im Kopf.

Die Besucher der Badischen Landesbühne am Dienstag werden in Zukunft wahrscheinlich auch an die blau gekleidete Schauspielerin Elena Weber denken, die mit beeindruckender Bühnenpräsenz und mitreißendem Gesang die Künstlerin Rosa Fröhlich darstellte.

Das Ensemble präsentierte zum Auftakt der neuen Spielzeit Heinrich Manns »Professor Unrat« in einer Bearbeitung von John von Düffel. Regie bei dem Kampf des Gymnasiallehrers Professor Raat (René Laier) mit seinen eigenen Moralvorstellungen und Begierden führte Arne Retzlaff.

Das Bühnenbild zeigt ein Klassenzimmer, das durch Lichteffekte und eine Projektionswand ohne Umbau immer wieder zum Etablissement »Der blaue Engel« wird.

Dies bewies die Verknüpfung der beiden so gegensätzlichen Lebensbereiche des gefürchteten Gymnasiallehrers. Ist er doch bekannt, seinen Schülern gezielt Karrieren zu verbauen. Und so wittert der Schiller-Liebhaber Morgenluft, als er im Aufsatzheft seines Schülers Kieselack (Fabian Jung) eine Autogrammkarte mit Widmung von Rosa Fröhlich findet. Tyrannisiert und verspottet dieser mit seinen Freunden von Ertzum (Martin Behlert) und Lohmann (Tobias Strobel) den Pädagogen doch bei jeder Gelegenheit. Die Schauspieler stellen die Arroganz der aus gut betuchten Familien stammenden Schüler überzeugend dar. Die von gegenseitigem Hass und Neid geprägte Lehrer-Schüler-Beziehung, bei der keiner sympathisch wegkommt, wird glaubhaft in Szene gesetzt.

Raat sucht Fröhlich auf, um Beweise gegen die von ihm gehassten Schüler zu finden und gerät selbst in ihren Bann. Aus Liebe und Begierde wirft er nach und nach seine Moralvorstellungen über Bord. Für komische Einlagen sorgen nicht nur das ebenfalls in Blau gehaltene Artistenpaar Kiepert (Evelyn Nagel und Stefan Holm), sondern auch die eingehaltenen Abstände, beispielsweise bei Annäherungen und Auseinandersetzungen oder dem »Weiterreichen« einer Sektflasche. Dies ist sicher der Corona-Situation geschuldet. Retzlaff und den Schauspielern gelingt es aber, dies so geschickt in Szene zu setzen, dass es für die Zuschauer unterhaltsam ist. Und als sich die Beziehungen zuspitzen, nähern sich die Schauspieler immer stärker einander an.

Der erste Theaterabend nach der Zwangspause hatte alles, was Theaterbesucher lieben: eine spannende Handlung, ein vielschichtiges Bühnenbild, Gesang, Komik und Tragik.

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